Photovoltaik: Gewerbe- und Umsatzsteuer

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Unternehmenssteuern: Diese Abgaben können anfallen

Wir alle wissen, wie gerne das Finanzamt die Hand aufhält. Doch was müssen Betreiber einer Photovoltaikanlage wirklich bezahlen? Verkaufen sie den erzeugten Solarstrom, sind sie unternehmerisch tätig und werden daher als Gewerbetreibende eingestuft. Die wenigsten jedoch verpflichtet dies zugleich zur Zahlung einer Gewerbesteuer. Bei der Umsatzsteuer liegt der Fall etwas anders. Abhängig von einer recht komfortablen Umsatzgrenze genießen Anlagenbetreiber ein Wahlrecht. Dieser Ratgeber klärt auf, welche Unternehmenssteuern Betreiber von Kleinanlagen abführen müssen und wie sich die sogenannte Kleinunternehmerregelung bei PV-Anlagen auswirkt.

Ein Wahlrecht besteht für viele Anlagenbetreiber auch bezüglich der Gewinnerzielung. Wird eine bestimmte Anlagengröße nicht überschritten, kann die Zahlung der Einkommenssteuer auf die Einspeisevergütung oftmals umgangen werden.

PV Erträge: Das Finanzamt möchte mitverdienen
PV Erträge: Das Finanzamt möchte mitverdienen

Gewerbesteuer

Gewerbesteuer © Zerbor, fotolia.com
Ob der Betreiber einer PV-Anlage Gewerbesteuer bezahlen muss oder nicht, hängt unter anderem von der Dimension der PV-Anlage ab © Zerbor, fotolia.com © Zerbor, fotolia.com

Ob der Betreiber einer Photovoltaikanlage Gewerbesteuer bezahlen muss oder nicht, hängt von der Dimension der Anlage bzw. von seinem Gewinn ab: Beträgt dieser mehr als 24.500 Euro, so muss der Inhaber einer PV-Anlage ein Gewerbe anmelden und Gewerbesteuer abführen. Liegt der Gewinn unter dieser Grenze, so wird er vom Finanzamt als Bagatelle eingestuft und eine Gewerbeanmeldung ist nicht erforderlich. Die meisten durchschnittlichen PV-Anlagen haben eine zu geringe Nennleistung, um mit ihrem Gewinn den genannten Grenzwert zu überschreiten.

Kleine PV-Anlagen sind gewerbesteuerfrei
Kleine PV-Anlagen sind gewerbesteuerfrei

Dass in der Regel keine Gewerbesteuer entrichtet werden muss, bedeutet jedoch keineswegs, dass das Finanzamt nicht am Umsatz des Anlagenbetreibers interessiert ist. Auch die neue Befreiung von der Pflicht zur Gewinnermittlung („Vereinfachungsregelung“) befreit nicht zugleich von der Pflicht der Umsatzsteuerabgabe. Für Kleinanlagenbetreiber hat sich bezüglich dieser Unternehmenssteuer also nichts geändert.

Umsatzsteuer – kurz: USt

Umsatzsteuer © wsf-f, fotolia.com
Wer Solarstrom einspeist, verkauft diesen. Er macht Umsatz und muss daher Umsatzsteuer bezahlen © wsf-f, fotolia.com

Die Umsatzsteuer ist – klar – eine Besteuerung der Umsätze, die ein Unternehmen erzielt. Wer Strom an einen Netzbetreiber verkauft, ist in steuerlicher Hinsicht ein Unternehmer und muss die eingenommene Umsatzsteuer ans Finanzamt weiterreichen. So die Regel. Die meisten Anlagenbetreiber erzielen jedoch so geringe Einkünfte, dass für sie eine steuerliche Alternative, die Kleinunternehmerregelung, infrage kommt. Beide Besteuerungsformen haben Vor- und Nachteile:

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Regelbesteuerung

Für die Lieferung des erzeugten Stroms an den Netzbetreiber erhält der Anlagenbetreiber eine festgelegte Summe, die Einspeisevergütung. Der Betrag wird vom Energieversorger inklusive Umsatzsteuer i.H.v. derzeit 19 Prozent gutgeschrieben. Diese Umsatzsteuer ist zum nächsten Fälligkeitstermin an das Finanzamt abzuführen. (Ob sich der Unternehmer damit eher als Steuereintreiber des Staates sieht oder einfach nur den zinslosen Kredit genießt, bliebt ihm überlassen.)

Werden mindestens 10 Prozent des erzeugten Stroms ins öffentliche Netz eingespeist, gibt es auch eine Gegenleistung: Für Betriebsausgaben geleistete Umsatzsteuer, die Vorsteuer, erstattet das Finanzamt dem Unternehmer zurück. Dafür muss die Steuer ordnungsgemäß auf den Rechnungen ausgewiesen sein. Da sich der Anlagenbetreiber die Umsatzsteuer sofort, das heißt schon bei der ersten Umsatzsteuervoranmeldung, vom Finanzamt zurückholen kann, besteht hierin ein klarer Vorteil bei der Anschaffung der Photovoltaikanlage.

Und dies sind die erforderlichen Mitteilungen ans Finanzamt:

  • Die Umsatzsteuervoranmeldung ist eine Schätzung der voraussichtlichen Umsatzsteuer. Je nach Vorjahreszahllast ist sie monatlich (über 7.500 Euro) oder vierteljährlich (1.000-7.500 Euro) einzureichen. Bei Beträgen darunter kann das Finanzamt auf eine Voranmeldung verzichten.
  • Unverzichtbar ist die Umsatzsteuererklärung für das abgelaufene Jahr. In der Jahreserklärung werden zu viel oder zu wenig gezahlte Beträge verrechnet und so die maßgebliche Summe für die Einkommensteuer ermittelt. Abgabefrist ist der 31. Juli des Folgejahrs.

Alle Steuererklärungen sind elektronisch an das Finanzamt zu übermitteln.

Hinweis: Wichtig für die Besteuerung des Einkommens: Umsatzsteuer und Vorsteuer gehören bei einer Gewinnermittlung (EÜR) zu den Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben.
Die Strom-Einsparung wird wie ein Handel gerechnet
Die Strom-Einsparung wird wie ein Handel gerechnet

Kein Vorteil ohne Nachteil: Seit der Direktverbrauch nicht mehr vom Netzbetreiber vergütet wird (Wegfall des Eigenverbrauchsbonus am 01.04.2012), ist selbst verbrauchter Strom als „unentgeltliche Wertabgabe“ zu versteuern. Im Klartext: Der Eigenverbrauch wird dem Betriebsvermögen entnommen und unentgeltlich privat genutzt. Die Umsatzsteuer auf selbst verbrauchten Strom ist die gleiche wie auf bezogenen Strom. Sie wird pro kWh berechnet. Manche Finanzämter akzeptieren auch eine Pauschale. Durch die Privatnutzung wird kein Vorsteuerabzug gewährt.

Hinweis: Wurde die Anlage vor dem 31.03.2012 in Betrieb genommen, wird keine Umsatzsteuer seitens des Betreibers der PV-Anlage fällig. Wie der Eigenverbrauch ermittelt wird, ist im Beitrag Photovoltaik: Einkommensteuer nachzulesen.

Auf welchen Gesetzen diese Fakten beruhen, führt der Umsatzsteuer-Anwendungserlass des Bundesfinanzministeriums auf. Die Fassung vom 19.09.2014 ist weiterhin gültig (Stand: Jan. 2022).

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Kleinunternehmerregelung

Kleinunternehmerregelung © Stockfotos-MG, stock.abobe.com
Kleinunternehmerregelung © Stockfotos-MG, stock.abobe.com

Die weitaus meisten Betreiber einer PV-Anlage sind aber gar nicht zu diesem komplizierten Verfahren verpflichtet. Für sie bietet der Gesetzgeber eine Erleichterung an: die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG. Diese besagt: Kleinunternehmer dürfen bei Aufnahme einer unternehmerischen Tätigkeit im Laufe des Kalenderjahres eine Umsatzgrenze von 22.000 Euro voraussichtlich nicht überschreiten. Wird die Tätigkeit im Laufe des Jahres aufgenommen, ist die geschätzte Summe auf das ganze Jahr umzurechnen. Wichtig: Erzielt der Betreiber weitere Einkünfte aus selbständiger Arbeit, werden diese hinzuaddiert.

Hinweis: Der Name ist geblieben, das Übermitteln hat sich geändert: Bei jeder Aufnahme einer gewerblichen, selbständigen (freiberuflichen) oder land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit (Einzelunternehmen) ist der „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ des BMF auszufüllen. Seit 1. Januar 2021 ist dies (außer in Härtefällen) nur noch in elektronischer Form über das Portal ELSTER (Elektronische Steuer-Erklärung) möglich. Für die Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung genügt ein Häkchen in Zeile 123 (Seite 17).

Was wie ein Traum klingt – keine Umsatzsteuervoranmeldung, keine Jahreserklärung, viel Arbeit gespart – hat jedoch auch einen Haken: Keine Umsatzsteuer zahlen heißt auch keine Vorsteuer abziehen. Das wiegt mitunter schwerer, wie das folgende Rechenbeispiel zeigt:

Beispiel: Ihre Photovoltaik-Anlage kostet 16.500 Euro plus 3.135 Euro Umsatzsteuer (19 Prozent). Bei Unternehmern berücksichtigt das Finanzamt die Umsatzsteuer in voller Höhe. Als Kleinunternehmer können Sie dagegen nicht einen Euro steuerlich geltend machen. Daher unser

Tipp: Zuerst die Regelbesteuerung anwenden und nach Ablauf der Bindungsfrist auf die Kleinunternehmerregelung wechseln! So erhalten Sie nach dem Kauf der Anlage die Umsatzsteuer zurückerstattet, müssen später aber keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Umsatzsteuererklärungen mehr abgeben.

So schreibt es das Gesetz vor: Jeder Kleinunternehmer, der diese Regelung in Anspruch nimmt, ist zunächst an seine Entscheidung gebunden. Ein Statuswechsel ist erst nach 5 Jahren möglich. Aufgepasst: Der Zeitraum beginnt mit dem 1. Januar, der auf das Jahr der Inbetriebnahme folgt. Im Extremfall können es also knapp 6 Jahre sein.

Möglich: Nach 5 Jahren zur Kleinunternehmerregelung wechseln
Möglich: Nach 5 Jahren zur Kleinunternehmerregelung wechseln
Tipp: Gegebenenfalls noch ein weiteres Jahr mit dem Statuswechsel warten! Das Finanzamt behält sich fünf Jahre nach der Inbetriebnahme (also nicht der Investition) eine Berichtigung des gewährten Vorsteuerabzugs vor – mit der Option die Vorsteuer zurückzuverlangen. Bei Indach-Anlagen liegt dieser Berichtigungszeitraum sogar bei zehn Jahren.

In Kürze: Die Vorteile beider Besteuerungsformen

Regelbesteuerung:

  • Die Umsatzsteuer auf sämtliche Anschaffungskosten kann als Vorsteuer abgesetzt werden. („Vorsteuerabzug“)
  • Steuerbeträge, die für den laufenden Unterhalt der Anlage anfallen, werden ebenfalls als Vorsteuer erstattet.
  • Eigene Rechnungen dürfen mit gesondert ausgewiesener Umsatzsteuer erteilt werden.

Kleinunternehmerregelung:

  • Die Umsatzsteuer-Voranmeldung und -Jahreserklärung entfällt.
  • Der eigene „Verwaltungsaufwand“ ist deutlich geringer.
  • Die Zahlung einer Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch entfällt.
Photovoltaikanlage: Regelbesteuerung oder Kleinunternehmerregelung?
Photovoltaikanlage: Regelbesteuerung oder Kleinunternehmerregelung?
Hinweis: Die Entscheidung für eine der beiden Besteuerungsformen muss dem Finanzamt und dem Netzbetreiber mitgeteilt werden.

Fazit

Welche unternehmerischen Steuern ans Finanzamt gezahlt werden müssen, richtet sich nach der Höhe des Gewinns, den eine Photovoltaikanlage abwirft. Bei der Umsatzsteuer kommt noch ein weiteres Kriterium hinzu: Im Fall der Regelbesteuerung ist die eingenommene Umsatzsteuer immer abzuführen, bei Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung nie. Allerdings muss der Anlagenbetreiber dann auch die Mehrwertsteuer-Kosten tragen. Bei der Wahl der cleversten Besteuerungsform bieten Steuerberater ihre Unterstützung an.

Wichtig: Dieser Artikel bietet nur einen Einführung in steuerrechtliche Fragen. Vor dem Kauf einer PV-Anlage beziehungsweise dem Kauf einer Immobilie mit PV-Anlage sollte daher immer eine Beratung durch den Steuerberater vorgenommen werden.

Tipp: Weitere Informationen finden Sie in unserem Artikel Photovoltaik und Steuern: Häufige Fragen.
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