Lohnen sich gebrauchte Solarmodule?

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Was spricht für PV-Module vom Gebrauchtmarkt, was dagegen?

Bei Autos ist er schon fast selbstverständlich, bei Solarmodulen gerät er eher selten ins Visier: der Gebrauchtmarkt. Dabei tummeln sich im Internet etliche spezialisierte Anbieter. Auch Privatleute verkaufen über Plattformen wie Ebay Kleinanzeigen äußerst günstig ihre nicht mehr gebrauchten Komponenten. Ob gesamte PV-Anlage oder bloßer Austausch defekter Module: Abhängig von Typ, Leistung, Zustand und Alter der Module zahlen Käufer mitunter weniger als die Hälfte des Neupreises. Das klingt nach einem guten Geschäft. Doch ist der Kauf gebrauchter Solarmodule wirklich zu empfehlen? Wir haben uns auf dem Markt umgeschaut und geben Tipps, worauf es bei Kauf ankommt.

Montage einer Photovoltaikanlage © Elenathewise, stock.adobe.com
Montage einer Photovoltaikanlage © Elenathewise, stock.adobe.com

Gebrauchte Solarmodule: die Vorteile

  • Investitionskosten senken: Natürlich muss für gebrauchte Solarpanele weniger investiert werden als für fabrikneue. Das freut den Geldbeutel und setzt Kapital für andere Anschaffungen frei.
  • Module ersetzen: Der Fall tritt zwar recht selten ein, dennoch kommt es vor, dass vereinzelte Module einen Defekt aufweisen oder durch Unwetter oder Vandalismus zerstört werden. Ist die Garantiezeit abgelaufen, liegt es nahe, dann nach einem günstigen Ersatz zu suchen. Schließlich sind die intakten Module noch funktionstüchtig – und der Austausch der gesamten Dachanlage ist unnötig.
  • Defekte Solarmodule © Marina Lohrbach, stock.adobe.com
    Defekte Solarmodule: Austausch durch gebrauchte Module möglich © Marina Lohrbach, stock.adobe.com
  • Unabhängigkeit vom Neuwarenmarkt: Die Herstellung von PV-Modulen ist durch die Billigangebote kein leichtes Geschäft, weshalb es mitunter zu Konkursen kommt. Ist die originale Neuware nicht mehr erhältlich, bleibt bei der Suche nach Ersatz ohnehin nur der Gebrauchtmarkt. Nicht selten findet man dort modellidentische Komponenten.
  • Originalgetreuer Ausbau: Familienzuwachs, geänderte Gewohnheiten, eine Ladestation fürs neue E-Auto etc. Wird eine Anlagenerweiterung nötig, erfolgt sie am besten modellgemäß. Der Vorteil gebrauchter Solarmodule gegenüber Neuware: Mit etwas Glück weisen sie das gleiche Alter auf wie die bestehenden und werden damit auch genauso lange ihren Dienst tun.
  • Ökobilanz verbessern: Produktion, Nutzung und Entsorgung der Solarmodule wirken sich erheblich auf die Umwelt aus. So frisst zum Beispiel die Herstellung viel Energie. Zudem sind in den Komponenten wertvolle, aber schwierig zu entsorgende Materialien verbaut. Daher ist eine möglichst lange Nutzung die weitaus cleverere Alternative als „Ex und hopp“.
Hinweis: Seit 2016 fallen PV-Module unter das sogenannte Elektroschrottgesetz (ElektroG). Sie müssen, wenn sie tatsächlich nicht mehr zu gebrauchen sind, getrennt gesammelt und fachgerecht recycelt werden. Haushaltsübliche Mengen können an den Sammelstellen der Kommunen kostenfrei abgegeben werden.
Second-Hand-Solarmodule können in manchen Situationen sinnvoll sein
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Gebrauchte Solarmodule haben auch Nachteile

  • Degradation: Da die Leistung der Module im Laufe der Jahre nachlässt, ist das Alter der Solarzellen ein entscheidender Faktor. Die Degradation ist zwar nicht extrem, nach 20 Jahren sollten immerhin noch 80 Prozent der ursprünglichen Leistung sein. Doch nicht selten liegen die Leistungsverluste auch darüber. Der Ersatz, den die Hersteller dann in der Regel leisten, fällt beim Gebrauchtkauf natürlich weg.
  • Photovoltaikanlagen werden in Alter weniger produktiv
    Photovoltaikanlagen werden in Alter weniger produktiv
  • Garantieverfall: Im Unterschied zu Neuware gewähren Gebrauchtwarenhändler keine Garantie, allenfalls eine 1-jährige Gewährleistung auf Reparatur. Gegebenenfalls besteht noch eine Restgarantie, die jedoch bei Insolvenz eines Herstellers automatisch erlischt. Vor allem bei Privatkäufen ist ein Anspruch aussichtslos.
  • Schadhaftigkeit: Beschädigungen sind eine heikle Sache. Es lassen sich zwar immer wieder Berichte finden, laut denen kleinere Defekte kaum oder keine Auswirkung auf die Leistung des Solarmoduls hatten. Das Risiko eines Fehlgriffs ist jedoch groß. Grundsätzlich können nur Experten einschätzen, zu was das Modul noch fähig ist – und zu was nicht mehr. Vom Kauf von mehr oder weniger schadhaften Komponenten sollten Interessenten lieber Abstand nehmen.
  • Preisentwicklung: Die Preise für Neuware sind im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts rapide gefallen. Das ist ein weiterer Grund, sich genau zu überlegen, ob die Ersparnis bei einem gebrauchten Modul das Risiko überwiegt, ein leistungsschwaches oder gar kaputtes Produkt zu erstehen.

Darauf ist beim Kauf gebrauchter Solarmodule zu achten

Der reelle Wert der angebotenen Gebrauchtmodule ist nicht leicht zu ermitteln. Es gibt jedoch einige Hinweise, die helfen, das Risiko erheblich einzugrenzen:

Der genaue Wert gebrauchter Module ist schwer zu ermitteln
Der genaue Wert gebrauchter Module ist schwer zu ermitteln
  • Lassen Sie sich die Daten zum Alter des Moduls geben sowie die Seriennummer und einen eventuell noch gültigen Garantiebeleg. Auch mit den Informationen aus der technischen Dokumentation kann die aktuelle Leistungsfähigkeit und damit der Wert der Module recht gut eingeschätzt werden. Bei nicht baugleichen Modulen müssen sowohl die Elektro- als auch die Bautechnik zueinander passen.
  • Erfragen Sie etwaige Beschädigungen, Verschmutzungen oder andere mögliche Beeinträchtigungen. Bei besonders billigen Angeboten kann ein einwandfreier Zustand nicht einfach vorausgesetzt werden.
  • Begutachten Sie die Module möglichst mit eigenen Augen oder ziehen Sie einen Expertenzu Rate. Er kann auch messen, ob die Angaben des Verkäufers der Realität und die Werte einer herkömmlichen Norm entsprechen. Das Gute daran: Tatsächlich können die gebrauchten Module sogar deutlich besser sein als ihr errechneter Leistungswert.
  • Suchen Sie nach Vergleichs- und Langzeittests von Solarmodulen. Diese ermöglichen eine bessere Einschätzung, wie gut sich ein bestimmtes Modell bewährt.
  • Stellen Sie eine Kosten-/Nutzenanalyse auf: Ist die Preisersparnis bei dem gebrauchten Modul so groß, dass sie die Minderleistung und die anderen Risiken gegenüber einem Neukauf aufwiegt?

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Einfluss auf die EEG-Vergütung

Für den Erhalt der garantierten Einspeisevergütung wird laut Clearingstelle EEG/KWKG nicht zwischen neuen und gebrauchten Solarmodulen unterschieden, wohl aber zwischen

  • Austausch: Bei Ersatz defekter Module gilt das Datum der erstmaligen Inbetriebnahme.
  • Zubau: Für zusätzliche Module gilt das Datum ihrer gesonderten Inbetriebnahme. Weitere Informationen dazu liefert unser Beitrag PV-Anlage erweitern.

Nach Hinweis 2013/16 der Clearingstelle können „sowohl neue als auch gebrauchte Module ersetzende PV-Anlagen sein“.

PV Module: Neu oder gebraucht kaufen?
PV Module: Neu oder gebraucht kaufen?

Fazit

Gebrauchte Solarmodule zu kaufen, birgt Chancen und Risiken zugleich. Mit dem Gebrauchtkauf lässt sich auf jeden Fall eine Menge Geld sparen. Ob der Kauf dann auch hält, was er verspricht, steht oftmals auf einem anderen Blatt. Leider erhalten Käufer keine Garantie, allenfalls eine begrenzte Gewährleistung, was insbesondere eine Internetbestellung schwierig macht. Sicherer ist die persönliche Begutachtung bei einem Händler vor Ort. Ein Kauf von privat sollte niemals ohne Inaugenscheinnahme erfolgen.

Auf den Gebrauchtmodul-Verkauf spezialisierte Anbieter wie SecondSol und Solar Deals bieten auch für Privatkäufer attraktive Marktplätze. Auktionshäuser wie Solar Auctions dagegen sind eher etwas für Großhändler, Privatpersonen raten wir daher davon ab. Einen Hinweis auf die Seriosität eines Händlers bietet die Angabe des Alters und der Betriebszeit der Solarmodule. Deshalb: Bei fehlender Altersangabe besser Finger weg!

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