Was spricht für PV-Module vom Gebrauchtmarkt, was dagegen?
Bei Autos ist er schon fast selbstverständlich, bei Solarmodulen gerät er eher selten ins Visier: der Gebrauchtmarkt. Dabei tummeln sich im Internet etliche spezialisierte Anbieter. Auch Privatleute verkaufen über Plattformen wie eBay Kleinanzeigen äußerst günstig ihre nicht mehr gebrauchten Komponenten. Ob gesamte PV-Anlage oder bloßer Austausch defekter Module: Abhängig von Typ, Leistung, Zustand und Alter der Module zahlen Käufer mitunter weniger als die Hälfte des Neupreises. Das klingt nach einem guten Geschäft. Doch ist der Kauf gebrauchter Solarmodule wirklich zu empfehlen? Wir haben uns auf dem Markt umgeschaut und geben Tipps, worauf es bei Kauf ankommt.

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Gebrauchte Solarmodule: die Vorteile
- Investitionskosten senken: Natürlich muss für gebrauchte Solarpanele weniger investiert werden als für fabrikneue. Das freut den Geldbeutel und setzt Kapital für andere Anschaffungen frei.
- Module ersetzen: Der Fall tritt zwar recht selten ein, dennoch kommt es vor, dass vereinzelte Module einen Defekt aufweisen oder durch Unwetter oder Vandalismus zerstört werden. Ist die Garantiezeit abgelaufen, liegt es nahe, dann nach einem günstigen Ersatz zu suchen. Schließlich sind die intakten Module noch funktionstüchtig – und der Austausch der gesamten Dachanlage ist unnötig.

- Unabhängigkeit vom Neuwarenmarkt: Die Herstellung von PV-Modulen ist durch die Billigangebote kein leichtes Geschäft, weshalb es mitunter zu Konkursen kommt. Ist die originale Neuware nicht mehr erhältlich, bleibt bei der Suche nach Ersatz ohnehin nur der Gebrauchtmarkt. Nicht selten findet man dort modellidentische Komponenten.
- Originalgetreuer Ausbau: Familienzuwachs, geänderte Gewohnheiten, eine Ladestation fürs neue E-Auto etc. Wird eine Anlagenerweiterung nötig, erfolgt sie am besten modellgemäß. Der Vorteil gebrauchter Solarmodule gegenüber Neuware: Mit etwas Glück weisen sie das gleiche Alter auf wie die bestehenden und werden damit auch genauso lange ihren Dienst tun.
- Ökobilanz verbessern: Produktion, Nutzung und Entsorgung der Solarmodule wirken sich erheblich auf die Umwelt aus. So frisst zum Beispiel die Herstellung viel Energie. Zudem sind in den Komponenten wertvolle, aber schwierig zu entsorgende Materialien verbaut. Daher ist eine möglichst lange Nutzung die weitaus cleverere Alternative als „Ex und hopp“.

Gebrauchte Solarmodule haben auch Nachteile
- Degradation: Da die Leistung der Module im Laufe der Jahre nachlässt, ist das Alter der Solarzellen ein entscheidender Faktor. Die Degradation ist zwar moderat: Viele Qualitätsmodule erreichen nach 20 Jahren noch deutlich mehr als 80 Prozent der ursprünglichen Leistung – je nach Zustand und Modultyp grob 85 bis 95 Prozent. Bei Vor-Schäden, Produktionsmängeln oder unbekannter Historie können die Leistungsverluste aber auch darüber liegen. Der Ersatz, den die Hersteller dann in der Regel leisten, fällt beim Gebrauchtkauf natürlich weg.

- Garantieverfall: Im Unterschied zu Neuware gewähren Gebrauchtwarenhändler keine Herstellergarantie. Die gesetzliche Gewährleistung beträgt grundsätzlich zwei Jahre, kann bei gebrauchter Ware aber durch ausdrückliche und gesonderte Vereinbarung auf ein Jahr verkürzt werden – was Händler in der Praxis häufig tun. Gegebenenfalls besteht noch eine Restgarantie; im Insolvenzfall des Herstellers wird sie aber in der Regel faktisch wertlos und besteht – wenn überhaupt – nur als Insolvenzforderung gegenüber der Insolvenzmasse. Ein pauschales automatisches Erlöschen gilt rechtlich nicht. Bei einem Kauf vom Händler greift dagegen die gesetzliche Mängelhaftung (bei Gebrauchtware vertraglich auf 1 Jahr verkürzbar); bei privatem Verkauf wird die Gewährleistung in der Regel ausgeschlossen – ohne Ausschluss oder bei arglistig verschwiegenen Mängeln können dennoch Ansprüche bestehen.
- Schadhaftigkeit: Beschädigungen sind eine heikle Sache. Es lassen sich zwar immer wieder Berichte finden, laut denen kleinere Defekte kaum oder keine Auswirkung auf die Leistung des Solarmoduls hatten. Das Risiko eines Fehlgriffs ist jedoch groß. Grundsätzlich können nur Experten einschätzen, zu was das Modul noch fähig ist – und zu was nicht mehr. Vom Kauf von mehr oder weniger schadhaften Komponenten sollten Interessenten lieber Abstand nehmen.
- Preisentwicklung: Die Preise für Neuware sind im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts rapide gefallen. Das ist ein weiterer Grund, sich genau zu überlegen, ob die Ersparnis bei einem gebrauchten Modul das Risiko überwiegt, ein leistungsschwaches oder gar kaputtes Produkt zu erstehen.
Neue und gebrauchte Module im direkten Vergleich
Die wichtigsten Unterschiede für Ihre Kaufentscheidung
Neue Module
Anschaffungspreis
Marktpreis, in den letzten Jahren stark gesunken
Herstellergarantie
Produktgarantie meist 12 bis 30 Jahre, Leistungsgarantie 25 bis 30 Jahre
Gesetzliche Gewährleistung
Volle zwei Jahre auf Sachmängel
Verbleibende Lebensdauer
Nahezu volle Nutzungsdauer, vorhersehbare Degradation
Risiko
Geringer – gesetzliche Mängelhaftung und Herstellergarantie greifen nach deren Bedingungen
Gebrauchte Module
Anschaffungspreis
Fallweise deutlich günstiger, teils etwa die Hälfte – abhängig von Restleistung und Zustand
Herstellergarantie
Keine Neugarantie, ggf. Restgarantie – bei Hersteller-Insolvenz oft faktisch wertlos (Insolvenzforderung)
Gesetzliche Gewährleistung
Bei Händlerkauf auf ein Jahr verkürzbar; bei Privatverkauf in der Regel ausgeschlossen
Verbleibende Lebensdauer
Reduziert um die bisherige Betriebszeit; Degradation bereits angefallen
Risiko
Erhöht – Defekte und Minderleistung müssen selbst eingeschätzt werden
Übersicht zur Orientierung – die konkreten Werte hängen vom einzelnen Modul, vom Verkäufer und von der Vertragsgestaltung ab.
Rechner: Einfluss der Degradation und des Alters von Solarmodulen auf den Ertrag berechnen
Hinweis zur Rechen-Logik: Der Rechner verwendet eine stückweise lineare Degradationsformel der Form Restleistung (Jahr n) = Anfangsleistung × (1 − Erstjahresverlust − Folgejahresrate × (n − 1)) für n ≥ 1; bei n = 0 entspricht die Restleistung der Nennleistung. Default-Annahmen sind ein Erstjahresverlust von ~1 Prozent und eine Folgejahresrate von etwa 0,5 Prozent – Werte, die sich an den Garantieverläufen marktgängiger Modulhersteller orientieren. Bei Premium-Modulen sind eher 0,3 Prozent pro Jahr realistisch, bei älteren Modulen können 0,7 Prozent oder mehr auftreten. Werte werden auf zwei Nachkommastellen gerundet.
Darauf ist beim Kauf gebrauchter Solarmodule zu achten
Der reelle Wert der angebotenen Gebrauchtmodule ist nicht leicht zu ermitteln. Es gibt jedoch einige Hinweise, die helfen, das Risiko erheblich einzugrenzen:

- Lassen Sie sich die Daten zum Alter des Moduls geben sowie die Seriennummer und einen eventuell noch gültigen Garantiebeleg. Auch mit den Informationen aus der technischen Dokumentation kann die aktuelle Leistungsfähigkeit und damit der Wert der Module recht gut eingeschätzt werden. Bei nicht baugleichen Modulen müssen sowohl die Elektro- als auch die Bautechnik zueinander passen.
- Erfragen Sie etwaige Beschädigungen, Verschmutzungen oder andere mögliche Beeinträchtigungen. Bei besonders billigen Angeboten kann ein einwandfreier Zustand nicht einfach vorausgesetzt werden.
- Begutachten Sie die Module möglichst mit eigenen Augen oder ziehen Sie einen Experten zu Rate. Er kann auch messen, ob die Angaben des Verkäufers der Realität und die Werte einer herkömmlichen Norm entsprechen. Das Gute daran: Tatsächlich können die gebrauchten Module sogar deutlich besser sein als ihr errechneter Leistungswert.
- Suchen Sie nach Vergleichs- und Langzeittests von Solarmodulen. Diese ermöglichen eine bessere Einschätzung, wie gut sich ein bestimmtes Modell bewährt.
- Stellen Sie eine Kosten-/Nutzenanalyse auf: Ist die Preisersparnis bei dem gebrauchten Modul so groß, dass sie die Minderleistung und die anderen Risiken gegenüber einem Neukauf aufwiegt?
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Wann lohnt sich der Gebrauchtkauf besonders?
Drei Konstellationen sprechen besonders für gebrauchte Module: Erstens der Ersatz einzelner defekter Module in einer bestehenden Anlage, wenn das Originalmodell nicht mehr lieferbar ist. Hier sind baugleiche gebrauchte Module oft die einzige Möglichkeit, ohne aufwendige Neukonfiguration der Strings zu reparieren. Zweitens kleinere Eigenbau-Projekte wie Garten-, Carport- oder Terrassenüberdachungen, bei denen die volle Lebensdauer eines Neumoduls gar nicht ausgereizt wird. Drittens Inselanlagen ohne EEG-Bezug – etwa für Wochenendhäuser, Werkstätten oder Gartenhütten – wo Anschaffungspreis und kurzfristige Verfügbarkeit wichtiger sind als der maximale Ertrag pro Quadratmeter.
Bei einer komplett neuen Hauptanlage auf dem Wohnhaus mit Einspeisevergütung sprechen die niedrigen Modulpreise neuer Ware, die langen Hersteller-Leistungsgarantien und das geringere Risiko hingegen meist gegen den Gebrauchtkauf. Wer plant, eine Anlage später zu erweitern, sollte zudem prüfen, ob der Markt für die geplanten Module zum gewünschten Zeitpunkt voraussichtlich noch lieferfähig ist – andernfalls ist von Anfang an ein gut dokumentiertes Modul empfehlenswert.
Einfluss auf die EEG-Vergütung
Für den Erhalt der garantierten Einspeisevergütung wird laut Clearingstelle EEG/KWKG nicht zwischen neuen und gebrauchten Solarmodulen unterschieden, wohl aber zwischen
- Austausch: Bei Ersatz defekter Module gilt das Datum der erstmaligen Inbetriebnahme.
- Zubau: Für zusätzliche Module gilt das Datum ihrer gesonderten Inbetriebnahme. Weitere Informationen dazu liefert unser Beitrag PV-Anlage erweitern.
Nach Hinweis 2013/16 der Clearingstelle können „sowohl neue als auch gebrauchte Module ersetzende PV-Anlagen sein“.

Wichtige Begriffe rund um Modulkauf und Garantie
Kompakte Erklärungen der zentralen Fachbegriffe
Degradation
Natürlicher Leistungsverlust eines Solarmoduls durch Alterung. Bei kristallinen Modulen typischerweise rund 0,3 bis 0,5 Prozent pro Jahr.
Produktgarantie
Freiwillige Zusage des Herstellers, das Modul bei Materialfehlern auszutauschen oder zu reparieren. Üblich sind heute 12 bis 30 Jahre.
Leistungsgarantie
Zusicherung, dass das Modul nach einer festgelegten Zeit noch eine bestimmte Mindestleistung erreicht. Üblich sind 25 bis 30 Jahre.
Gewährleistung
Gesetzliche Mängelhaftung des Verkäufers nach BGB. Beim Verbraucherkauf zwei Jahre, bei gebrauchter Ware mit Vereinbarung auf ein Jahr verkürzbar.
ElektroG
Elektro- und Elektronikgerätegesetz. Verpflichtet Hersteller seit Oktober 2015 zur kostenlosen Rücknahme und zum Recycling von PV-Modulen.
Repowering
Austausch alter Module gegen leistungsstärkere Module unter Beibehaltung des EEG-Vergütungsanspruchs nach den geltenden EEG-Voraussetzungen und der Spruchpraxis der Clearingstelle EEG. Eine zugebaute Mehrleistung wird EEG-rechtlich gesondert behandelt und kann – je nach Anlagentyp und Vergütungsregime – einen eigenen aktuellen Zahlungsanspruch begründen oder teilweise nicht unter den bisherigen Zahlungsanspruch fallen; der Tausch unterliegt zudem den anlagenspezifischen Genehmigungs- und Anzeigepflichten.
Fazit
Gebrauchte Solarmodule zu kaufen, birgt Chancen und Risiken zugleich. Mit dem Gebrauchtkauf lässt sich häufig deutlich sparen – ob sich der Kauf am Ende lohnt, hängt aber von Restleistung, Zustand, Prüf-, Versand- und Montagekosten ab. Ob der Kauf dann auch hält, was er verspricht, steht oftmals auf einem anderen Blatt. Käufer erhalten gebraucht typischerweise keine Neugarantie; beim Händlerkauf gilt jedoch die gesetzliche Mängelhaftung (bei Gebrauchtware vertraglich auf 1 Jahr verkürzbar), bei Privatkauf wird die Gewährleistung in der Regel ausgeschlossen, was insbesondere eine Internetbestellung schwierig macht. Sicherer ist die persönliche Begutachtung bei einem Händler vor Ort. Ein Kauf von privat sollte niemals ohne Inaugenscheinnahme erfolgen.
Auf den Gebrauchtmodul-Verkauf spezialisierte Anbieter wie SecondSol und Solar Deals bieten auch für Privatkäufer attraktive Marktplätze. Auktionshäuser wie Solar Auctions dagegen sind eher etwas für Großhändler, Privatpersonen raten wir daher davon ab. Einen Hinweis auf die Seriosität eines Händlers bietet die Angabe des Alters und der Betriebszeit der Solarmodule. Deshalb: Bei fehlender Altersangabe besser Finger weg!
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