Definition und Berechnung der Gestehungskosten für PV-Strom
In der Welt der erneuerbaren Energien spielen die Stromgestehungskosten eine zentrale Rolle. Sie bieten einen Einblick in die wirtschaftliche Effizienz und die Wettbewerbsfähigkeit von Photovoltaik-Anlagen im Vergleich zu konventionellen Energiequellen. Aber was genau bedeuten Stromgestehungskosten und wie werden sie berechnet?

Was sind Stromgestehungskosten?
Stromgestehungskosten sind die Gesamtkosten pro erzeugter Kilowattstunde (kWh) Strom über die gesamte Lebensdauer einer stromerzeugenden Anlage. Sie umfassen die Investitions-, Betriebs- und Wartungskosten sowie die geschätzten Erträge über einen bestimmten Zeitraum. Damit können die Kosten der Stromerzeugung aus verschiedenen Energiequellen direkt verglichen und die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage eingeschätzt werden.
Bewertung der Experten von HTW und Fraunhofer ISE
Auch führende Institutionen in der Forschung zu erneuerbaren Energien widmen sich diesem Thema. Langfristig sind die Stromgestehungskosten von PV-Anlagen erheblich gesunken; aktuelle Studien (u. a. HTW Berlin und Fraunhofer ISE) zeigen für Dachanlagen aber große Bandbreiten je nach Standort, Anlagengröße und Gebäudesituation, was sie zu einer kosteneffizienten Alternative zu konventionellen Kraftwerken macht. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) betont die Bedeutung kontinuierlicher Innovation und Skaleneffekte, die die Kosten weiter senken können, insbesondere durch technologische Fortschritte und optimierte Betriebsführung.

Die folgende Übersicht fasst die Spannen aus der ISE-Studie für zwei für Eigenheimbesitzer besonders relevante PV-Anlagentypen zusammen:
Stromgestehungskosten 2024 nach Anlagentyp
Komponenten für die Berechnung der Stromgestehungskosten
Für eine PV-Anlage setzen sich die Kosten wie folgt zusammen:
- Investitionskosten: Kosten für Solarmodule, Wechselrichter, Montage, Netzanschluss und weitere Installationskosten.
- Betriebs- und Wartungskosten: Laufende Ausgaben für Reinigung, Wartung, Versicherung und mögliche Reparaturen.
- Finanzierungskosten: vor allem Zinsen bzw. Kapitalkosten — die Tilgung selbst ist keine zusätzliche Kostenposition, wenn der Kaufpreis bereits als Investitionskosten in die Rechnung eingeflossen ist; relevant, falls die Anlage über Kredite finanziert wurde.
- Stromertrag: Die über die gesamte Lebensdauer (z. B. 25 Jahre) erzeugte Strommenge, die von Standort, Sonneneinstrahlung und Modulwirkungsgrad abhängt.
Berechnung der Stromgestehungskosten
Die Stromgestehungskosten (SGK) werden in Euro pro kWh (€/kWh) angegeben und nach folgender Formel berechnet:
SGK = (Investitionskosten + Betriebskosten + Finanzierungskosten) / Gesamtstromerzeugung über die Lebensdauer
Ein Beispiel: Angenommen, eine PV-Anlage kostet 10.000 €, erzeugt 5.000 kWh pro Jahr und hat eine Lebensdauer von 25 Jahren. Die Betriebskosten betragen 1% der Investitionskosten pro Jahr (also 100 €/Jahr).
Beispielrechnung im Überblick
5-kWp-Anlage, 5.000 kWh/Jahr, 25 Jahre Lebensdauer
100 € × 25 = 2.500 €
10.000 € + 2.500 € = 12.500 €
5.000 kWh × 25 = 125.000 kWh
12.500 € ÷ 125.000 kWh
In diesem Fall kostet jede produzierte kWh Strom aus der PV-Anlage 10 Cent. Diese Kosten können durch Förderungen, Eigenverbrauch oder sinkende Anschaffungskosten weiter reduziert werden — wobei der Eigenverbrauch streng genommen nicht die Gestehungskosten senkt, sondern die Wirtschaftlichkeit der Anlage verbessert (weil weniger teurer Netzstrom bezogen werden muss).
Was bedeuten Stromgestehungskosten für die eigene Anlage?
Die Stromgestehungskosten geben an, was die Erzeugung jeder Kilowattstunde im Schnitt über die gesamte Lebensdauer der Anlage kostet. Sie sagen aber nichts darüber aus, wie groß der wirtschaftliche Nutzen für den einzelnen Haushalt ausfällt. Dieser hängt vor allem davon ab, wie viel des erzeugten Stroms direkt im Haus verbraucht wird und wie viel ins Netz eingespeist wird.
Liegen die Stromgestehungskosten beispielsweise bei rund 10 Cent pro Kilowattstunde, ist jede selbst genutzte Kilowattstunde in der Bilanz so viel wert wie der Bezug aus dem Netz kosten würde. Da Haushaltsstrom in den vergangenen Jahren konstant deutlich teurer war, lohnt sich vor allem ein hoher Eigenverbrauchsanteil. Strom, der nicht selbst genutzt werden kann, wird zur jeweils gültigen Einspeisevergütung ins Netz abgegeben – also zu einem Wert, der in der Regel unterhalb des Strombezugspreises liegt.
Die Stromgestehungskosten sind damit kein Endpreis, sondern eine Vergleichsgröße: Sie zeigen, ob sich Photovoltaik gegenüber dem Strombezug aus dem Netz rechnet – und sie machen Anlagen unterschiedlicher Größe und Bauart untereinander vergleichbar. Für die individuelle Wirtschaftlichkeit kommen anschließend Eigenverbrauchsquote, Einspeisevergütung und steuerliche Rahmenbedingungen hinzu.
Noch bequemer mit dem Solaranlage-Ratgeber-Rechner
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Fazit
Stromgestehungskosten sind ein wichtiges Instrument zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen. Sie reflektieren nicht nur die direkten Kosten der Stromerzeugung, sondern auch die langfristigen Auswirkungen von Technologieentwicklung und Skaleneffekten. Dank Forschungseinrichtungen wie der HTW Berlin und dem Fraunhofer ISE bleiben diese Kosten transparent und ermöglichen fundierte Entscheidungen für eine nachhaltige Energiezukunft.

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