Die 12 größten Irrtümer über Solarthermie
Solarthermie ist eine Technologie, um mit Solarwärme Warmwasser und Raumwärme im Haus zu gewinnen. Das ist allgemein bekannt. Doch lohnt sich Solarthermie in Deutschland auch? Ist eine solche Anlage überhaupt bezahlbar? Wie lange dauert es, bis sie sich amortisiert? Und muss das Hausdach strikt nach Süden ausgerichtet sein? Dies sind nur einige der vielen Fragen, die sich Interessenten stellen. Beim Klären dieser Fragen mussten wir feststellen, dass eine Menge Irrtümer über die Solarthermie kursieren. Hier listen wir die 12 größten Irrtümer auf – und nennen Argumente, um sie zu widerlegen.


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Irrtum 1: Solarthermie? Kennt doch jeder!
Falsch! Von 500 Hausbesitzern, die an einer Umfrage für LG Electronics teilnahmen, konnten nicht alle Befragten Solaranlagen in
- Photovoltaik-Anlagen zur solaren Stromerzeugung und
- Solarthermie-Anlagen zur solaren Wärmeerzeugung
unterscheiden. Unser Beitrag „Solarthermie FAQ“ beantwortet häufig gestellte Fragen zur Technologie Solarthermie.

Mit einer Solarthermie-Anlage können Sie die Wärme der Sonnenstrahlung in nutzbare Wärmeenergie umwandeln, um damit Ihr Warmwasser (Brauchwasser in Küche und Bad) und/oder Ihr Heizwasser zu erwärmen.

Irrtum 2: Solarthermie? Lohnt sich nicht!
Falsch!
Die Sonne liefert Ihnen ihre Wärme gratis aufs Dach. Dafür müssen Sie keine Energie-Rechnung begleichen. Mit jeder Kilowattstunde solarer Wärme, die Sie mit der Anlage erzeugen und im Haushalt verbrauchen, sparen Sie herkömmliche Energieträger ein. Hierzulande am häufigsten zum Heizen verfeuert werden Gas, Öl und Holz. Jede erzeugte Kilowattstunde Solarwärme ersetzt — bei einem typischen Kesselwirkungsgrad von rund 85-90 % (Brennwert):
- 0,25 Kilogramm Brennholz
- etwa 0,12 Kubikmeter Heizgas auf Erdgasbasis (pro kWh Nutzwärme, bei 90 % Brennwert-Wirkungsgrad)
- etwa 0,11-0,12 Liter Heizöl (pro kWh Nutzwärme, bei 85-90 % Kesselwirkungsgrad)

Die eingesparten Brennstoffe senken somit Ihre Heizkostenrechnung. Um welche Beträge es sich hierbei handelt, hängt unter anderem von der Preisentwicklung der herkömmlichen Energieträger ab. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag „Lohnt sich Solarthermie?“!
Irrtum 3: Solarthermie? Die amortisiert sich doch ewig nicht!
Falsch! Eine Solarthermie-Anlage zur Warmwassererzeugung amortisiert sich je nach Anschaffungspreis, Förderung, Heizenergiekosten und Solarertrag typischerweise nach 12 bis 20 Jahren; eine Anlage zur Heizungsunterstützung nach 15 bis 25 Jahren. Mit BEG-Förderung (siehe Irrtum 8) verkürzt sich die Amortisationszeit deutlich. Zudem sind die laufenden Kosten der Anlagen für unter anderem Pumpenstrom, Inspektion, Wartung und Versicherung ab dem Zeitpunkt der Amortisation gering. Und dank der von einigen Herstellern je nach Produkt gewährten Garantien von bis zu 20 Jahren, müssen Sie auch nicht mit hohen Reparaturkosten rechnen.

Wer bei der Investition in eine Anlage staatliche oder sonstige Fördermittel (siehe Irrtum 8 unten) in Anspruch nimmt, senkt zusammen mit den Anschaffungskosten auch die Amortisationszeit der Anlage.

Irrtum 4: Solarthermie? So ein Solarkollektor bringt doch nix!
Falsch! Den starken Effekt von Solarthermie kennen Sie aus dem alltäglichen Leben in Haus und Garten: Der Wasserschlauch, der stundenlang in der Sonne liegt und nach dem Aufdrehen des Wasserhahns zunächst warmes bis heißes Wasser liefert, das sich im Schlauch solar erwärmte, ist wohl das bekannteste Beispiel. Was ein einzelner Röhrenkollektor leistet, zeigt das folgende Video anschaulich:
Irrtum 5: Solarthermie? Die Herstellung verbraucht doch mehr Energie als die Anlage jemals erzeugt!
Falsch! Die Energierücklaufzeit (auch energetische Amortisation oder „Payback Time“ genannt) liegt bei Solarthermie-Anlagen nach Fraunhofer-ISE- und Forschungs-Studien zwischen 1,5 und 3 Jahren. Bezogen auf die heute selbstverständliche Betriebsdauer der Anlagen von 20 bis 30 Jahren bedeutet dies, dass Sie mit der Solarthermie-Anlage mindestens das Fünffache der Energie erzeugen, die zu ihrer Fertigung eingesetzt wurde, Tendenz: steigend.

Irrtum 6: Solarthermie? Die Anlagen sind doch unbezahlbar!
Falsch! Für eine Solarthermie-Anlage zur Warmwassererzeugung müssen Sie heute typischerweise mit etwa 5.000 bis 10.000 Euro rechnen (je nach Kollektorart, Speichergröße, Region). Dafür deckt sie in der Regel bis zu 60 Prozent Ihres Warmwasserbedarfs und spart entsprechende Energie und Energiekosten. Eine Anlage zur kombinierten Heizungsunterstützung deckt üblicherweise 20 bis 30 Prozent des Gesamtwärmebedarfs (Heizung + Warmwasser) solar. Die Kosten liegen bei einem typischen Einfamilienhaus (Wohnfläche 100 m²) im Bereich von 9.000 bis 17.000 Euro — je nach Kollektorart, Speichergröße und Installationsaufwand. Mehr zum Thema lesen Sie im Beitrag Anschaffungskosten.

Irrtum 7: Solarthermie? Die Anlagen halten doch nur 20 Jahre!
Falsch! Solarthermie-Anlagen erreichen typischerweise eine Betriebszeit von 20 bis 30 Jahren (Flachkollektoren); Vakuumröhrenkollektoren häufig 20 bis 25 Jahre. Wie schön dann auch, dass die Investitionskosten typischerweise nach 12 bis 25 Jahren abbezahlt sind — je nach Anlagentyp, Förderung, Energiepreis-Entwicklung und Nutzung.

Irrtum 8: Solarthermie? Für den Kauf bekomme ich doch kaum noch Förderung!
Falsch! Die Förderung der Solarthermie ist Teil der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Das EEG regelt nur die Stromförderung — für Solarthermie als Wärmetechnik ist das BEG zuständig. Seit 2024 wird die BEG-Heizungseinzelmaßnahme von der KfW (Programm 458) ausgezahlt — nicht mehr vom BAFA. Voraussetzung sind Solar-Keymark-Zertifizierung und mindestens 525 kWh/m² Jahreskollektorertrag (Eintrag in der BAFA-Anlagenliste). Die vier wichtigsten Förder-/Finanzierungswege heißen:
- BEG-Zuschuss über die KfW (Programm 458)
- KfW-Kredit (Programm 358/359, Ergänzungskredit)
- Bankkredite
- Steuerbonus.
Außerdem fördern Bundesländer, Kommunen und sogar Hersteller den Kauf einer Solarthermie-Anlage.

Irrtum 9: Solarthermie? Dafür reicht doch die Sonne hierzulande gar nicht!
Falsch! Die jährliche Globalstrahlungssumme in Deutschland liegt nach DWD-Daten je nach Region zwischen rund 950 und 1.200 kWh pro Quadratmeter horizontaler Fläche; auf optimal ausgerichteten Solarkollektoren entsprechend mehr. Die 1.000 W/m² sind dabei die kurzzeitige Spitzenleistung bei klarem Himmel (Standardbestrahlungsstärke), kein Jahresmittel. Bei 1.500 bis 1.700 Sonnenstunden pro Jahr (DWD-Mittel) erreicht ein Flachkollektor typische jährliche Erträge von 350-500 kWh/m² Kollektorfläche, ein Vakuumröhrenkollektor 450-600 kWh/m². Eine 8 m²-Anlage liefert damit zwischen rund 2.800 und 4.000 kWh Nutzwärme jährlich — das entspricht etwa 20 bis 30 % des Heizwärmebedarfs eines durchschnittlich gedämmten Einfamilienhauses (Wohnfläche 140 m², Jahres-Heizwärmebedarf 10.000-15.000 kWh).

Mehr zum Thema Globalstrahlung lesen Sie in unserem Beitrag zum Standort einer Solarthermie-Anlage.
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Irrtum 10: Solarthermie? Dafür eignen sich doch nur Süddächer!
Falsch! Eine Solarthermie-Anlage sammelt in Deutschland auf einem nach Süden gerichteten Dach zwar die meisten Sonnenstrahlen pro Tag und Jahr, doch auch Anlagen auf östlich oder westlich ausgerichteten Dächern erzeugen so viel Solarwärme, dass sich ihr Betrieb lohnt. Die etwas geringere Lichteinstrahlung lässt sich dort beispielsweise mit ein oder zwei zusätzlichen Solarkollektoren wettmachen. Auch die Art der Kollektoren spielt für die Wärmeausbeute eine Rolle.

Die Praxis zeigt: Eine Abweichung von 30° nach Ost oder West (Azimut) senkt den Ertrag einer Solarthermie-Anlage nur um etwa 5 %. Reine Ost- oder Westdächer (90° Abweichung) verlieren je nach Lage und Neigung typischerweise 15-25 % Ertrag — sind aber durchaus noch betrieben wirtschaftlich nutzbar. Mehr zum Thema Ausrichtung und Neigung eines Solardachs sowie zur leistungsmindernden Verschattung bietet der Artikel zum besten Standort für eine Solarthermieanlage.
Irrtum 11: Solarthermie? Die kocht im Sommer doch geradezu und geht dann kaputt!
Falsch! Problematisch wäre dies allenfalls bei einer thermischen Stagnation. Dann steht der Solarkreislauf still, weil die Wärme nicht mehr abgenommen wird. Bleibt die Solarflüssigkeit im Kollektor und heizt sich auf, bis sie verdampft, ist die solarthermische Anlage natürlich hohen Belastungen ausgesetzt. Gründe dafür können ein voller Solarspeicher, technische Defekte oder ein Stromausfall sein. Wie häufig das vorkommt und wie die Anlage darauf reagiert, hängt maßgeblich von ihrer Konfiguration ab. Optimal konfigurierte Anlagen kommen mit der thermischen Stagnation, die schließlich ein regulärer Betriebszustand ist, problemlos zurecht.
Irrtum 12: Solarthermie? Die bringt im deutschen Winter doch keinen Ertrag!
Falsch! Richtig ist, dass der solare Ertrag im Winter geringer ausfällt. Richtig ist auch, dass gerade dann die meiste Wärme benötigt wird. Richtig ist aber auch, dass die Solarthermie in den dunklen Monaten in der Regel noch einen solaren Deckungsanteil von etwa 5 bis 15 % am gesamten Heizwärmebedarf liefert — beim reinen Warmwasser auch im Winter immerhin 15 bis 30 %. Wintererträge bleiben wegen niedrigem Sonnenstand und kurzen Tagen ohnehin begrenzt. Längerfristige Klimaprognosen zur Wintersonneneinstrahlung sind unsicher; jedoch kann der Heizwärmebedarf bei verbesserter Gebäudedämmung künftig deutlich geringer ausfallen. Und wer kauft schon eine Solaranlage nur für den Winter? Im Sommer kann der Wärmebedarf eines Einfamilienhaushalts schließlich oft komplett mit Solarthermie gedeckt werden.

Fazit
Von den Standortbedingungen bis zu den Anschaffungskosten, von den Brennstoff-Einsparungen bis zur Lebensdauer einer solarthermischen Anlage: Wir hoffen, mit unserer Auflistung konnten wir die 12 größten Irrtümer über Solarthermie ausräumen. Wer mehr über die einzelnen Punkte wissen möchte, kann sich in verlinkten Einzelbeiträgen darüber informieren.
Die folgende Grafik bietet die wichtigsten Fakten noch einmal auf einen Blick:

Fehler Planung Solarthermie
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