Lohnen sich gebrauchte Solarmodule?

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Wer sich eine Solaranlage anschaffen will, informiert sich in der Regel zunächst einmal über die Marktlage, über Preise und Leistungen. Was bei Autos allerdings gang und gäbe ist, wird bei Solarmodulen häufig nicht in Betracht gezogen: der Gebrauchtmarkt. Ob spezialisierte Anbieter wie Second Sol, Solar Deals und Tripple Z oder Generalisten wie Ebay Kleinanzeigen, über die Plattformen werden zahlreiche Komponenten aus zweiter Hand angeboten.

Monatge einer Photovoltaikanlage © Elenathewise, stock.adobe.com
Monatge einer Photovoltaikanlage © Elenathewise, stock.adobe.com

Mitunter zahlen Käufer nur die Hälfte des Neupreises, abhängig von der Modulart, dem Typ, seinem Zustand, seinem Alter und seiner Leistung. Das klingt nach einem guten Geschäft: Warum teuer, wenn es auch günstiger geht?

Pro und Contra gut abwägen
Gebrauchte Solarmodule: Pro und Contra gut abwägen

Vorteile gebrauchter Solarmodule

Ganz so einfach ist die Rechnung jedoch nicht. Das wird deutlich, wenn man die Vor- und Nachteile eines Gebrauchtkaufs gegenüberstellt. Positiv zu verzeichnen ist, neben der Preisersparnis, die Umweltbilanz. Die Herstellung von Solarmodulen frisst viel Energie. Zudem sind in den Komponenten wertvolle, aber schwierig zu entsorgende Materialien verbaut. Daher ist eine möglichst lange Nutzung die weitaus cleverere Alternative als „Ex und hopp“.

Übrigens: Seit 2016 fallen PV-Module unter das sogenannte Elektroschrottgesetz (ElektroG). Sie müssen, wenn sie tatsächlich nicht mehr zu gebrauchen sind, getrennt gesammelt und recycelt werden. Verbraucher mit haushaltsüblichen Mengen können ihre ausgedienten Module an einer Sammelstelle in ihrer Kommune kostenfrei abgeben.

Zudem kann es sein, dass man bereits stolzer Besitzer einer Solaranlage ist, aber vereinzelte Module defekt sind oder zerstört wurden. Es liegt nahe, dann nach günstigem Ersatz zu suchen, da schließlich auch die intakten, aber nicht mehr taufrischen Module weiterhin ihren Dienst auf dem Dach verrichten.

Defekte Solarmodule © Marina Lohrbach, stock.adobe.com
Defekte Solarmodule: Austausch durch gebrauchte Module möglich © Marina Lohrbach, stock.adobe.com

Ein weiterer Grund für Gebrauchte könnte sein, dass der Hersteller der ursprünglichen Module nicht mehr existiert, diese also als Neuware gar nicht mehr am Markt angeboten werden. Wohl dem, der seine „Sammlung“ trotzdem noch originalgetreu vervollständigen kann. Um die Einspeisevergütung braucht man sich in solchen Fällen keine Gedanken zu machen: Laut Clearingstelle EEG/KWKG erhalten auch Käufer gebrauchter Module den „Inbetriebnahmezeitpunkt und somit den Vergütungssatz und die Vergütungsdauer der ersetzten (alten) Module zugewiesen, wenn diese alten Module aufgrund eines technischen Defekts, einer Beschädigung oder eines Diebstahls ersetzt worden sind“.

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Nachteile gebrauchter Solarmodule

Diesen Pluspunkten stehen allerdings einige gewichtige Nachteile gegenüber. Einer davon lautet Degradation: Damit wird die im Laufe der Jahre nachlassende Leistung der Module bezeichnet. Es ist daher unabdingbar, bei einem Gebrauchtkauf auch das Alter der Zellen zu erfragen. Normalerweise sollte das zum Standard der Zustandsbeschreibung zählen, um den Nutzen des Produkts besser einschätzen zu können. In der Praxis ist das leider aber nicht immer der Fall. Auch ist zu bedenken, dass Neuware mit Garantien einhergeht, die zumindest in den ersten Jahren eine Mindestleistung gewährleisten. Bei älteren Modulen ist sie möglicherweise schon abgelaufen.

Des Weiteren sind Beschädigungen eine heikle Sache. Es lassen sich zwar immer wieder Berichte aus der Praxis finden, laut denen kleinere Defekte kaum oder keine Auswirkung auf die Leistung des Solarmoduls hatten. Das Risiko, hier einen Fehlgriff zu machen, um noch ein bisschen mehr Geld zu sparen, ist aber groß. Grundsätzlich ist dies nur Experten zu empfehlen, die sich mit der Materie sehr gut auskennen und einschätzen können, zu was das Modul noch fähig ist – und zu was nicht mehr. Vom Kauf von Komponenten mit größeren oder irreparablen Schäden sollten Interessenten lieber Abstand nehmen.

„The trend is your friend”, heißt es an der Börse, und auch auf Solarmodule trifft dies zu. Die Preise für Neuware sind im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts rapide gefallen. Das ist ein weiterer Grund, sich genau zu überlegen, ob die Ersparnis bei einem gebrauchten Modul das Risiko überwiegt, ein leistungsschwaches oder gar kaputtes Produkt zu erstehen. Wer billig kauft, kauft zweimal – eine weitere oftmals gültige Weisheit. Zumal, wenn man bedenkt, dass die Solarmodule das Herzstück einer Solaranlage sind, mit deren Leistung das ganze System stehen und fallen kann.

Darauf sollten Sie beim Kauf gebrauchter Solarmodule achten

Überwiegen in Ihrer individuellen Situation die Vorteile? Sind Sie sich der möglichen Nachteile bewusst? Dann spricht für Sie grundsätzlich nichts gegen gebrauchte Solarmodule. Einige Punkte sollten sie bei der Recherche beachten:

  • Erfragen Sie das Alter und die technische Dokumentation beziehungsweise die Seriennummer des Moduls sowie etwaige noch gültige Garantien. Mit diesen Informationen kann gut auf seine wahrscheinliche aktuelle Leistungsfähigkeit und seinen Wert geschlossen werden. Zudem sollte bei nicht baugleichen Modulen selbstredend geprüft werden, ob die gebrauchten Komponenten sowohl elektro- als auch bautechnisch zur eigenen Anlage passen.
  • Erfragen Sie etwaige Beschädigungen, Verschmutzungen oder andere mögliche Beeinträchtigungen.
  • Begutachten Sie die Module, sofern möglich, mit eigenen Augen beziehungsweise mithilfe eines Experten. Er kann auch messen, ob die Teile noch halten, was sie (respektive der Verkäufer) versprechen. Ähnlich wie bei Elektrogeräten im Haushalt sind die Herstellerangaben, beispielsweise zur Degradation, nicht exakt, da sie von vielen praktischen Faktoren abhängen. Sprich: Die gebrauchten Module können tatsächlich deutlich besser oder schlechter sein als ihr errechneter Leistungswert.
  • Ziehen Sie, sofern möglich, Vergleichs- und Langzeittests von Solarmodulen zurate, um besser einschätzen zu können, wie sich bestimmte Modelle in der Praxis bisher geschlagen haben.
  • Stellen Sie eine Kosten-/Nutzenanalyse auf: Ist die Preisersparnis bei dem gebrauchten Modul so groß, dass sie die Minderleistung und die anderen Risiken gegenüber einem Neukauf aufwiegt?
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