Photovoltaik im Mehrfamilienhaus

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Photovoltaik im Mehrfamilienhaus

Bei der Anschaffung einer Photovoltaik-Anlage denken viele zunächst an Einfamilienhäuser, die möglichst auf dem freien Land stehen und ungestört von der Sonne beschienen werden. Die Realität sieht aber oftmals anders aus: Rund die Hälfte der mehr als 40 Millionen Wohneinheiten in Deutschland befinden sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Gebäuden mit drei und mehr Wohnungen. „Die Mehrheit wohnt demzufolge in Geschosswohnungen“, berichtet die Bausparkasse LBS. Das spricht nicht gegen die Photovoltaik, im Gegenteil: Es gibt mehrere interessante Modelle, wie solche Vorhaben realisiert werden können. Grundsätzlich haben sie den Vorteil, dass die Kosten für eine solche Anlage auf mehrere Schultern verteilt werden, während der Nutzen allen im Hause zugutekommt. Bei der Photovoltaik in Mehrfamilienhäusern sind allerdings auch einige Besonderheiten zu beachten.

Solaranlage auf einem Mehrfamilienhaus © Kara, stock.adobe.com
Solaranlage auf einem Mehrfamilienhaus © Kara, stock.adobe.com

Bevor man sich Gedanken um die Realisierung macht, ist zu prüfen, um welchen Typ Mehrfamilienhaus es sich handelt. Ist das Haus Gemeinschaftseigentum mehrerer Parteien, können diese einen entsprechenden Beschluss in der Eigentümerversammlung schließen. Dort können auch die Modalitäten bezüglich der Angebotseinholung und der Anforderungen geklärt werden. Positiv ist, dass es sich in der Regel um geübte Abläufe handelt: Die Versammlung tritt ohnehin mindestens jährlich zusammen, die Beratungen über Investitionen sind beispielsweise auch bei Instandhaltungen gang und gäbe. Etwas komplizierter, aber keinesfalls unmöglich können die Besprechungen und Entscheidungen werden, wenn dazu einzelne Eigentümer einer gemeinsamen Immobilie zusammenfinden müssen.

Photovoltaikanlage auf Mehrfamilienhäuser
Photovoltaikanlage auf Mehrfamilienhäuser

Stimmen die Rahmenbedingungen, kann die gemeinschaftliche Anlage eine gute sein: Die Kosten bleiben für die einzelnen Parteien überschaubar, und auch die Verantwortung wird geteilt. Niemand muss fürchten, bei einem Misslingen von finanziellen Anforderungen überrollt zu werden: Das Risiko wird minimiert. Hinzu kommt der Skalierungseffekt: Die Komponenten einer Photovoltaik-Anlage werden ohnehin benötigt, ob sie nun auf einem kleinen Einfamilien- oder einem großen Mehrfamilienhaus installiert wird. Natürlich fällt die Dimensionierung bei letzteren größer aus, aber an den Komponenten und der zugrundeliegenden Technik ändert sich nichts. Insofern ist die Anlage aufgrund ihrer Größe natürlich teurer als eine kleine, aber auf die Gesamtfläche gesehen normalerweise günstiger.

Hinzu kommt, dass der preiswerte Solarstrom durch mehrere Parteien sehr viel besser ausgenutzt werden kann, als wenn lediglich drei oder vier Personen von ihm profitieren. Im Durchschnitt werden bei Ein-Parteien-Anlagen nur 20 bis 30 Prozent des erzeugten Stroms selbst genutzt. Liegt kein Speicher vor, wird der Rest notgedrungen zu meist wenig günstigen Konditionen ins Netz eingespeist. Bei mehreren Abnehmern verteilt sich die Stromnutzung besser über den Lauf des Tages, und die Energie kann verstärkt dort genutzt werden, wo sie günstig und umweltfreundlich erzeugt wird.

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Mieterstrom kommt bisher kaum voran

In einem Mietshaus ist der Eigentümer allein für die Entwicklung der Immobilie verantwortlich. Er muss unter anderem kalkulieren, ob sich die Installation einer Photovoltaik-Anlage für ihn (und auch seine Mieter) lohnt. Die Investition kann sich beispielsweise unter anderem durch einen Wertzuwachs aufgrund der Anlage teilweise amortisieren. Trotzdem hat sich dieses Modell noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Schade eigentlich – dachte auch die Bundesregierung, und beschloss 2017 das Mieterstromgesetz.

Mieterstrom: Win-Win-Situation für Mieter, Eigentümer und Umwelt
Mieterstrom: Win-Win-Situation für Mieter, Eigentümer und Umwelt
Gut zu wissen: Mieterstrom heißt, dass der Strom mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach erzeugt und an die Verbraucher, also die Mieter, geliefert wird. Nicht verbrauchter Strom kann ins Netz der allgemeinen Versorgung eingespeist oder zwischengespeichert werden. Reicht der Strom nicht aus, werden die Lücken mit am Markt eingekauftem Strom geschlossen.

„Mieterstrommodelle sind für die an ihnen beteiligten Akteure wirtschaftlich interessant, weil bei Mieterstrom einige Kostenbestandteile im Vergleich zum Strombezug aus dem Netz nicht anfallen (Netzentgelte, netzseitige Umlagen, Stromsteuer und Konzessionsabgabe)“, heißt es in einem Eckpunktepapier des Bundeswirtschaftsministeriums. Mit dem Gesetz von 2017 wurde insbesondere ein Mieterstromzuschlag als direkte Förderung eingeführt. Antworten auf die wichtigsten Fragen dazu beantwortet das Ministerium hier. Im Mieterstrombericht 2019 zog man allerdings eine ernüchternde Zwischenbilanz: „Das Modell bleibt weit hinter den Erwartungen zurück.“ Zügig sollen daher Anpassungen der Rahmenbedingungen vorgeschlagen werden.

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Vermieter kann verschiedene Rollen einnehmen

Für Eigentümer besteht die Möglichkeit, gegenüber den Mietern als alleiniger Stromlieferant aufzutreten. Für zusätzlich benötigten Strom neben dem aus der PV-Anlage fungiert er als Zwischenlieferant, also als Mittler zwischen Stromanbietern und seinen Mietern. Das hat unter anderem den Vorteil für die Mieter, dass sie nur einen Vertrag schließen müssen und nur eine Rechnung erhalten. Wer sich als Eigentümer nicht in alle Details der Planung einlesen und die Verantwortung allein tragen will, kann aber auch komplett auf Dienstleistungen Dritter zurückgreifen. Wie so ein Modell aussehen kann, zeigen beispielsweise die österreichischen Nachbarn: Wien Energie, ein Teil der örtlichen Stadtwerke, übernimmt als Komplettanbieter die Planung, Errichtung und den Betrieb einer Photovoltaik-Anlage auf der gepachteten Dachfläche und verkauft den gewonnenen Strom an die Bewohner. Der Strom wird für diese günstiger, während der Eigentümer von einem jährlichen Pachtbetrag für die Dachfläche profitiert.

Darüber hinaus sind auch Mischformen zwischen einem Alleinanbieter-Modell und einer kompletten Auslagerung an einen Dienstleister denkbar. Der Eigentümer kann den Mietern „seinen“ Solarstrom anbieten, während sie den Rest direkt von einem anderen Stromlieferanten beziehen. Dazu benötigen sie allerdings jeweils einen Vertrag mit beiden Lieferanten.

Bei allen Modellen müssen zudem steuerliche Aspekte berücksichtigt werden. So ist beispielsweise die EEG-Umlage von dem Betreiber zu bezahlen. Auch müssen gegebenenfalls zusätzliche Stromzähler für jede Wohneinheit installiert werden. Last but not least haben die Mieter immer die freie Wahl, von wem sie sich mit Strom beliefern lassen wollen: Sie müssen das Angebot des Vermieters nicht annehmen, was diesem die Kalkulation erschweren kann.

Es empfiehlt sich, bei entsprechenden Plänen vorher nachzufragen, wer potenziell mit an Bord wäre – wenngleich dies nicht in alle Zukunft so sein muss. Ziehen beispielsweise neue Mieter ein, haben sie womöglich andere Präferenzen als die bisherigen. Um die richtige Entscheidung treffen zu können, lohnt es, sich die verfügbaren Optionen von einem fachkundigen Berater durchrechnen zu lassen. Das gilt insbesondere auch für die wichtigste aller Fragen: Ob das Mehrfamilienhaus überhaupt baulich und von der Sonneneinstrahlung her für eine Photovoltaik-Anlage geeignet ist.

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