Einspeisevergütung

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Netzbetreiber-Entgelte für eingespeisten Solarstrom wieder gestiegen

Für PV-Neuanlagen gibt es zwei gute und zwei schlechte Nachrichten: Einerseits sind sowohl die Anlagenpreise als auch die Wartezeiten für eine Installation gestiegen. Andererseits gelten für Neuanlagen ab 30. Juli 2022 höhere Sätze bei der Einspeisevergütung. Und: Damit Terminverzögerungen erträglich bleiben, ist die Degression bis Ende 2023 ausgesetzt. Wir erläutern die Details – und welche Vergütung die Betreiber noch einige Jahre nach Ablauf der 20-Jahre-Förderung nutzen können.

Sparen mit Solarenergie © guukaa, stock.adobe.com
Sparen mit Solarenergie © guukaa, stock.adobe.com

Entwicklung der Einspeisevergütung bis 29. Juli 2022

Am 1. April 2000 wurde mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt, dass die Netzbetreiber allen Eigentümern einer Photovoltaikanlage für den Strom, den sie in das öffentliche Netz einspeisen, eine feste Einspeisevergütung zu zahlen haben. Auch heute noch wird die Höhe des Betrags vom Gesetzgeber monatlich für alle Neuanlagen festgelegt. Was sich ebenfalls nicht geändert hat: Die Einspeisevergütung bleibt über die Laufzeit von 20 Jahren konstant. Egal, wie sie sich entwickelt: Die Anlagenbetreiber betrifft es nicht, denn sie genießen Bestandsschutz. Ausschlaggebend für die Höhe der Einspeisevergütung ist einzig der Monat der Inbetriebnahme.

Hinweis: Die feste Einspeisevergütung gilt nur für Dachanlagen privater Wohnhäuser oder gewerblicher Kleinbetriebe. Für Strom aus Anlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 100 Kilowatt greift die sogenannte gleitende Marktprämie. Beide Ansprüche sind in § 21 EEG geregelt.
Die Einspeisevergütung bleibt 20 Jahre konstant
Die Einspeisevergütung bleibt 20 Jahre konstant

Die Höhe der Einspeisevergütung nach dem EEG ist allerdings keineswegs konstant, sondern unterliegt in der Regel einer monatlichen Degression. Das heißt: Da sich der Vergütungssatz nach dem Datum der Inbetriebnahme richtet, sinkt er von Monat zu Monat. Erhielten Neuanlagen der ersten Generation nahezu 60 Cent, hatte sich die staatliche Vergütung für PV-Anlagen bis 10 kWp im Juli 2022 auf 6,23 Cent pro Kilowattstunde verringert. Die Begründung ist nachvollziehbar: Ein steigender Zubau an Photovoltaikleistung lässt die Preise purzeln. Außerdem: Wenn Anlagen immer erschwinglicher werden, benötigen sie weniger Förderung. Leider hat sich die positive Preisentwicklung 2022 jedoch umgekehrt.

Entwicklung der Einspeisevergütung
Historische Entwicklung der Einspeisevergütung
Unter Zubau versteht man den Bau neuer Photovoltaikanlagen bzw. die dadurch erhöhte jährliche Photovoltaikleistung. Staatlicherseits erwünscht ist ein Jahresvolumen von 2.100 bis 2.500 Megawatt. Bewegt sich der Zubau in diesem Bereich, beträgt die monatliche Degression 0,4 Prozent („Basisdegression“). Je höher der sogenannte „anzulegende Wert“ liegt, desto stärker steigt diese Absenkung (§ 49 EEG). Bereits seit Längerem wird der Wert um über 1.000 MW überschritten, was eine auf 1,4 Prozent erhöhte monatliche Degression bedeutet.
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Einspeisevergütung ab 30. Juli 2022

Anfang Juli 2022 stimmte der Bundesrat dem „Osterpaket“ der Bundesregierung zu. Spätestens zum 1. Januar 2023 soll dann das komplette neue Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft treten. Zur Einspeisevergütung bringt die EEG-Novelle folgende Änderungen:

Erhöhung der Vergütungssätze

Aufgrund der Energiekrise sind die Preise für die Anschaffung und die Installation von Solaranlagen quasi explodiert. Um Anlageninteressenten zu ermutigen und ihnen die Entscheidung für eine gute Sache schmackhafter zu machen, wurden die Sätze für die Einspeisevergütung angehoben. Allerdings gilt dies nur bei einer Inbetriebnahme nach dem 29. Juli 2022. Einspeisungen von einschließlich zu diesem Datum in Betrieb genommenen Anlagen werden nach den alten Sätzen vergütet.

Trennung von Teileinspeisung und Volleinspeisung

Das ist neu: Um die Einspeisung ins öffentliche Stromnetz attraktiver zu machen, wird bei einer Volleinspeisung deutlich mehr gezahlt. Volleinspeisung heißt, keinen Solarstrom selbst zu nutzen, sondern den gesamten Stromertrag an den Netzbetreiber zu liefern. Wird Strom für den Eigenbedarf „abgezweigt“, spricht man von einer Teileinspeisung oder Überschusseinspeisung. Die folgende Tabelle listet die jeweiligen Vergütungssätze auf. Sie gelten bis auf weiteres und bei einer Inbetriebnahme der PV-Anlage ab 30. Juli 2022.

Wohngebäude, Lärmschutzwände und Gebäude
(§ 48 Abs. 2 EEG)
Bis 10 kW Bis 40 kW Bis 100 kW
Teil-/Überschusseinspeisung 8,2 Ct/kWh 7,1 Ct/kWh 5,8 Ct/kWh
Volleinspeisung 13,0 Ct/kWh 10,9 Ct/kWh 10,9 Ct/kWh
Hinweis: Die häufig angegebene Vergütung von 8,6 bzw. 7,5 Cent/kWp ist nicht die „Feste Einspeisevergütung“, sondern der „Anzulegende Wert/ Marktprämienmodell“. Dieser liegt immer etwas höher. Die Direktvermarktung über die Strombörse ist bei großen Anlagen ab 100 kWp Pflicht. Ob sich der Aufwand bei kleinen Einspeisemengen lohnt, ist dagegen eher fraglich. Die aktuellen Werte beider Fördersätze sind stets bei der Bundesnetzagentur abrufbar: Fördersätze für Solaranlagen und Mieterstromzuschlag, xlsx-Datei: „Anzulegende Werte nach EEG-Novelle 28. Juli 2022“.

Damit liegt die Solarvergütung für Volleinspeiser bei mehr als dem Doppelten von früher. Selbst bei den derzeit ansteigenden Stromgestehungskosten – 2022 ist bei kleinen Anlagen von 10 bis 11 Cent pro Kilowattstunde auszugehen – kann sich die Volleinspeisung unter Umständen wieder lohnen.

Aussetzen der Degression

Zumindest vorübergehend verzichtet die Bundesnetzagentur auf die monatliche Degression. Festgelegt wurde, dass die Einspeisevergütung bis Ende 2023 eingefroren wird. Grund dafür ist die derzeit übliche lange Wartezeit auf einen Installationstermin. Niemand soll dafür doppelt bestraft werden. Auch Anlageninteressenten, die sich vorab in Ruhe informieren möchte, bleibt nun noch etwas Zeit. Ab 2024 soll die Einspeisevergütung dann halbjährlich um ein Prozent sinken. Auch das ist im Vergleich zur bisherigen monatlichen Basisdegression von 0,4 Prozent ein Gewinn.

Einspeisevergütung für Ü20-Anlagen

Die ersten Photovoltaikanlagen haben mittlerweile das Ende der 20-jährigen Vergütungsgarantie erreicht – und Jahr für Jahr kommen neue hinzu. Die Betreiber der sogenannten ausgeförderten Anlagen werden jedoch nicht alleine gelassen. Beträgt die Anlagenleistung unter 100 Kilowatt pro Jahr, besteht weiterhin ein Anspruch auf eine Einspeisevergütung (§§ 19 und 21 EEG). Allerdings richtet sich deren Höhe dann nach dem sogenannten Jahresmarktwert Solar (JW Solar). Dessen Berechnung erfolgt anhand der monatlich durch die vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) ermittelten und auf deren gemeinsamen Internetplattform Netztransparenz.de veröffentlichten Marktwerte (MW Solar). Stichtag für die Veröffentlichung ist der 10. Tag des Folgemonats bzw. der 10. Januar für das vorausgegangene Jahr. Betreiber ausgeförderter Anlagen erhalten ihre Abrechnung also immer Anfang des Folgejahrs – und wissen dann erst, ob eine Erstattung oder eine Zahlung fällig wird. Zuvor haben die Netzbetreiber jeweils bis zum 15. eines Folgemonats „Abschläge in angemessenem Umfang zu leisten“ (§ 26 EEG).

Photovoltaik-Anlagen haben ihr Lebensende nach 20 Jahren noch nicht erreicht
Photovoltaik-Anlagen haben ihr Lebensende nach 20 Jahren noch nicht erreicht

De facto handelt es sich hier um eine reduzierte Einspeisevergütung. 2020 betrug der Jahresmittelwert geringe 2,879 ct/kWh. Für 2021 war schon im 2. Halbjahr eine attraktivere Vergütung zu erwarten, denn ab Mai stieg der Monatsmarktwert stark an: von 4,187 auf stolze 27,075 ct/kWh im Dezember. Als Begründung wurde der hohe Strompreisanstieg 2021 angeführt. Allerdings seien die Marktwerte im Winter durch die schwächere solare Stromproduktion ohnehin tendenziell höher.

Im Ergebnis ergab sich ein Jahresmarktwert JWSolar von 7,552 Cent/kWh. Der Jahresmittelwert MWSolar(a) beträgt entsprechend der Berechnung nach § 33 EEG 2012 für das Jahr 2021 9,562 Cent/kWh. (Stand: 10. Januar 2022)

Nachtrag: Seit April 2022 steigt der Monatsmarktwert enorm an. Laut netztransparenz.de lag der MW Solar im August 2022 bei 39,91 Ct/kWh. Daher ist für 2022 ein wesentlich höherer Jahresmittelwert MWSolar(a) zu erwarten.

Der Jahresmarktwert Solar ist abhängig vom Strompreis an der Strombörse
Der Jahresmarktwert Solar ist abhängig vom Strompreis an der Strombörse

Die Höhe dieser reduzierten Einspeisevergütung verringert sich allerdings noch um einen Betrag für die Netzbetreiber. Bis 2021 war dies eine festgelegte Vermarktungspauschale in Höhe von 0,4 ct/kWh bzw. 0,2 ct/kWh, wenn ein intelligentes Messsystem installiert ist. Nun sind es die tatsächlichen Kosten der ÜNB: Für das Jahr 2022 wurde der „Abzugsbetrag für ausgeförderte Anlagen“ auf 0,184 ct/kWh festgelegt.

Nach § 25 EEG endet dieser Anspruch am 31. Dezember 2027.

Hinweis: Die Umstellung erfolgt automatisch. Eine Änderung der vorhandenen Zähler ist zumindest bis zur Markterklärung für intelligente Messsysteme durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nicht erforderlich. In diesem Fall kommt der Netzbetreiber hinsichtlich der Nachrüstung auf den Anlagenbetreiber zu.
Komplettes Hausdach mit Photovoltaik-Anlage bestückt © manfredxy, stock.adobe.com
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Einspeisevergütung und Wirtschaftlichkeit

Für die Einspeisevergütung spricht zweifellos der Komfort bei der Abwicklung. Alles läuft nahezu automatisch und erübrigt darüber hinaus einen kostspieligen Stromspeicher. Schön ist auch, dass das oft hervorgehobene „Aber“ heute wieder leichter wiegt: Natürlich reicht der produzierte Strom in den seltensten Fällen aus und natürlich müssen die Verbraucher im Haus häufig zusätzlich mit deutlich teurerem Netzstrom versorgt werden. Eine Erweiterung einer bestehenden PVA gilt nach 12 Monaten jedoch als Neuanlage – und jede Neuanlage hat ein Anrecht auf die nun geltende Einspeisevergütung.

Steigende Strombezugskosten sind immer das Hauptargument gegen eine Netzeinspeisung. Um die Photovoltaikanlage wirtschaftlich zu betreiben, ist es daher wichtig, ihre Größe optimal zu bemessen und möglichst viel des selbst produzierten Stroms auch selbst zu verbrauchen. Wird zusätzlich ein Energiespeicher eingebaut, lässt sich der Eigenverbrauch noch weiter erhöhen und somit der Strombezug aus dem öffentlichen Netz erfreulich minimieren.

Eine differenzierte Entscheidungshilfe für die optimale Nutzung von Solarstrom bietet der Beitrag Netzeinspeisung vs. Eigenverbrauch.

Je mehr Solarstrom Sie verbrauchen desto höher ist die Rendite
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Sparen mit Solarenergie © guukaa, stock.adobe.com
Photovoltaik Wirtschaftlichkeit

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