Öko- und CO₂-Bilanz von Solaranlagen

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Eine saubere Sache? Die Öko- und CO₂-Bilanz von Photovoltaik und Solarthermie

Strom und Wärme aus Sonnenkraft, regenerative Energien schlechthin – das klingt nach einer guten Sache, nach grünen Wiesen und ökologischem Mehrwert. Trotzdem hält sich bei manchen Kritikern der hartnäckige Glaube, dass Photovoltaik und Solarthermie nicht umweltfreundlich sind. Weil potenziell gefährliche Materialien verwendet werden. Weil die Produktion viel zu energieintensiv ist. Weil, weil, weil. Argumente, die leicht zu entkräften sind. Machen Sie sich ein eigenes fundiertes Bild von der Sachlage: Wir klären ausführlich über die Öko- und CO₂-Bilanz der Technologien auf.

Komplettes Hausdach mit Photovoltaik-Anlage bestückt © manfredxy, stock.adobe.com
Hausdach mit Photovoltaik-Anlage © manfredxy, stock.adobe.com
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Positive Energiebilanz nach wenigen Monaten

Dass Solarmodule eine negative Energiebilanz haben oder zumindest einmal hatten, bezeichnet Thomas Seltmann in seinem Buch „Photovoltaik – Solarstrom vom Dach“ als „landläufigen Mythos“. Woher er kommt, weiß man nicht. Dass er nicht stimmt, wurde mittlerweile vielfach nachgewiesen. Die Zeit läuft zudem für die Anlagen: Durch effizientere Produktion und verbesserte Wirkungsgrade sinkt die Dauer, bis eine Anlage den zur Herstellung nötigen Energieaufwand zurückgeliefert hat, weiter. Diese sogenannte Energierücklaufzeit lässt sich in konkreten Zahlen ausdrücken. Das Umweltbundesamt kam 2021 beispielsweise in einer Studie zu dem Schluss, dass die Rücklaufzeit bei den von ihm untersuchten Photovoltaik-Anlagen an einem deutschen Standort zwischen 0,9 und 2,1 Jahren liegt.

Erklärt: Energierücklaufzeit und Erntefaktor
Erklärt: Energierücklaufzeit und Erntefaktor

Weiter heißt es: „Der investierte Primärenergieaufwand für die Herstellung, die Nutzung und das Lebensende der PV-Anlagen amortisiert sich somit nach einer sehr kurzen Anlagenlaufzeit.“ Bei einer angenommenen Lebensdauer solcher Anlagen von 20 bis 30 Jahren wird deutlich, wie positiv die Bilanz ausfällt. Wer es noch genauer wissen will, kann den Ökobilanzrechner für Photovoltaikanlagen des Umweltbundesamtes mit seinen individuellen Daten füttern – und erhält umgehend ein Ergebnis.

Energetische Amortisation
unter 1,3Jahre
So schnell liefert eine heute in Deutschland installierte monokristalline PV-Anlage die für ihre Herstellung aufgewendete Energie zurück.
Erntefaktor
11 – 18×
Über ihre Lebensdauer produziert eine PV-Anlage das 11- bis 18-Fache der Energie, die zur Herstellung nötig war.
Vermiedene Emissionen 2024
~51Mio. t CO₂
Die 74 TWh Solarstrom, die 2024 in Deutschland erzeugt wurden, haben diese Menge klimaschädlicher Emissionen eingespart.
Quellen: UBA (Ökobilanzen Wind/PV 2021) · Fraunhofer ISE (Photovoltaics Report 10/2025, Aktuelle Fakten zur PV in Deutschland 09/2024)
Eindeutig im Plus: Die Energiebilanz der Photovoltaikanlage
Eindeutig im Plus: Die Energiebilanz der Photovoltaikanlage

PV-Anlagen können darüber hinaus die Renaturierung fördern, berichtet das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). Und zwar dann, wenn eine Fläche aus der intensiven Landwirtschaft herausgenommen, in Grünland umgewandelt und darauf eine PV-Freiflächenanlage errichtet wird. Diese Flächen werden nicht gedüngt und können mit Wildpflanzenmischungen angereichert werden, was zur Artenvielfalt beiträgt. Darüber hinaus gibt es auch sogenannte Agri-PV-Anlagen: Sie ermöglichen den Anbau von Lebensmitteln im oder am Boden und die Erzeugung von Solarstrom – dank lichtdurchlässiger PV-Überdeckungen beziehungsweise Dachkonstruktionen.

Agrophotovoltaik vereint Ackerbau und Photovoltaik
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Rechner: CO₂-Einsparungen der eigenen PV-Anlage berechnen

So berechnen Sie die Amortisationszeit ihrer PV-Anlage
So berechnen Sie die Amortisationszeit ihrer PV-Anlage

Auch gesellschaftliche Kosten beachten

Photovoltaik- und Solaranlagen erzeugen nicht nur Strom und Wärme aus Sonnenenergie. Sie ersetzen auch andere, weniger umweltfreundliche Verfahren. Peanuts? Keineswegs: Einer Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft zufolge summieren sich beispielsweise die Folgen für den Braunkohlebergbau auf 27,9 Milliarden Euro. Pro Jahr, wohlgemerkt. Die Summe setzt sich unter anderem aus staatlichen Förderungen und entstehenden Klimakosten durch Treibhausgase und Luftschadstoffe zusammen. Für die Zwischen- und Endlagerung von Atommüll geht die Bundesregierung von 169 Milliarden Euro aus. Geld, das letztlich jeder einzelne Bürger zahlt.

Fossile Energien wie die Braunkohle können hohe Kosten verursachen © Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, Green Planet Energy
Fossile Energien wie die Braunkohle können hohe Kosten verursachen © Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, Green Planet Energy
Fossile Energien verursachen weitere gesellschaftliche Kosten
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Rechner: CO₂-Emissionen einer Solarthermie Anlagen im Vergleich

Problematische Komponenten

Natürlich sind auch Solarmodule und -kollektoren nicht aus Blumenblüten und Einhornstaub gemacht. Die Gewinnung von Strom und Wärme beruht auf chemischen und physikalischen Prozessen. Dafür werden bestimmte Materialien benötigt, die teilweise nicht umweltfreundlich, mitunter sogar umweltschädlich sind. Beim Smartphone oder dem Laptop-Akku ist das Bewusstsein für problematische Komponenten bei den meisten Menschen kaum ausgeprägt, der Solarindustrie wird es dagegen immer wieder vorgeworfen.

Auch hier hilft ein Faktencheck. Solarmodule sind keine Dreckschleudern: Sie sind robust, widerstandsfähig, langlebig und es treten keine Schadstoffe aus. Hauptbestandteile sind Glas, Aluminium und Kunststoff. Die Solarzellen sind oft nur einen Bruchteil von einem Millimeter dick. Manche Hersteller verwenden allerdings die schädlichen Materialien Blei und Cadmium, und auch Aluminium ist ökologisch gesehen bedenklich. Letzterer kann aber zumindest leicht und ohne Qualitätsverlust recycelt werden.

Apropos Recycling: Schon seit 2007 gibt es ein herstellerübergreifendes Recyclingsystem für Photovoltaik-Module namens PV Cycle. Der Gesetzgeber wurde in der Folge ebenfalls tätig und schreibt seit einigen Jahren die fachgerechte Entsorgung ausgemusterter Module vor. Hersteller und Installationsbetriebe sind verpflichtet, Komponenten einer Photovoltaik-Anlage zurückzunehmen. Solarkollektoren von Solarthermieanlagen sind im Aufbau einfacher und mit weniger schädlichen Materialien bestückt. Für sie besteht keine gesetzliche Pflicht zur Rücknahme. Eine Nachfrage beim örtlichen Betriebshof lohnt sich aber, denn vielerorts werden wiederverwertbare Komponenten dort recycelt. Um mit einem weiteren Mythos aufzuräumen: Defekte Solarmodule sind kein Sondermüll, sondern eine Fundgrube wertvoller wiederverwertbarer Materialien.

Recycling von Solaranlagen ist sinnvoll
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Defekte Solarmodule © Marina Lohrbach, stock.adobe.com
Recycling von Solarmodulen

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Think global, act local

Noch vor wenigen Jahren lag die deutsche Photovoltaik-Industrie brach, mittlerweile erlebt sie ihren zweiten Frühling. Es ist daher empfehlenswert, sie zu unterstützen – nicht nur, um beispielsweise lange Transportwege zu sparen. Sondern auch, weil in anderen Teilen der Welt weniger Wert auf Umweltschutz gelegt wird. Das gilt bereits für die Produktion der Module, die nach wie vor energieintensiv ist. In Deutschland hat die Energiewende im Strommix deutliche Fortschritte gemacht: Erneuerbare Energien lieferten 2025 rund 59 Prozent des erzeugten Stroms (Destatis, März 2026). Der Anteil der Kohle ist auf 22 Prozent gesunken. In China, dem weltweit größten Produzenten von Solarmodulen, wächst der Anteil zwar ebenfalls. Dennoch kommt dort noch rund die Hälfte des Stroms aus Kohlekraftwerken.

Der Fortschritt ist bemerkenswert: Noch 2015 stammten rund zwei Drittel des deutschen Stroms aus fossilen Quellen. Bis 2025 hat sich das Bild grundlegend gewandelt – Windkraft und Photovoltaik führen den Strommix gemeinsam an. Für die CO₂-Bilanz einer hierzulande produzierten Solaranlage ist das eine gute Nachricht: Je grüner der Strom für die Herstellung, desto besser die Gesamtbilanz der Anlage.

Womit man unweigerlich auch bei der CO2-Belastung ist. Hier muss zwischen der Produktion von Solarmodulen und ihrer Nutzung unterschieden werden. Einmal am Laufen, setzen die Anlagen kein klimaschädliches Kohlendioxid frei. Im Gegenteil, sie sparen es im Vergleich zu anderen Arten der Strom- und Wärmeerzeugung ein. Das gilt jedoch nicht für Prozessschritte wie die Herstellung, Wartung und Entsorgung. Berechnungen zeigen, dass die CO₂-Belastung einer Photovoltaik-Anlage bei insgesamt etwa 50 Gramm pro Kilowattstunde liegt. Zum Vergleich: Kohle liegt bei 800 bis 1.200 Gramm pro Kilowattstunde. Hier kommt zudem hinzu, dass CO₂ freigesetzt wird, das viele Millionen Jahre in der Erde gebunden war. Bei der Ressource Holz beispielsweise ist das anders: Zwar setzt auch seine Verbrennung CO₂ frei, doch haben die Bäume dieses zuvor in ihrer Wachstumsphase der Umwelt entzogen. Unter dem Strich bleibt die Bilanz also neutral.

CO₂-Emissionen im Vergleich – Gramm CO₂-Äquivalente pro kWh (Lebenszyklus)
💨 Windkraft (Onshore)ca. 7–11 g
☀️ Photovoltaik (Dach, DE)ca. 43–63 g
Herstellung, Betrieb und Entsorgung zusammen – je nach Produktionsland
🔥 Erdgasca. 500 g
⛏ Steinkohleca. 830 g
🏭 Braunkohleca. 1.075 g
Zusammenstellung aus mehreren Fachquellen (u. a. UBA 2021, Fraunhofer ISE 2024/2025) · Stand 2025
Die CO2-Belastung von Solarmodulen ist vergleichsweise gering
Die CO2-Belastung von Solarmodulen ist vergleichsweise gering

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Worauf Sie beim Kauf achten können

Die ökologische Bilanz einer Solaranlage hängt nicht nur von der Technologie ab, sondern auch von konkreten Entscheidungen beim Kauf. Mit diesen Punkten lässt sich die Öko-Bilanz der eigenen Anlage spürbar verbessern:

  • Produktionsstandort berücksichtigen: Module, die in Europa produziert wurden, haben durch den sauberen Strommix und die kürzeren Transportwege meist eine bessere CO₂-Bilanz als Fernost-Produktionen. Fragen Sie Ihren Fachbetrieb gezielt nach der Herkunft.
  • Lebensdauer und Leistungsgarantie vergleichen: Je länger eine Anlage zuverlässig läuft, desto besser fällt ihr Erntefaktor aus. Qualitätsmodule bieten heute Leistungsgarantien von 25 bis 30 Jahren – diese Angabe ist auch ein guter Indikator für die Verarbeitungsqualität.
  • Schadstoffarme Module bevorzugen: Monokristalline Silizium-Module enthalten in der Regel kein Cadmium. Ist Ihnen Schadstoffarmut wichtig, fragen Sie gezielt nach bleifreien Lötverbindungen und entsprechenden Herstellerzertifikaten.
  • Rücknahmezusage prüfen: Hersteller und Fachbetriebe sind nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) verpflichtet, ausgediente Module zurückzunehmen. Lassen Sie sich das konkrete Rücknahmeverfahren schriftlich bestätigen – idealerweise über ein etabliertes System wie PV Cycle.
  • Qualifizierten Fachbetrieb wählen: Eine fachgerechte Planung und Montage verhindert Ertragsverluste und verlängert die Lebensdauer der Anlage – beides wirkt direkt auf die Ökobilanz.
Tipp: Mit unserem Fachbetriebsfinder finden Sie Solar-Experten in Ihrer Nähe, die Sie unverbindlich zu Herkunft, Qualität und Rücknahmebedingungen der angebotenen Module beraten.

Fazit

Die beste, umweltfreundlichste und sparsamste Energie ist die, die nicht gebraucht wird. Insofern sollte es heutzutage zum Selbstverständnis jedes Menschen zählen, achtsam mit seiner Umwelt und den natürlichen Ressourcen umzugehen. Ganz ohne geht es allerdings nicht. Photovoltaik und Solarthermie sind aus ökologischen Gesichtspunkten zwar nicht perfekt, aber im Vergleich zu anderen, insbesondere fossilen Energiequellen, doch sehr weit vorne. Wer schon beim Kauf auf die Qualität und die Materialien der verbauten Komponenten schaut, nach Möglichkeit heimische Produzenten bevorzugt und defekte Komponenten fachgerecht dem Recycling zuführt, kann zurecht ein gutes Umweltgewissen haben.

Photovoltaik und Solarthermie: Vorteile und Nachteile
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Installation einer PV-Anlage © Simon Kraus, stock.adobe.com
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