Solarflüssigkeit wechseln für mehr Effizienz der Solaranlage
Man kann es kaum glauben: Lässt die Effizienz einer Solarthermieanlage nach, reicht es oft schon, die Solarflüssigkeit auszutauschen. Durch das ständige Aufheizen und Abkühlen im Betrieb unterliegt diese nämlich unweigerlich einem Alterungsprozess und erfüllt dann ihre Aufgabe nur noch unzureichend. Im schlimmsten Fall kann ein überaltertes Solarfluid sogar zu Schäden an der Anlage führen. Wir zeigen, was passieren kann und wie Sie selber die Wärmeträgerflüssigkeit wechseln.
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Anforderungen an die Solarflüssigkeit
Das Solarfluid oder Solarliquid ist der Wärmeträger der Solarthermieanlage. Es sorgt dafür, dass die Wärme vom Dach in den Solarkreislauf kommt. Im Kollektor heizt sich die Flüssigkeit auf, im Speicher gibt sie die aufgenommene Wärme über einen Wärmetauscher an das Heizungswasser ab. Ist sie abgekühlt, fließt sie zum erneuten Aufwärmen in die Solarkollektoren zurück.

Die Solarflüssigkeit wechselt also stetig von heiß zu kalt. In den Sommermonaten ist das noch extremer: An besonders heißen Tagen verdampft das Fluid sogar teilweise und kondensiert dann anschließend wieder. Würde es nur aus Wasser bestehen, wäre dies kein Problem. Damit die Flüssigkeit im Winter nicht gefriert, wird dem Wasser jedoch ein Frostschutzmittel, in der Regel Propylenglykol, beigemischt. Durch den ständigen Temperaturwechsel verändert dieses im Laufe der Jahre seine Chemie und löst sich dabei nach und nach auf. Spätestens dann ist ein Wechsel der Flüssigkeit angesagt.
Durch das Verdampfen bei hohen Außentemperaturen kann mit der Zeit zudem die Füllmenge an Solarflüssigkeit abnehmen. Dies erhöht den Druck in der Solarthermieanlage. Ist dieser zu groß, wird ein Teil des Dampfes über Notventile abgelassen. Um die volle Funktion sicherzustellen, muss die Solarflüssigkeit also beizeiten nachgefüllt werden.
Folgen von Solarfluid-Alterung und -Verlust
Überalterte bzw. zu wenig Solarflüssigkeit hat unerwünschte Folgen:
- Sie kann ihre Aufgabe als Wärmeträger nicht mehr voll erfüllen.
- Sie kann ihre Zersetzungsprodukte in den Rohrleitungen ablagern, diese von innen verschmutzen oder verstopfen. Korrosionsschäden sind nicht selten.
- Sie hat keinen ausreichenden Frostschutz mehr, sodass im Winter Frostschäden auftreten können.
Um bestmögliche Wärmeerträge zu erzielen und die Anlage vor Schäden zu schützen, müssen Betreiber daher die Solarflüssigkeit im Auge behalten.
Den richtigen Wechselzeitpunkt erkennen
Der richtige Zeitpunkt für eine Maßnahme richtet sich nach dem Manko:
- In der Anlage ist zu wenig Solarflüssigkeit.
- In der Anlage ist überalterte Solarflüssigkeit.
Maßnahmen bei zu wenig Solarflüssigkeit
Ein abfallender Anlagendruck wird oft als Hinweis auf zu wenig Solarflüssigkeit gedeutet – aber Vorsicht: Vor dem Nachfüllen muss die Ursache geklärt werden. Häufige Ursachen sind eine Leckage am Rohrsystem, ein defektes Membran-Ausdehnungsgefäß (MAG) oder ein undichtes Sicherheitsventil. Wer ohne Ursachenklärung einfach nachfüllt, überdeckt das eigentliche Problem und riskiert weitere Schäden. Wenn die Ursache geklärt ist, kann (oder muss) Solarfluid nachgefüllt werden – die Flüssigkeit muss zur eingebauten Originalmischung passen. Solarflüssigkeiten unterschiedlicher Hersteller dürfen nicht vermischt werden, weil es zu ungewollten chemischen Reaktionen kommen kann.
Wichtig: Beim Nachfüllen der Solarflüssigkeit darf keine Luft ins System gelangen. Um ganz sicher zu gehen, sollte die Anlage nach dem Nachfüllen entlüftet werden.
Maßnahmen bei zu altem Solarliquid
Eine überalterte Solarflüssigkeit lässt sich ebenfalls an einer Leistungsabnahme der Solarthermieanlage erkennen. Allerdings ist es dann schon höchste Zeit, die Flüssigkeit zu wechseln, da bereits Schäden an der Anlage drohen. Besser ist es daher, den Zeitpunkt für den Wechsel der Solarflüssigkeit früher zu legen.
Die Angaben für die Lebensdauer von Solarflüssigkeit schwanken teils beträchtlich. Praxis-Erfahrungen zeigen einen Wechsel meist alle 5 bis 10 Jahre – bei Heizungs-Unterstützung mit hoher thermischer Belastung früher (3 bis 5 Jahre), bei reinen Trinkwasser-Anlagen mit geringer Belastung auch erst nach gut 10 Jahren. Höhere Lagerwerte beziehen sich auf das ungenutzte Konzentrat im Kanister. Ein starres Kalender-Intervall lässt sich nicht ableiten – entscheidend ist der gemessene Zustand der Flüssigkeit.
Die einzige Möglichkeit, den Wechselzeitpunkt frühzeitig zu erkennen, ist die regelmäßige Kontrolle der Flüssigkeit – mindesten alle zwei Jahre, besser noch jedes Jahr. Dazu wird dem Kreislauf beim Betrieb eine kleine Probe der Flüssigkeit entnommen und geprüft. Drei Parameter sind entscheidend:
- Aussehen: Neue Solarflüssigkeit ist eventuell vom Hersteller eingefärbt, aber auf jeden Fall klar. Zeigt sie sich bei der Sichtprüfung trübe oder haben sich sogar kleine Klümpchen gebildet, ist der Zeitpunkt zum Wechsel gekommen.
- Geruch: Neue Solarflüssigkeit ist geruchsneutral. Riecht die Solarflüssigkeit, hat der Alterungsprozess eingesetzt. Ein scharfer Geruch nach Ammoniak weist darauf hin, dass sich das Frostschutzmittel zersetzt.
- pH-Wert: Neue Solarflüssigkeit ist deutlich alkalisch eingestellt – Hersteller-Datenblätter wie TYFOCOR L nennen einen Liefer-pH zwischen rund 8 und 9. Ein Tausch wird bei den meisten Solarflüssigkeiten spätestens unter dem Hersteller-Grenzwert (häufig 7,5) nötig, weil das zunehmend saure Gemisch Kupfer und Lot im Solarkreis schädigt. Mit einem handelsüblichen Streifen Lackmuspapier oder Indikator-Streifen ist der Test in unter einer Minute zu erledigen (Refraktometer misst Frostschutz, nicht pH).
Trifft auch nur einer dieser Hinweise zu, sollte die Solarflüssigkeit möglichst rasch gewechselt werden.
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Solarflüssigkeit selbst wechseln – die vier Phasen
Kompakter Ablauf für geübte Selbermacher. Pro Phase die wichtigsten Sicherheits- und Werkzeug-Hinweise; früh am Morgen starten, wenn die Anlage noch kühl ist.
Alte Flüssigkeit ablassen und sammeln
Auslassventil an der tiefsten Stelle öffnen. Solarflüssigkeit in Kanister auffangen – nie ins normale Abwasser, sondern als Schadstoff über kommunale Sammelstelle oder Fachbetrieb entsorgen. Sicherheitsdatenblatt des Produkts beachten.
Anlage reinigen mit Spezial-Reiniger
Bei zersetztem Solarfluid sind Ablagerungen im System wahrscheinlich. Reinigungsmittel (Fachhandel) mit Solar-Spülgerät zirkulieren lassen – Dauer nach Datenblatt des Reinigers, oft 20 bis 30 Minuten. Spülende über klares Spülwasser bzw. neutralen pH überprüfen.
Mit klarem Wasser nachspülen
Hauswasser über Befüllanschluss durchspülen, Spülwasser am Rücklauf in Auffangbehälter/Kanister sammeln und gemäß Sicherheitsdatenblatt entsorgen – nicht pauschal über Badewanne oder Kanalisation. Mindestens 5 bis 10 Minuten, bis das Wasser klar ist und keine Reiniger-Reste übrig sind.
Neue Solarflüssigkeit unter Druck einfüllen
Vollentsalztes Wasser + Konzentrat nach Hersteller-Mischtabelle ODER Fertiggemisch. Befüllung mit Spülpumpe unter Druck (Wert nach Hersteller-Vorgabe und Anlagenhöhe; oft im Bereich um 2,5 bar), bis die Flüssigkeit nicht mehr schäumt und keine Luftbläschen mehr im Schauglas sichtbar sind. Anlagendruck auf den im Abnahmeprotokoll dokumentierten Sollwert einstellen.
Solarflüssigkeit selbst austauschen – so geht’s
Das Nachfüllen kleiner Mengen Solarflüssigkeit ist für erfahrene Heimwerker grundsätzlich machbar. Der komplette Austausch (Spülung, neue Wärmeträgerflüssigkeit, Entlüftung, Sollwert-Einstellung) ist dagegen eine Fachbetriebs-Arbeit – Dacharbeit, Hersteller-Mischtabelle, Druckabhängigkeit der Befüllung und Entsorgung als Schadstoff machen das DIY anspruchsvoll. Wer dennoch selbst Hand anlegt, sollte die folgenden Hinweise sorgfältig durchgehen. Beim Produkt haben Sie die Wahl zwischen:
- fertig gemischten Lösungen,
- Konzentraten zum Selbermischen.
Bei den Fertigmischungen können sich die Betreiber sicher sein, dass sie alle Qualitätskriterien erfüllen. Die Konzentrate müssen anhand der Mischtabelle des jeweiligen Herstellers in der richtigen Menge und mit Blick auf den richtigen Frostschutz mit Wasser vermischt werden.
Der Austausch der Solarflüssigkeit erfolgt in vier Schritten:
- alte Solarflüssigkeit ablassen
- Anlage reinigen
- Anlage spülen
- neue Solarflüssigkeit einfüllen.
Wichtig ist, die Solaranlage früh am Morgen zu befüllen, wenn sie noch erkaltet und keiner starken Sonnenstrahlung ausgesetzt ist. Und so wechseln Sie die Solarflüssigkeit sachgerecht aus:

- Öffnen Sie das Auslassventil, das sich an der tiefsten Stelle des solarthermischen Systems befindet, um die verbrauchte Solarflüssigkeit abzulassen. Die alte Solarflüssigkeit ist auch bei der niedrigen Wassergefährdungsklasse (häufig WGK 1, schwach wassergefährdend) kein normales Abwasser – im Solarkreis lagern sich Schwermetall-Spuren (Kupfer, Lot) an. Sammeln Sie die Flüssigkeit in Kanistern und entsorgen Sie sie bei einer kommunalen Schadstoff-Annahmestelle oder über einen autorisierten Entsorgungsfachbetrieb. Nicht über Kanalisation, Hausmüll oder Altölbehälter entsorgen – auch nicht bei WGK 1. Verbindliche Hinweise zur richtigen Entsorgung stehen im Sicherheitsdatenblatt (SDB) des verwendeten Produkts.
- Hat sich das Frostschutzmittel in der alten Solarflüssigkeit bereits zersetzt, können Ablagerungen in der Anlage entstanden sein. Um diese zu entfernen, empfiehlt sich eine Reinigung mit einem geeigneten, im Fachhandel erhältlichen Reinigungsmittel. Dort können Sie auch das für den Vorgang nötige Spülgerät („Solarreinigungsgerät“) ausleihen. Die Dauer dieser Spülung hängt von Produkt und Verschmutzungsgrad ab – das Datenblatt des Reinigungsmittels ist verbindlich; typische Richtwerte liegen bei 20 bis 30 Minuten.
- Nach der Reinigung muss der Betreiber die Anlage mit Leitungswasser nachspülen, damit keine Reste des Reinigungsmittels in den Rohren verbleiben. Dafür wird ein Schlauch vom Hauswasseranschluss mit dem Befüllanschluss der Anlage verbunden und das Spülwasser am Rücklaufanschluss in einen Auffangbehälter abgeleitet (Kanister, Reinigerwanne). Entsorgung gemäß Sicherheitsdatenblatt des Reinigungsmittels und örtlichen Vorschriften. Dann für mindestens 5 bis 10 Minuten „Wasser marsch!“. Der Spülprozess ist abgeschlossen, wenn jede Spur des Reinigers beseitigt und das Spülwasser klar ist.
- Vor dem Befüllen muss das Wasser aus der Anlage komplett abgeflossen sein. Dann kann das Einfüllen der neuen Solarflüssigkeit Fachbetriebe nutzen dafür ein spezielles Einfüllgerät, Laien-Solarteure können eine Einfüllpumpe, die mit einer Bohrmaschine betrieben wird, nutzen. Wichtig ist, dass die Füllung mit ausreichendem Druck erfolgt, damit Luft aus den Rohren gedrängt wird, und dass in der Flüssigkeit keine Luft enthalten ist. Der konkrete Fülldruck hängt von Anlagenhöhe, MAG-Vordruck und Herstellervorgabe ab; Werte um 2,5 bar sind verbreitet, aber nicht pauschal richtig. Dazu muss die neue Solarflüssigkeit eine Weile in der Anlage zirkulieren. Erst wenn sie nicht mehr schäumt und keine Luftbläschen mehr sichtbar sind, schließen Sie zuerst das Auslass- und dann das Einlassventil. Den Anlagendruck stellen Sie auf den im Abnahmeprotokoll dokumentierten Sollwert ein – nicht auf eine pauschale Zahl.

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