Photovoltaik: Einkommensteuer

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Gewinnermittlung und die neue Vereinfachungsregelung

Die gute Nachricht zuerst: Seit 2021 können (fast) alle Betreiber einer Photovoltaik-Dachanlage aufatmen. Das Bundesfinanzministerium hat entschieden, den Betrieb von Kleinanlagen als steuerlich unbeachtliche Liebhaberei ohne Gewinnerzielungsabsicht einzustufen. Das bedeutet: Sind die Voraussetzungen erfüllt, entfallen die aufwendigen Prognoseberechnungen und Gewinnermittlungen und die Einnahmen unterliegen nicht der Einkommensteuer. Dieser Beitrag klärt über die gesetzlichen Regelungen für beide Alternativen auf und liefert wertvolle Steuertipps.

Einkommenssteuer © Butch, fotolia.com
Einkommenssteuer: nicht mehr bei jeder PV-Anlage fällig © Butch, fotolia.com

Das Bundesfinanzministerium weist ausdrücklich darauf hin: Von der Pflicht, Umsatzsteuer abzuführen, befreit die neue Regelung nicht.

PV-Anlage und Unternehmertum

PV Erträge: Das Finanzamt möchte mitverdienen
PV Erträge: Das Finanzamt möchte mitverdienen

Vor dem Finanzamt ist jeder Betreiber einer Photovoltaikanlage, der Solarstrom ins öffentliche Netz einspeist, ein Gewerbetreibender. Dass aufgrund eines Freibetrags in der Regel keine Gewerbeanmeldung erforderlich ist und keine Gewerbesteuer fällig wird, bedeutet aber keineswegs, dass der Gewinn nicht zu versteuern ist. Bisher – und für größere Anlagen auch weiterhin – müssen Betreiber den erzielten Gewinn ermitteln und darauf Einkommenssteuer entrichten.

Zur „Vereinfachung des Verwaltungsverfahrens“ erkennt die Bundesregierung seit Kurzem den Betrieb kleiner Photovoltaikanlagen als „Liebhaberei“ ohne Gewinnerzielungsabsicht an. Mit der Folge, dass diese Anlagenbetreiber auf Antrag den Gewinn ihrer Photovoltaikanlage nicht mehr ermitteln und ans Finanzamt übersenden müssen. Eine große Erleichterung – und überaus vorteilhaft bei der Berechnung der Einkommensteuer. Dieses „Geschenk“ trägt einen wahrhaft bürokratischen Namen: Vereinfachungsregelung. Da jedoch nicht jeder Anlagenbetreiber in ihren Genuss kommt, beginnt unsere Betrachtung mit der Einkommenssteuer.

Hinweis: Einkommensteuer oder Einkommenssteuer? Beides ist richtig. Finanzbehörden verwenden die erste Variante (denn es handelt sich ja um eine Steuer auf das Einkommen, nicht um eine Steuer des Einkommens), da sich das Genitiv-s jedoch allgemein eingebürgert hat, akzeptiert der Duden auch Variante Nummer 2. Das Gleiche gilt übrigens für die Grunderwerbsteuer. In diesem Beitrag werden beide Schreibweisen verwendet.

Einkommensteuer und Anlage G

Ob der Betreiber einer PV-Anlage Einkommenssteuer auf die Einspeisevergütung zahlen muss, hängt davon ab, ob mit der Anlage ein Gewinn erzielt wird oder nicht.

Um dies herauszufinden, wird folgende Rechnung durchgeführt:

Erlöse (Einspeisevergütung)

Kosten (inkl. Wartungs- und Reparaturkosten, Versicherungen etc.)
=
Gewinn

Die Erlöse und Kosten werden als Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) erfasst. Der sich daraus ergebende Gewinn ist als Einkünfte aus Gewerbebetrieb in die Anlage G einzutragen – in Zeile 4 mit der Angabe „Photovoltaikanlage“ als Art des Betriebs. Bei der elektronischen Einkommenssteuererklärung über ELSTER wird der Gewinn dann automatisch in den Hauptvordruck ESt übertragen.

In den ersten Jahren sind Verluste beispielsweise aufgrund von Finanzierungen und Sonderabschreibungen nicht unüblich. Mit einer Einschränkung können diese ebenfalls geltend gemacht werden: Über die gesamte Nutzungsdauer von 20 Jahren muss die Anlage insgesamt einen Gewinn erzielen. Dafür verlangt das Finanzamt einen Nachweis, also z.B. eine Amortisationsberechnung des Anlagenbauers. Dieser Totalüberschuss ist aufgrund der niedrigen Einspeisevergütungen häufig nur durch das Einkalkulieren der eingesparten Stromkosten durch den Eigenverbrauch zu erreichen.

Tipp: Sie können bereits im Voraus testen, wie sich die Einkünfte auswirken. Hierfür steht auf der Website des Bundesministeriums der Finanzen ein interaktiver Lohn- und Einkommensteuerrechner bereit.

Fazit: Gewinne aus dem Betrieb von Photovoltaikanlagen erhöhen – zusammen mit den Einnahmen aus unselbständiger oder weiterer selbständiger Arbeit – die zu entrichtende Einkommenssteuer. Diese muss einmal im Jahr an das Finanzamt abgeführt werden.

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Gewinnermittlung per EÜR

Die Gewinnermittlung bei einer PV-Anlage ist keine Hexerei. Dafür werden in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung EÜR lediglich die Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben gegenübergestellt.

Der Gewinn ergibt sich aus der Formel:

Betriebseinnahmen – Betriebsausgaben = Gewinn.

Dabei gehören zu den

Betriebseinnahmen:

  • Einspeisevergütung: Die Vergütung, die der Betreiber einer PV-Anlage für die Einspeisung des Stroms in das öffentliche Netz erhält, ist für den Zeitraum von 20 Jahren gesetzlich garantiert. Für ausgeförderte Anlagen gibt es bis 2027 zudem eine reduzierte Einspeisevergütung.
  • Eigenverbrauch: Selbst verbrauchter Strom zählt ebenfalls zu den Betriebseinnahmen und unterliegt damit der Einkommensteuer.

Eigenverbrauch ermitteln: Die Nutzung eines Teils des Stroms aus der eigenen PV-Anlage stellt aus steuerrechtlicher Sicht eine Entnahme des Betriebsvermögens dar. Daher ist auch dieser Strom bei der Gewinnermittlung zu berücksichtigen. Zur Ermittlung des Wertes, der hier angesetzt werden soll, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

  1. Pauschale Ermittlung:In diesem Fall wird ein Pauschalbetrag (20 Cent pro Kilowattstunde) angesetzt. Vorteil: Kein Rechercheaufwand
  2. Ansetzung des Wiederbeschaffungswertes: Hier wird der Preis pro Kilowattstunde angesetzt, der tatsächlich an den Energieversorger gezahlt werden müsste, wenn kein eigener Strom erzeugt werden würde. Vorteil: meist finanziell vorteilhafter als die Pauschale.
  3. Berechnung des Eigenverbrauchs anhand der Herstellungskosten: Hierzu werden die Betriebsausgaben (inkl. Abschreibung und Zinsen) bei der Finanzierung ermittelt sowie der prozentuale Anteil des Eigenverbrauchs.
Es gibt drei Möglichkeiten den Eigenverbrauch zu ermitteln
Es gibt drei Möglichkeiten den Eigenverbrauch zu ermitteln
Hinweis: Die auf diese Entnahme anfallende Umsatzsteuer ist getrennt zu ermitteln und in Zeile 16 einzutragen.

Betriebsausgaben:

  • Investitionskosten: Die Anschaffungskosten dürfen nicht direkt im Jahr der Anschaffung als Ausgabe abgesetzt werden. Die Abschreibung (AfA, Absetzungen für Abnutzung) erstreckt sich auf die angenommene Nutzungszeit von 20 Jahren. Dazu gehören u.a. auch die Installations- und Abnahmekosten.
  • Betriebskosten: Reparatur- und Wartungskosten, Versicherungsbeiträge, Fahrtkosten zur Bank, Reinigungskosten, Zählermiete etc. gehören zu den absetzbaren Betriebskosten.
  • Finanzierungskosten: Wenn ein Kredit aufgenommen wurde, mindern die Zinsen die Einkommenssteuerlast.
  • Umsatzsteuer: Betrieblich veranlasste Steuern sind in voller Höhe absetzbar.

Weitere Informationen zu diesem Thema bietet der Beitrag Photovoltaik Kosten.

Die Strom-Einsparung wird wie ein Handel gerechnet
Die Strom-Einsparung wird wie ein Handel gerechnet

Die Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben wirken sich auch auf die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage aus. Wie die Amortisationszeit ermittelt wird, zeigt unser Beitrag Wirtschaftlichkeit und Amortisation einer PV-Anlage berechnen.

Wichtig: Liegen keine Gewinnerzielungsabsichten vor, d.h. wird keine EÜR erstellt, können Handwerkerleistungen als private Dienstleistungen steuerlich geltend gemacht werden. Wichtig ist, nur die Arbeitsleistung aufzuführen. Dazu gehören auch die Fahrtkosten, nicht aber die Materialkosten. Seriöse Solarteure kennen sich hier bestens aus. Sie wissen auch, dass eine Barzahlung vom Finanzamt nicht akzeptiert wird. Eingetragen werden die Kosten im Hauptvordruck.

Vereinfachungsregelung: Befreiung von der Pflicht zur Gewinnermittlung

Ursprüngliches Ziel des BMF war wohl gewesen, den bürokratischen Aufwand der Finanzämter zu verringern. Mit dem Sinken der Einspeisevergütung sind zugleich die Gewinne der Betreiber und damit deren Steuerbeiträge auf ein Minimum gesunken. Von der sogenannten Vereinfachungsregelung profitieren jedoch auch Immobilienbesitzer, die eine PV-Anlage betreiben. In der erweiterten Fassung des Schreibens des Bundesfinanzministeriums an die obersten Finanzbehörden der Länder vom 29.10.2021 werden alle entscheidenden Punkte erläutert und mit Beispielen unterlegt. Dies sind die wichtigsten Voraussetzungen:

  1. Die Gesamtleistung darf maximal 10 kWp betragen. Maßgeblich ist die installierte Leistung i.S.d. § 3 Nr. 31 EEG 2021, nicht die Werkleistungseinspeisung i.S.d. § 9 Abs. 2 Nr. 2 EEG 2021. Die Maximalleistung gilt sowohl für Anlagen, die sich auf demselben Grundstück befinden als auch für Anlagen auf verschiedenen Grundstücken, auch wenn diese technisch voneinander getrennt sind.
  2. Der erzeugte Strom wird neben der Einspeisung in das öffentliche Stromnetz ausschließlich in eigenen Wohnräumen verbraucht. Die Nutzung durch Mieter oder Feriengäste ist nur erlaubt, wenn die Einnahmen 520 Euro pro Jahr nicht überschreiten.
  3. Die Photovoltaikanlage(n) wurde(n) nach dem 31. Dezember 2003 oder vor mehr als 20 Jahren in Betrieb genommen.
  4. Vor dem 1. Januar 2004 in Betrieb genommene PV-Anlagen können frühestens nach 20 Jahren Betriebsdauer zur Liebhaberei übergehen. Für diese ausgeförderten Anlagen ist der Antrag in dem Jahr zu stellen, das auf das letzte Jahr der Fördervergütung folgt.
  5. Bei zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 31. Dezember 2021 in Betrieb genommenen Altanlagen ist der Antrag bis Ende 2022 zu stellen.
  6. Bei nach dem 31. Dezember 2021 in Betrieb genommenen Neuanlagen muss der Antrag bis spätestens zum Ablauf des Veranlagungszeitraums gestellt werden, der auf das Jahr der Inbetriebnahme folgt.
  7. Anträge sind beim örtlich zuständigen Finanzamt zu stellen. Sie wirken in allen offenen Veranlagungszeiträumen und auch für die Folgejahre.
Die PV-Anlage kann steuerlich als Liebhaberei gewertet werden
Die PV-Anlage kann steuerlich als Liebhaberei gewertet werden

Bei der Vereinfachungsregelung handelt es sich – ähnlich wie bei der Umsatzsteuer – um ein Wahlrecht. Alternativ kann auch eine Gewinnerzielungsabsicht nachgewiesen und die Einkommenssteuer abgeführt werden. Anders als die begehrte Vorsteuererstattung sind Sonderabschreibungen jedoch selten ein geeignetes Mittel, diese Mehrausgaben zu kompensieren.

An das BMF-Schreiben sind alle Finanzministerien der Länder gebunden. Auf deren Webseiten finden Steuerpflichtige größtenteils sehr umfassende Informationen. Als Beispiel sei das übersichtlich aufgearbeitete Merkblatt des Bayerischen Landesamts für Steuern genannt. Die passende Mustererklärung umfasst eine Seite und kann online ausgefüllt werden.

Hinweis: Die Vereinfachungsregelung gilt ausschließlich für die Einkommensteuer. Im Umsatzsteuerrecht kommt es darauf an, ob mit dem Betrieb der PV-Anlage Einnahmen erzielt werden sollen. Ob die Anlage steuerlich mit Gewinn oder Verlust betrieben wird, ist dabei unbeachtlich.

Fazit: Die Vereinfachungsregelung des BMF ist sicherlich ein willkommener Beitrag zur Entbürokratisierung und zur Kosteneinsparung bei den Finanzbehörden. Sie könnte Kleinanlagenbetreibern zudem die Sorge nehmen, gravierende Fehler bei der Anmeldung zu begehen. Möglicherweise verleiht sie einigen Interessenten sogar den nötigen Antrieb, nach einigem Zögern in die Energiewende zu investieren.

TIPP

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Grunderwerbsteuer: je nach Nutzung erforderlich

Grunderwerbssteuer © Marco2811, stock.adobe.com
Grunderwerbssteuer © Marco2811, stock.adobe.com

Wird nicht nur eine Photovoltaikanlage, sondern eine Immobilie mit einer bereits vorhandenen Photovoltaikanlage erworben, ist auch die Grunderwerbssteuer ein Thema. Ob sie anteilig für die Dachanlage gezahlt werden muss, richtet sich nach deren Gebrauch: Wird sie ausschließlich zur Eigenversorgung des Gebäudes genutzt, erhöht der Kaufpreisanteil die Grunderwerbsteuer. Wird sie dagegen gewerblich genutzt (Stichwort: Einspeisevergütung), gehört sie als „Betriebsvorrichtung“ nicht zum Gebäude. Nun kommt es darauf an, wie die Anlage installiert wurde:

  • Installation auf dem Dach: Für eine Aufdach-Anlage muss auf den Kaufpreis KEINE Grunderwerbssteuer entrichtet werden.
  • Einbau in das Dach: Für eine Indach-Anlage muss auf den Kaufpreis ebenfalls Grunderwerbssteuer gezahlt werden.

Der Grund: Indach-Anlagen sind fest integriert, zählen damit nicht zu sogenannten beweglichen Gütern. Diese Abgrenzung gilt genauso für die unterschiedlichen Fassadenmodule.

Indach und Aufdach-Anlagen werden steuerlich unterschiedlich behandelt
Indach und Aufdach-Anlagen werden steuerlich unterschiedlich behandelt

Die Höhe der Grunderwerbssteuer ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und beträgt zwischen 3,5 und 6,5 Prozent des Kaufpreises. Auskunft gibt die Internetseite des jeweiligen Landesfinanzministeriums.

Wichtig: Dieser Artikel bietet nur einen Einführung in steuerrechtliche Fragen. Vor dem Kauf einer PV-Anlage beziehungsweise dem Kauf einer Immobilie mit PV-Anlage sollte daher immer eine Beratung durch den Steuerberater vorgenommen werden.

Tipp: Weitere Informationen finden Sie in unserem Artikel Photovoltaik und Steuern: Häufige Fragen.
Häufige Fragen © asiln, fotolia.com
Photovoltaik und Steuern: Häufige Fragen

FAQ: Rund um Kauf und Betrieb einer PV-Anlage aus steuerrechtlicher Sicht Steuern sind ein Thema, mit dem sich die wenigsten… weiterlesen

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