Home » Einspeisevergütung vor dem Aus: Solar-Nachfrage zieht an

Einspeisevergütung vor dem Aus: Solar-Nachfrage zieht an

Der Photovoltaik-Zubau in Deutschland hat im Juli den bislang höchsten Monatswert des Jahres erreicht. In den bis 13. August registrierten Daten entfielen 57 Prozent der Leistung auf große Freiflächenanlagen. Unabhängig davon meldet der Bundesverband Solarwirtschaft für kleine Gebäudeanlagen wieder Zuwächse gegenüber dem Vorjahr. Zwei Befunde, die zusammen ein Erholungssignal ergeben – aber weder eine dauerhafte Wende noch deren Ursachen belegen. Als Auslöser nennt der Verband Vorzieheffekte vor dem geplanten Systemwechsel bei der Einspeisevergütung für Neuanlagen und Energiepreissorgen. Was die Zahlen hergeben, was nicht, und was Kaufinteressierte daraus ableiten können.

Haus mit Solaranlage © diyanadimitrova, stock-adobe.com
Haus mit Solaranlage © diyanadimitrova, stock-adobe.com

Juli 2026: der bislang stärkste Monat des Jahres

Nach der aktuellen Auswertung des Marktstammdatenregisters durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) wurden im Juli Solaranlagen mit rund 1.849 MW in Betrieb genommen – etwa 15 Prozent mehr als im Juli 2025 (1.606 MW). Die Zahl ist eine Schätzung: Betreiber müssen neue Anlagen innerhalb eines Monats im Register eintragen, deshalb rechnet die BNetzA erwartete Nachmeldungen bereits ein. Nach Abzug stillgelegter Anlagen bleibt ein geschätzter Nettozubau von rund 1.828 MW – rund elf Prozent über den etwa 1.650 MW pro Monat, die die BNetzA als nötiges Tempo für das 215-GW-Ziel 2030 ausweist. Ob der Markt dieses Tempo hält, zeigt ein einzelner Monat nicht.

+15 %Leistung der Inbetriebnahmen (brutto) Juli 2026 gegenüber Juli 2025 – BNetzA-Schätzung; geschätzte Stückzahl: −8,5 %
39.212bis 13. August registrierte neue Gebäudeanlagen im Juli – alle Größenklassen
51 %der bis 13. August registrierten Anlagen mit Inbetriebnahme Januar bis Juli sind Balkonkraftwerke – mit 3,7 % der Leistung

Ein Blick auf die Stückzahlen relativiert das Bild: Einschließlich der geschätzten Nachmeldungen kommt der Juli auf rund 91.400 neue Anlagen, im Juli 2025 waren es knapp 100.000. Mehr Leistung aus weniger Anlagen heißt: Die neuen Anlagen waren im Schnitt größer. Von den bis zum 13. August registrierten 1.608 MW entfielen 918 MW – 57 Prozent – auf 246 Freiflächen-Einheiten.

Für Hausbesitzer ist deshalb die Zahl der neuen Gebäudeanlagen aussagekräftiger als die Gesamtleistung. Zur Einordnung: Die BNetzA zählt darunter alle Solaranlagen auf, an oder in Gebäuden – vom Einfamilienhaus bis zur Lagerhalle; Balkonkraftwerke und Freiflächen sind nicht enthalten. Seit dem Februar-Tief von 22.396 Anlagen hat sich die Monatsreihe deutlich erholt; Juni und Juli liegen mit gut 39.000 auf einem Plateau.

Neue Solaranlagen auf Gebäuden 2026 – Anzahl je Monat, alle Größenklassen
0 20.000 40.000 30.292 22.396 34.347 35.544 35.209 39.329 39.212* Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul
Neu registrierte Einheiten der Registerkategorie „Gebäudesolaranlage“ (auf, an oder in Gebäuden, unabhängig von Betreiber und Nutzung, alle Größenklassen) nach Inbetriebnahmemonat; ohne Balkonkraftwerke, Freiflächen- und sonstige Anlagen. Datenstand 13. August 2026. *Juli nicht hochgerechnet – Nachmeldungen folgen. Quelle: Bundesnetzagentur, Marktstammdatenregister.

Kleine Dachanlagen: vom Minus ins Plus

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) wertet das Register zusätzlich nach Größenklassen aus. Als „Heimsegment“ fasst er Gebäudeanlagen unter 30 kWp zusammen – eine Näherung für den Eigenheimmarkt, die private und gewerbliche Betreiber nicht trennscharf unterscheidet. Für dieses Segment meldet der Verband – laut Nachrichtenagentur dts – einen Wechsel von Minus zu Plus im Vorjahresvergleich:

Zubau im Heimsegment gegenüber dem Vorjahreszeitraum
1. Quartal 2026Gebäudeanlagen unter 30 kWp, 0,85 GWp
−21 %
2. Quartal 2026Heimsegment laut Verband
+10 %
Juli 2026Heimsegment laut Verband
+21 %
Veränderung gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum. Q1: veröffentlichte BSW-Auswertung (Pressemitteilung vom 2. Mai 2026); Q2 und Juli: Verbandsangaben laut dts-Agenturmeldung vom 11. September 2026 – Datenstand und Methodik dieser Werte hat der Verband nicht veröffentlicht. Datenbasis: Marktstammdatenregister.

Über die ersten sieben Monate liegt das Heimsegment mit 2,72 GWp laut Verband (ebenfalls via dts) noch knapp unter dem Vorjahreswert von 2,79 GWp. Das schwache erste Quartal war Ende Juli also noch nicht aufgeholt; die jüngeren Verbandsangaben deuten im Vorjahresvergleich auf eine Erholung hin – ob daraus ein dauerhafter Trend wird, ist offen.

Welche Treiber der Verband nennt

Der BSW-Solar nennt zwei Auslöser, beide haben mit Verunsicherung zu tun. Das Register kennt allerdings kein Bestelldatum – zwischen Auftrag und Inbetriebnahme kann viel Zeit liegen, die Ursachen des Juli-Zubaus lassen sich aus den Daten deshalb nicht ablesen:

  • Der geplante Systemwechsel ab 2027: Nach dem Regierungsentwurf zum EEG 2027 soll die feste Einspeisevergütung für Anlagen entfallen, die ab 2027 in Betrieb gehen. Neuanlagen unter 50 kW – ausgenommen kleine Steckersolargeräte – sollen 2027 stattdessen eine befristete Übergangszahlung wählen können: 5,2 ct/kWh bei Inbetriebnahme bis Ende Juli 2027; für später in Betrieb genommene Anlagen sinkt dieser Startwert halbjährlich um ein Prozent. Gezahlt wird für maximal 36 Monate. Wer anschließend weiter Einspeiseerlöse will, müsste in die Direktvermarktung; unter 100 kW bliebe auch die unentgeltliche Abgabe an den Netzbetreiber. Bleibt es dabei, muss eine Anlage vor dem 1. Januar 2027 in Betrieb gehen, um unter das bisherige System zu fallen – der klassische Vorzieheffekt.
  • Die Energiepreis-Sorge: Nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar stieg der Verivox-Neukundenpreis für Strom – günstigster Tarif je Postleitzahl für 4.000 kWh, zwölf Monate Preisgarantie, inklusive Boni – binnen drei Wochen von rund 25,5 auf 28 ct/kWh; am 11. September lag er wieder bei rund 25 ct/kWh. Laut BDEW-Strompreisanalyse vom August war der Großhandelsanstieg in den Neutarifen für Haushalte bislang kaum angekommen. Verband und Anbieter nennen Preisängste und den Wunsch nach Unabhängigkeit als Motive – ob aktuelle Preise oder Erwartungen den Ausschlag geben, messen diese Daten nicht.
  • Signale einzelner Anbieter: E.ON meldete Mitte März etwa doppelt so viele PV-Anfragen wie in den Vormonaten, Enpal für März ein gegenüber dem Vorjahr um rund 30 Prozent höheres Auftragsvolumen (rund 130 Millionen Euro), 1Komma5° eine Verdopplung der Nachfrage nach Solaranlagen mit Speicher gegenüber Februar. Drei selbst gemeldete Kennzahlen mit unterschiedlicher Basis – Stimmungsindikatoren, keine Marktstatistik.

Bis zu 30 % sparen

Preise vergleichen: Solaranlage günstig kaufen

  • Bundesweit
  • Unverbindlich
  • Qualifizierte Anbieter
  • Top Preise

Kein Boom, sondern eine Erholung auf niedrigem Niveau

Wer die Zahlen einordnet, sollte den Ausgangspunkt kennen. 2023 gingen laut BNetzA rund 817.000 Gebäudesolaranlagen neu in Betrieb, 2025 waren es noch knapp 467.000 – ein Rückgang um 43 Prozent in zwei Jahren. Die Leistung sank nur um 23 Prozent, weil die durchschnittliche neue Gebäudeanlage von rund 13 auf 18 kWp gewachsen ist. Das Juli-Plus im Heimsegment ist damit eine Erholung von niedriger Basis – den mehrjährigen Rückgang des gesamten Gebäudesegments dreht ein einzelner Monat nicht um.

Leserumfrage 2026

Planen Sie für 2026 die Installation einer Solaranlage?

Eine Antwort auswählen – Ergebnis sofort sehen.

Entsprechend nüchtern klingen die Marktbeobachter. BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig erklärte im Juli mit Blick auf den gesamten Zubau des ersten Halbjahrs, das Plus sei „vor allem Sondereffekten zu verdanken“. Der Großhändler EWS wertet alle Anlagenklassen bis 750 kWp gemeinsam aus und sieht dort seit zwölf Monaten – mit Ausnahme des Februars – stabil rund 600 MWp pro Monat: Inbetriebnahmen, keine Anfragen. Einen Vorzieheffekt zeigen diese Zahlen bislang nicht; EWS erwartet ihn aber für die kommenden Monate.

Woran es hakt, hat die KfW im Energiewendebarometer 2026 (August) bei Haushalten abgefragt, die sich eine Dachanlage grundsätzlich vorstellen können, aber noch keine haben:

Was Haushalte bislang vom Kauf abhält
Kann es mir nicht leisten
33 %
Investition lohnt sich nicht
32 %
Baulicher Aufwand
24 %
Bürokratischer Aufwand
21 %
Anteil der Haushalte, die den Grund nennen; Basis: Haushalte, die sich eine Anlage vorstellen können, aber noch keine haben; Mehrfachnennungen möglich. Lieferschwierigkeiten und fehlende Handwerker: jeweils unter 10 Prozent. Befragung von 4.381 Haushalten, 10. Dezember 2025 bis 1. April 2026. Quelle: KfW Research, KfW-Energiewendebarometer 2026, Grafik 4.6.

Finanzielle Gründe wurden also weit häufiger genannt als Lieferzeiten oder fehlende Handwerker. Ob die Installationsbetriebe bei einer Jahresendrallye an ihre Grenzen kommen, beantwortet die Umfrage allerdings nicht.

Was das für Kaufinteressierte heißt

Die entscheidende Frage ist nicht, ob die Nachfrage boomt, sondern ob Kapazitäten, Preise und Fristen mitspielen. Vier Punkte, die sich belegen lassen – samt ihrer Grenzen:

  • Lieferzeiten beobachten: Der Großhändler EWS sieht bereits längere Lieferzeiten bei leistungsstarken Speichern und steuerbaren Wallboxen und erwartet eine Jahresendrallye, die bestehende Engpässe verschärfen könnte. Das ist ein Signal aus dem Großhandel, kein Nachweis flächendeckender Engpässe.
  • Kapazitätsrisiko beim Hochlauf: In der Frühjahrsumfrage des Elektrohandwerks (ZVEH) sank der Anteil der befragten Betriebe, die im jeweiligen Jahr Photovoltaik installierten, von 57 Prozent (2024) auf 52 Prozent (2025). Der Verband warnt, dass bei einem neuen Hochlauf Kompetenz und Personal fehlen könnten. Über freie Termine im Herbst 2026 sagt die Umfrage nichts.
  • Größe drückt den Preis pro kWp: Die Verbraucherzentrale hat 71 reale Angebote aus der Energieberatung in NRW (Januar 2025 bis August 2026) ausgewertet: im Schnitt rund 2.090 €/kWp bei 4 bis 6 kWp, rund 1.410 €/kWp bei 9 bis 10 kWp, etwa 1.010 €/kWp ab 16 kWp – ohne Speicher, Notstrom und individuelle Zusatzarbeiten wie eine Erneuerung der Hauselektrik; Speicher – aus einer eigenen Stichprobe von 70 Angeboten – zwischen rund 510 und 360 €/kWh je nach Größe. Als Maßstab für aktuelle Preise sind die Werte laut Verbraucherzentrale ausdrücklich nicht gedacht, sondern als Beleg für den Größeneffekt.
  • Geplante Übergangsregel für 2026er-Anlagen: Nach geltendem Recht erhalten Dachanlagen bis 10 kW mit Teileinspeisung bei Inbetriebnahme vom 1. August 2026 bis 31. Januar 2027 7,70 ct/kWh – für 20 Jahre plus Inbetriebnahmejahr, bei Inbetriebnahme 2026 also bis Ende 2046. Für Neuanlagen ab dem 1. Januar 2027 würde der Entwurf diesen Zeitraum abschneiden; für Anlagen mit Inbetriebnahme davor soll nach § 100 grundsätzlich das bisherige EEG weitergelten. Solange das Verfahren läuft, können sich Stichtag und Übergangsregeln noch ändern.
Was bedeutet das für Sie?

Von der Angebotsphase bis zur EEG-rechtlichen Inbetriebnahme kann viel Zeit vergehen – je nach Projektumfang, Elektroarbeiten, Komponenten und Auslastung. Als Inbetriebnahme gilt nach § 3 Nr. 30 EEG, dass die Anlage fest an dem für den dauerhaften Betrieb vorgesehenen Ort und dauerhaft mit dem Zubehör für die Wechselstromerzeugung installiert ist und erstmals ausschließlich mit Solarenergie in Betrieb gesetzt wird; Netzanschluss und erste Einspeisung sind dafür nicht erforderlich. Wer nach dem Entwurf noch unter das bisherige Vergütungssystem fallen will, sollte früh mehrere vollständige Angebote vergleichen, den Zeitplan vertraglich festhalten und den Gesetzgebungsstand vor der Beauftragung prüfen. Vertiefung: Terminversprechen von Fachbetrieben, Fristen-Countdown zur Inbetriebnahme und PV-Anlage 2026 kaufen oder warten?

Noch 2026 in Betrieb gehen? Vergleichen Sie kostenlos und unverbindlich bis zu fünf Angebote von Solar-Fachbetrieben aus Ihrer Region – und fragen Sie den realistischen Inbetriebnahmetermin gleich mit ab.
Angebote vergleichen

Stand: 11. September 2026. Die BNetzA-Gesamtwerte für Juli (1.849 MW, rund 91.400 Anlagen) enthalten eine Schätzung für Nachmeldungen; Segment- und Diagrammwerte zeigen den registrierten Stand vom 13. August 2026. Die Heimsegment-Angaben stammen aus einer BSW-Auswertung (Q1) und aus Verbandsangaben gegenüber dts (Q2, Juli). Aussagen zum EEG 2027 beziehen sich auf den noch nicht beschlossenen Regierungsentwurf (BT-Drs. 21/7867); förderrelevante Regeln stehen unter EU-Genehmigungsvorbehalt. Eine Auswertung für August lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Solaranlage auf Hausdach © electriceye, stock.adobe.com
Photovoltaik Preisentwicklung

Seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sind die Preise für Solarmodule ganz erheblich gesunken. Sogar in den letzten zehn Jahren ist… weiterlesen

Bis zu 30 % sparen

Angebote für Solaranlagen von regionalen Anbietern

  • Unverbindlich
  • Qualifizierte Anbieter
  • Kostenlos