Photovoltaik und Steuern

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Ratgeber: Photovoltaik – alles, was steuerlich Recht ist

Dieser Ratgeber verschafft Ihnen einen Überblick über die aktuelle steuerliche Rechtslage rund um die Photovoltaik (PV). Sie erfahren, wie die Erzeugung von Solarstrom mit einer PV-Anlage steuerlich geregelt ist, welche Steuern Sie als PV-Anlagenbetreiber zahlen müssen und wie sich die sogenannte Kleinunternehmerregelung bei PV-Anlagen auswirkt.

Steuern © K. U. Häßler, fotolia.com
Photovoltaikanlagen und Steuern © K. U. Häßler, fotolia.com

Wer eine Photovoltaikanlage auf seiner Immobilie installiert oder eine Immobilie mit einer vorhandenen PV-Anlage erwirbt, leistet einen Beitrag zum Umweltschutz, gewinnt ein Stück weit Unabhängigkeit von den schwankenden Energiepreisen und erwirtschaftet in der Regel durch die Einspeisung von Strom ins öffentliche Netz Einnahmen. Daher wird jeder Betreiber einer PV-Anlage aus steuerlicher Sicht zum Gewerbetreibenden – mit den entsprechenden Rechten und Pflichten. Dieser Ratgeber gibt einen Überblick über die anfallenden Steuern. Zudem erfahren Sie, was es mit der so genannten Kleinunternehmerregelung auf sich hat.

Betreiber einer PV-Anlage, die den gewonnenen Strom teilweise selbst nutzen und teilweise gegen Entgeltzahlung ins öffentliche Stromnetz einspeisen, sind aus Sicht des Finanzamtes Gewerbetreibende. Welche Steuern zu entrichten sind, hängt unter anderem von der Größe der PV-Anlage ab. Grundsätzlich können folgende Steuerarten auf eine PV-Anlage erhoben werden:

  • Einkommenssteuer
  • Gewerbesteuer
  • Umsatzsteuer, auch Mehrwertsteuer genannt
  • Grunderwerbssteuer

Im folgenden erfahren Sie, welche dieser Steuern auf Sie als Betreiber einer PV-Anlage zukommen.

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PV-Anlage und Steuerrecht – Allgemeine Grundlagen

Haus mit Solaranlage © assetseller, fotolia.com
Haus mit Solaranlage © assetseller, fotolia.com

Auf den ersten Blick scheint eine PV-Anlage in einem Privathaus ähnlich zu der Immobilie zu gehören, wie beispielsweise eine Heizungsanlage oder eine Klimaanlage. Aus steuerrechtlicher Sicht handelt es sich bei einer PV-Anlage , mit der Strom für den Eigenbedarf und zur Einspeisung in das öffentliche Netz produziert wird, um ein Gewerbe. Der Inhaber einer Immobilie mit PV-Anlage ist vor dem Finanzamt damit ein Gewerbetreibender. Die Unternehmereigenschaft ergibt sich aus der Tatsache, dass für die Einspeisung des Stroms in das öffentliche Netz eine Vergütung bezahlt wird.

Die Gewerbesteuer

Gewerbesteuer © Zerbor, fotolia.com
Ob der Betreiber einer PV-Anlage Gewerbesteuer bezahlen muss oder nicht, hängt unter Anderem von der Dimension der PV-Anlage ab © Zerbor, fotolia.com

Ob der Betreiber einer PV-Anlage Gewerbesteuer bezahlen muss oder nicht, hängt von der Dimension der PV-Anlage ab: Beträgt der Gewinn mehr als 24.500 Euro, so muss der Inhaber einer PV-Anlage ein Gewerbe anmelden und Gewerbesteuer abführen. Liegt der Gewinn unter dieser Grenze, so wird dieser vom Finanzamt als Bagatelle eingestuft und eine Gewerbeanmeldung ist nicht erforderlich. Die meisten durchschnittlichen PV-Anlagen haben eine so geringe Nennleistung, dass der Gewinn unterhalb dieses Grenzwertes liegen dürfte.

So funktioniert die Gewinnermittlung bei einer PV-Anlage:

Der Gewinn ergibt sich aus der Formel:

Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben gleich Gewinn.


Zu den Betriebseinnahmen gehören:

  • Vergütung für eingespeisten Strom
  • Betrag für selbst verbrauchten Strom
  • Jeweils inkl. Umsatzsteuer

Zu den Betriebsausgaben zählen:

  • Abschreibung des Kaufpreises der PV-Anlage (auf 20 Jahre verteilt)
  • Wenn Kredit zur Finanzierung aufgenommen wurde: die Zinsen
  • Falls vorhanden: Reparatur- und Wartungskosten, Versicherungen u.ä.
Einspeisevergütung: Die Vergütung, die der Betreiber einer PV-Anlage für die Einspeisung des Stroms in das öffentliche Netz erhält, ist für den Zeitraum von 20 Jahren gesetzlich garantiert.
Eigenverbrauch ermittelnDie Nutzung eines Teils des Stroms aus der eigenen PV-Anlage stellt aus steuerrechtlicher Sicht eine Entnahme des Betriebsvermögens dar. Daher ist auch dieser Strom bei der Gewinnermittlung zu berücksichtigen. Zur Ermittlung des Wertes, der hier angesetzt werden soll, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

  1. Pauschale Ermittlung: In diesem Fall wird ein Pauschalbetrag (20 CT pro Kilowattstunde) angesetzt. Vorteil: Kein Rechercheaufwand
  2. Ansetzung des Wiederbeschaffungswertes: Hier wird der Preis pro Kilowattstunde angesetzt, der tatsächlich an den Energieversorger gezahlt werden müsste, wenn kein eigener Strom erzeugt werden würde. Vorteil: meiste finanziell vorteilhafter als Pauschalpreis.
  3. Berechnung des Eigenverbrauchs anhand der Herstellungskosten: Hierzu werden die Betriebsausgaben (inkl. Abschreibung und Zinsen) bei der Finanzierung ermittelt sowie der prozentuale Anteil des Eigenverbrauchs.

Besonderheit in Bezug auf den Eigenverbrauch aus umsatzsteuerlicher Sicht:
Ob der Eigenverbrauch bei der Umsatzsteuer berücksichtigt werden muss oder nicht, hängt vom Datum der Inbetriebnahme der PV-Anlage ab. Der Stichtag ist hier der 31.3.2012 – bei Anlagen, die vor dem Datum in Betrieb genommen wurden, wird keine Umsatzsteuer seitens des Betreibers der PV-Anlage fällig. Bei neueren Anlagen muss der Inhaber der PV-Anlage die Umsatzsteuer selbst an das Finanzamt abführen.

Die Einkommenssteuer

Einkommenssteuer © Butch, fotolia.com
Sind Ihre Einnahmen mit der PV-Anlage höher als deren Betriebskosten, haben Sie einen Totalüberschuss erwirtschaftet, der der Einkommenssteuer unterliegt © Butch, fotolia.com

Ob der Betreiber einer PV-Anlage Einkommenssteuer auf die Einspeisevergütung zahlen muss, hängt davon ab, ob mit der Anlage ein Gewinn erzielt wird oder nicht.

Um dies herauszufinden ob ein Gewinn erzielt wird, wird folgende Rechnung durchgeführt:

Erlöse (Einspeisevergütung) minus Betriebskosten (inkl. Wartungs- und Reparaturkosten, Versicherungen etc.) gleich Gewinn

Die Einkommenssteuer muss einmal im Jahr an das Finanzamt abgeführt werden.

Wichtig: Kosten, die Sie im Zusammenhang mit der Investition in eine Photovoltaikanlage haben, darunter Fahrtkosten, Dachrenovierung, Leiter und Sicherungsmaterial, können Sie als Betriebsausgaben geltend machen.

Die Umsatzsteuer

Umsatzsteuer © wsf-f, fotolia.com
Wer Solarstrom einspeist, verkauft diesen. Er macht Umsatz und muss daher Umsatzsteuer bezahlen © wsf-f, fotolia.com

Die Pflicht zu Zahlung der Umsatzsteuer ist für den Betreiber einer PV-Anlage grundsätzlich unabhängig davon, ob die Anlage einen Gewinn oder einen Verlust erwirtschaftet (Ausnahme: Kleinunternehmerregelung). Vielmehr geht es bei der Umsatzsteuerpflicht vorrangig darum, ob regelmäßig mehr als die Hälfte des mit der PV-Anlage erzeugten Stroms in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Ist dies der Fall, muss die Umsatzsteuer dem Finanzamt monatlich beziehungsweise einmal im Quartal gezahlt werden.

Die Umsatzsteuer, auch Mehrwertsteuer genannt, muss auf der Rechnung an den Netzbetreiber ausgewiesen werden. Erstellt der Netzbetreiber eine Gutschrift, so muss darauf geachtet werden, dass die Umsatzsteuer hier deklariert ist.

Vorteil für den Betreiber einer PV-Anlage durch die Verpflichtung zu Zahlung der Umsatzsteuer:

Der Betreiber der PV-Anlage erhält die Umsatzsteuer, die im Anschaffungspreis der Anlage enthalten war, vom Finanzamt zurück erstattet. Das senkt die Investitionskosten erheblich.

Die Kleinunternehmerregelung

Kleinunternehmerregelung © Stockfotos-MG, stock.abobe.com
Kleinunternehmerregelung © Stockfotos-MG, stock.abobe.com

Wer eine PV-Anlage betreibt, erhält vom Finanzamt einen Fragebogen für Existenzgründer zugeschickt. Hierüber besteht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, eine Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht zu erreichen:

Von der Umsatzsteuerpflicht kann derjenige Unternehmer befreit werden, der im vergangenen Jahr einen Jahresumsatz (inkl. anfallender Steuern) von weniger als 17.500 Euro hat. Zudem darf der zu erwartende Jahresumsatz im laufenden Kalenderjahr nicht mehr als 50.000 Euro betragen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so kann der Unternehmer einen Antrag auf Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht stellen.

Wird der Antrag positiv beschieden, so muss der Unternehme keine Umsatzsteuer ausweisen und abführen. Andererseits kann auch die gezahlte Umsatzsteuer (insbesondere die, die im Anschaffungspreis enthalten war), nicht beim Finanzamt geltend gemacht werden. Andererseits unterliegt der Betreiber der PV-Anlage nicht mehr den strengen Regeln zur Buchhaltung.

Sie sollten sich aber auch im Klaren darüber sein, dass diese sogenannte Kleinunternehmerregelung auch einen Haken hat: Als Kleinunternehmer können Sie die Umsatzsteuer, die Sie für den Kauf, die Wartung und die Reparatur der Photovoltaik-Anlage gezahlt haben und zahlen, nicht steuerlich beim Finanzamt geltend machen. Das wiegt mitunter schwerer, wie das folgende Rechenbeispiel zeigt:

Beispiel: Ihre Photovoltaik-Anlage kostet 16.500 Euro plus 3.135 Euro Umsatzsteuer (19 Prozent). Als Kleinunternehmer können Sie Null Euro der Umsatzsteuer steuerlich geltend machen. Bei Unternehmern dagegen berücksichtig das Finanzamt die 3.135 Euro Umsatzsteuer in voller Höhe.

Tipp: Es kann bei Photovolatikanlagen sinnvoll sein zunächst die Regelbesteuerung anzuwenden, um die Umsatzsteuer für den Kauf der Anlage zurückerstattet zu bekommen. Nach fünf bzw. sieben Jahren können Sie dann in der Regal auf die Kleinunternehmerregelung wechseln um keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Umsatzsteuererklärungen mehr abgeben zu müssen.

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Die Grunderwerbssteuer

Grunderwerbssteuer © Marco2811, stock.adobe.com
Grunderwerbssteuer © Marco2811, stock.adobe.com

Die Grunderwerbssteuer ist dann von Bedeutung, wenn eine Immobilie mit einer bereits vorhandenen PV-Anlage erworben wird. Wichtig ist dabei, wie die PV-Anlage installiert wurde:

  • PV-Anlage, die auf dem Dach installiert wurde ( Aufdach-Anlage): Es muss auf den Kaufpreis der PV-Anlage KEINE Grunderwerbssteuer entrichtet werden.
  • PV-Anlage wurde in das Dach integriert (Indach-Anlage): Dann muss auch auf den Kaufpreis der PV-Anlage Grunderwerbssteuer gezahlt werden.
Steuerliche Abschreibung der PV-Anlage
Die folgenden Regelungen beziehen sich auf PV-Anlagen, die auf dem Dach aufliegen (keine Indach-Anlage) und zählen somit zu den so genannten beweglichen Gütern. Unter diesen Voraussetzungen kann eine PV-Anlage steuerlich im Rahmen der Abschreibung geltend gemacht werden. Dies geschieht auf 20 Jahre verteilt und es werden fünf Prozent vom Netto-Kaufpreis abgeschrieben.

Alternativ hierzu besteht die Möglichkeit des Investitionsabzugs. Die Voraussetzung hierfür ist, dass die Anlage verbindlich im gleichen Kalenderjahr bestellt wird. In diesem Fall können bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Kosten direkt gewinnmildernd abgezogen werden. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit einer Sonderabschreibung in Höhe von 20 Prozent, die innerhalb der ersten fünf Jahre (Zeitpunkt frei wählbar/ Höhe aufteilbar) geltend gemacht werden kann.

Wichtig: Dieser Artikel kann nur einen ersten Überblick über steuerrechtliche Fragen bieten. Vor dem Kauf eines PV-Anlage beziehungsweise einer Immobilie mit PV-Anlage ist daher dringend anzuraten, eine Beratung durch den Steuerberater vornehmen zu lassen.
Weitere Informationen finden Sie auch in unserem Artikel Photovoltaik und Steuern: Häufige Fragen.

Zum Weiterlesen: Verwaltungsanweisung zur umsatzsteuerlichen Behandlung von PV-Anlagen seitens des Bundesfinanzministeriums (BMF, Schreiben vom 19. September 2014)

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