Solarthermie: Welche Einsparungen sind möglich?
Ob eine Solarthermieanlage wirtschaftlich arbeitet, ist eine einfache Rechenaufgabe: Es müssen lediglich die Ausgaben und die Einnahmen gegenübergestellt werden. Doch dann wird’s schon schwieriger: Die Ausgaben sind die Investitionskosten, die Betriebs- und Wartungskosten plus eventuelle Finanzierungskosten. Aber was sind die Einnahmen?
Anders als bei der Photovoltaik überweist kein Netzbetreiber eine Einspeisevergütung. Auf der Einnahmenseite können also – neben der Förderung des Bundes und der Länder – alleine die Einsparungen durch Solarthermie stehen. Wir geben Antworten auf die Frage: Was kann ich durch Solarthermie einsparen? (Stand: Mai 2026)
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Einsparpotenzial der Solarthermie
Wenn die Wirtschaftlichkeit beim Betrieb einer Solaranlage auch an erster Stelle steht – das Einsparpotenzial der Solarthermie umfasst noch eine Reihe weiterer Aspekte:
- Solarthermie sorgt bei der Wärmeerzeugung für Einsparung von Brennstoff. Wird beispielsweise eine solarthermische Anlage mit einer Öl- oder Gasheizung kombiniert, betragen die Einsparungen bis zu 30 Prozent. Bei Niedrigenergiehäusern ist sogar noch weit mehr drin.
- Eine eher kleine Solaranlage sorgt bei der Anschaffung für Einsparung von Rohstoffen. Nicht nur, dass eine zu groß bemessene Kollektorfläche den spezifischen Kollektorertrag senkt, sie verbraucht bei der Herstellung zudem unnötig viele Ressourcen. Auch im Hinblick auf die Anschaffungskosten ist es vorteilhaft, die Komponenten einer Solarthermieanlage optimal zu dimensionieren.
- Gut gedämmte Solarrohre und Wärmespeicher sorgen beim Anlagenbetrieb für ein Plus an Wärmeenergie. Beim Fluss und beim Speichern von Wärme geht nun einmal ein Teil davon verloren. Um die Wärmeverluste möglichst gering zu halten, sind gute Solarthermie-Anlagen bestens isoliert. Bei der Wärmedämmung zu sparen, ist keine gute Idee.
- Regelmäßige Inspektionen sorgen für Einsparungen bei Reparaturen. Werden Fehlfunktionen bereits während der Wartungsarbeiten aufgedeckt, sind sie meist schnell aus der Welt geschafft. Das spart nicht nur Geld, sondern vermeidet auch unnötigen Aufwand und Ärger.
Energie-Einsparung durch Solarthermie
Kurz erklärt: Solarer Deckungsanteil
Der solare Deckungsanteil beschreibt den Anteil der Solarthermie an der Deckung des Energiebedarfs. So bedeutet z.B. ein Deckungsanteil von 60%, dass vom Wärmebedarf 60% durch die solarthermische Anlage erzeugt und 40% vom Heizkessel nachgeheizt werden. Ein hoher solarer Deckungsanteil bedeutet aber nicht zugleich eine hohe Wirtschaftlichkeit. Größere Solaranlagen haben zwar einen hohen Deckungsanteil, sind in der Anschaffung aber auch bedeutend teurer. Mehr zum Thema erfahren Sie im Beitrag Leistungsangaben.
Die gute Nachricht: Für die Warmwasserbereitung sind im Sommer 100% solarer Deckungsanteil möglich. Durch die hohen Temperaturen, den hohen Sonnenstand und die lange Sonnenscheindauer kann der Heizkessel für die Erzeugung von warmem Brauchwasser ausgeschaltet bleiben.
Richtwerte für den solaren Deckungsgrad
Mal abgesehen von der Wirtschaftlichkeit: Übers Jahr gesehen lässt sich ein 100%iger solarer Deckungsanteil, auch solarer Deckungsgrad, allenfalls in einem Sonnenhaus und nur mit hohem Aufwand realisieren. Aber auch bei einem durchschnittlich wärmegedämmten Wohngebäude kann sich die energetische Einsparung durch die Solarthermie durchaus sehen lassen:
- Im Warmwasserbereich liegt die jährliche Verbrauchsabdeckung üblicherweise bei rund 60 Prozent – was einer Einsparung am Gesamtwärmebedarf von ca. 10 Prozent
- Soll Warmwasser erzeugt und zusätzlich die Heizung unterstützt werden, steigt der Wert auf 20 Prozent am Gesamtwärmebedarf. Und das bei ganz normaler Wärmedämmung des Hauses.
Und da ist noch deutlich mehr drin. Je nach energetischer Beschaffenheit des Gebäudes ist die solare Heizungsunterstützung noch wesentlich effektiver: So können energetisch effizient gedämmte Niedrigenergiehäuser (Passivhausstandard) es sogar auf bis zu 60 Prozent solaren Deckungsanteil schaffen.
Fazit: Eine solarthermische Anlage deckt den Energiebedarf eines Hauses im Mittel zu 20 Prozent ab. Bei der reinen Trinkwassererwärmung sind übers Jahr mindestens 60 Prozent üblich. Für die Höhe des Deckungsanteils in Bezug auf die Raumheizung ist die energetische Beschaffenheit des Gebäudes ausschlaggebend.
Berechnung der möglichen Kosteneinsparung
Die monetären Einsparungen sind mit der obigen Formel relativ einfach zu ermitteln. Ein Beispiel auf 2026er Energiepreisen: Ohne Solarthermie fallen für die Warmwasserbereitung eines Vier-Personen-Haushalts (rund 3.000–4.000 kWh/Jahr) je nach Energieträger zwischen 330 Euro (Gas-Bestandskunden, ca. 11 Cent/kWh) und 650 Euro (Heizöl, ca. 14–16 Cent/kWh) pro Jahr an. Bei einer solaren Einsparung von 60 Prozent reduzieren sich diese Energiekosten auf rund 130–260 Euro jährlich (entspricht einer Ersparnis von etwa 200–390 Euro).
Doch nicht immer wird der Verbrauch von Warmwasser separat bekannt gegeben. Häufig kann nur der Gesamtverbrauch, also Warmwasser und Raumheizung, abgerechnet werden. Dann helfen die folgenden Faustregeln. Ausgehend von den insgesamt eingesparten Kosten entfallen in einem
- durchschnittlich wärmegedämmten Gebäude 80% auf die Heizung und 20% auf das Warmwasser,
- Niedrigenergiehaus 60% auf die Heizung und 40% auf das Warmwasser.
Und nun wieder ein Rechenbeispiel. Gehen wir bei beiden Häusern beispielhaft von Gesamt-Energiekosten von 2.000 Euro pro Jahr aus (Größenordnung Einfamilienhaus mit Gasheizung, 18.000–22.000 kWh Wärmebedarf — bei Heizöl entsprechend 2.800–3.400 Euro). Daraus ergibt sich eine reale jährliche Kostenersparnis im
- durchschnittlich wärmegedämmten Gebäude: 60 % von 20 % = 12 % = 240 Euro werden beim Warmwasser eingespart. Bei der Heizung sind es 20 % von 80 % = 16 % = 320 Euro. Insgesamt also rund 560 Euro pro Jahr (bei Gasheizung; bei Heizöl entsprechend 800–950 Euro).
- Niedrigenergiehaus: 60 % von 40 % = 24 % = 480 Euro werden beim Warmwasser eingespart. Bei der Heizung sind es 60 % von 60 % = 36 % = 720 Euro. Insgesamt also rund 1.200 Euro pro Jahr (bei Gasheizung; bei Heizöl entsprechend 1.700–2.000 Euro).
Aktuelle Energiepreise und CO2-Bepreisung verändern die Rechnung
Zwei Faktoren haben die Wirtschaftlichkeit von Solarthermie seit dem Erscheinen dieses Beitrags spürbar verschoben. Erstens liegen die Heizkosten 2026 deutlich höher als noch vor wenigen Jahren — Gas bei rund 10–12 Cent/kWh für Bestandskunden (günstige Neuverträge ab ca. 8 Cent/kWh), Heizöl je nach Marktlage zwischen 12 und 16 Cent/kWh. Zweitens verteuert die nationale CO2-Bepreisung (BEHG, 2026–2027: 55–65 Euro pro Tonne CO2; ab 2028 EU-Emissionshandel ETS 2) fossile Brennstoffe Jahr für Jahr weiter — der CO2-Aufschlag macht beim Heizöl heute schon mehrere Cent pro kWh aus. Solarthermie ersetzt fossile kWh und vermeidet damit nicht nur den heutigen, sondern auch den absehbaren künftigen CO2-Aufschlag. Das verkürzt die Amortisationszeit, gerade in Häusern mit Heizöl.
Rechnen Sie selbst nach: Einsparungen durch Solarthermie abschätzen
Das klingt zu schön, um wahr zu sein? Natürlich stehen den Einsparungen auch nicht unerhebliche Investitionskosten gegenüber. In weiteren Beiträgen erläutern wir, mit welchen Ausgaben bei der Anschaffung zu rechnen ist und wie die Frage „Lohnt sich Solarthermie überhaupt noch?“ zu beantworten ist.
TIPP
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Fördermittel als Startkapital
Solarthermie als Heizungsunterstützung wird seit Januar 2024 nicht mehr direkt vom BAFA, sondern über die KfW-Heizungsförderung 458 bezuschusst — typischerweise in Kombination mit einem erneuerbaren Wärmeerzeuger (z. B. Wärmepumpe oder Biomasse). Die Grundförderung beträgt 30 Prozent der förderfähigen Kosten; wer gleichzeitig eine noch funktionierende fossile Heizung tauscht, erhält den Klimageschwindigkeitsbonus (+20 %); Selbstnutzer mit zu versteuerndem Haushaltseinkommen unter 40.000 Euro/Jahr bekommen zusätzlich den Einkommensbonus (+30 %). Da die Förderung auf insgesamt 70 % gedeckelt ist, wird bei voller Kumulierung aller Boni effektiv nicht 80 %, sondern maximal 70 Prozent Zuschuss gezahlt (max. 21.000 Euro pro Wohneinheit). Welche Bonus-Kombination im Einzelfall möglich ist, entscheidet sich anhand der Bedingungen.
Da sich Förderquoten, Bonus-Bedingungen und das Antragsverfahren regelmäßig ändern, finden Sie den jeweils aktuellen Stand inklusive aller Zuschuss-Sätze und Antragsschritte gebündelt in unserem laufend aktualisierten Beitrag zur KfW-Förderung für Solarthermie. Bei der KfW 458 muss der Förderantrag vor Vorhabenbeginn gestellt werden; ein vorab geschlossener Liefer- oder Leistungsvertrag ist nur dann unschädlich, wenn er ausdrücklich unter aufschiebender oder auflösender Förderbedingung steht. Wer einen unbedingten Auftrag vor Antragstellung vergibt, verliert den Anspruch — Ausnahmen sind nicht vorgesehen. Förderfähig sind außerdem nur Vorhaben ab einer Mindestinvestitionssumme von 300 Euro brutto.
Fazit
Die monetären Einsparungen sind de facto die Einnahmen, die sich aus der Einsparung an fossilen Brennstoffen erzielen lassen. Dabei spielt deren – aktueller und zukünftiger – Preis die entscheidende Rolle. Niemand geht davon aus, dass sich die Energiepreise in Zukunft zum Positiven entwickeln werden. Daher wird die solar unterstützte Erzeugung von Warmwasser und Heizungsenergie zunehmend interessant. Was die Amortisation betrifft, hat sich die Lage verbessert: Eine Solarthermie-Anlage rechnet sich auf 2026er Energiepreis-Niveau ohne Förderung typischerweise nach 15 bis 20 Jahren, mit KfW-Zuschuss von 30–70 % deutlich schneller (rund 10–15 Jahre, bei Heizöl-Substitution sogar 8–12 Jahre). Anschließend arbeitet die Anlage noch viele Jahre weiter — die typische technische Lebensdauer liegt bei 25 bis 30 Jahren oder länger. Je länger dies der Fall ist, desto größer ist die Ersparnis bei den Warmwasser- bzw. Heizkosten.
Lohnt sich Solarthermie 2026
Lohnt sich Solarthermie auch im Jahr 2026? Diese Frage ist angesichts der Preissteigerungen der letzten Jahre durchaus berechtigt. Denn nicht… weiterlesen






















