Photovoltaik im Einfamilien- oder Reihenhaus

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Photovoltaik im eigenen Haus: Anschaffungskosten vs. Eigenverbrauch

Eine Photovoltaikanlage wird installiert © Marina Lohrbach, stock.adobe.com
Eine Photovoltaikanlage wird auf einem Einfamilienhaus installiert © Marina Lohrbach, stock.adobe.com

Was 2012 noch das Hauptargument für eine Photovoltaikanlage im Einfamilienhaus war, ist längst passé: die überaus großzügige Förderpolitik durch stattliche Einspeisevergütungen. Seit diese stark gesunken sind, ist der Direktverbrauch der Hausbewohner ausschlaggebend bei der Entscheidung für oder gegen selbst erzeugten Solarstrom. Der zweite Faktor ist der Strompreis. Die derzeitige Situation: Die neue CO2-Abgabe belastet die Haushalte zusätzlich. Im Gegenzug soll nun langfristig der Strom begünstigt werden. Den Forderungen der Verbraucherschützer nach Preissenkungen kommen allerdings nur etwa zehn Prozent der Stromanbieter nach. Genauso viele haben bereits Preissteigerungen angekündigt. Es lohnt sich also, die eigenen Verbrauchsgewohnheiten zu ermitteln und das Vorhaben gut durchzurechnen.

Photovoltaikanlage: Schatten ist ein no go!
Photovoltaikanlage: Schatten ist ein no go!

Voraussetzungen für eine wirtschaftliche EFH-Photovoltaikanlage

Verreisen die Bewohner eines Einfamilienhauses in den großen Sommerurlaub, steht das Eigenheim mitunter wochenlang leer. Und gerade dann wäre die Sonneneinstrahlung und damit der Energiegewinn besonders hoch. Dies ist nur einer der entscheidenden Faktoren für oder gegen eine Photovoltaikanlage auf dem Einfamilienhaus. Ob und wann sich eine PV-Anlage für ein Einfamilienhaus lohnt, kommt auf die individuellen Gegebenheiten an.

Zunächst sollte erst einmal geprüft werden, ob das Dach und die Lage des Hauses geeignet sind, um die Anlage wirtschaftlich zu betreiben. Verschattungen etwa stellen sich häufig als Fehler bei der Planung heraus. Des Weiteren spielt der durchschnittliche Stromverbrauch eine Rolle. Im Mittel verbraucht eine vierköpfige Familie im Jahr etwa 3.500 bis 4.000 kWh. Ein kWp Leistung der Anlage erzeugt jährlich etwa 800 bis 1.000 kWh. Folglich wäre eine PV-Anlage von vier bis fünf kWp nötig. Für ein kWp sind etwa acht Quadratmeter Modulfläche nötig, was einer Gesamtmodulfläche von 32 bis 40 Quadratmetern entspricht.

Tipp: kWwas? Die Verwendung mancher Fachbegriffe ist nicht zu vermeiden, aber auch keine Raketentechnik. kWh bedeutet Kilowattstunde und beschreibt im Umfeld der Photovoltaik-Anlage, welche Energiemenge eine Anlage mit einer Leistung von einem Kilowatt in einer Stunde produzieren kann. Das ‚p‘ bei kWp steht hingegen für „peak“, also Spitze. Folglich beschreibt kWp die theoretische Spitzenleistung einer Anlage in Kilowatt unter idealen Bedingungen.
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Photovoltaik senkt die Stromkosten

Leider müssen wir in unseren Breitengraden mit einem Dilemma leben: Im Winter ist der Stromverbrauch in vielen Häusern höher als im Sommer, da sich die Menschen eher zurückziehen, länger elektrisches Licht nutzen, Fernsehen schauen, am Rechner sitzen und, und, und. Die Sonne scheint aber naturgemäß im Sommer viel häufiger (und auch dann nicht immer so, wie man es gerne hätte). Was das bedeutet, fasst die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz so zusammen: „Ein Einfamilienhaus mit einer installierten PV-Anlagenleistung von einem Kilowatt pro 1.000 Kilowattstunden Strombedarf kann sowohl einen Eigenverbrauchsanteil als auch einen Autarkiegrad von durchschnittlich etwa 30 Prozent erzielen.“

Ergebnis: Die PV-Anlage allein kann den gesamten Strombedarf der Bewohner nicht dauerhaft decken. Was sie aber kann, ist die Kosten senken und das gute Gefühl vermitteln, Energie aus umweltfreundlicher Quelle und selbst produziert zu haben.

Je mehr Solarstrom Sie verbrauchen desto höher
Je mehr Solarstrom Sie verbrauchen desto höher

In die Berechnung sollten folglich auch die Nutzung und der Ertrag einfließen. Vor einigen Jahren war das noch einfacher: Nicht selbst genutzter Strom wurde gegen eine erkleckliche Vergütung ins öffentliche Netz eingespeist. Nachdem diese Förderung in den letzten Jahren teils stark zurückgefahren wurde, entstand der Irrtum, PV-Anlagen lohnten sich für Privatnutzer nicht mehr. Das stimmt so nicht, wenn man seine Strategie ändert. Denn gleichzeitig sind die Strompreise immer weiter gestiegen – auf mittlerweile über 32 Cent pro kWh. Richtet man den Fokus also nun vor allem auf die Eigennutzung, können die Kosten signifikant gesenkt werden. Das Fachportal Finanztip beispielsweise nennt 10 bis 14 Cent pro kWh als derzeitige Kosten für eigenproduzierten Strom mit einer PV-Anlage. Das wächst sich schnell zu einer beträchtlichen Ersparnis aus.

Eine Solarbatterie hilft den erzeugten Strom selbst zu nutzen
Eine Solarbatterie hilft den erzeugten Strom selbst zu nutzen

Mit der Reduzierung der Einspeisevergütung ist großer Anreiz, eine PV-Anlage zu installieren, weggefallen. Daher sollte die Anschaffung eines Energiespeichers in Betracht gezogen werden. Solche Batterien speichern den aktuell nicht benötigten Strom und geben ihn ab, wenn die Sonne nicht scheint. Damit kann der Eigenverbrauchsanteil in vielen Fällen verdoppelt werden. Auch hier sollte allerdings mit spitzer Feder gerechnet werden: Die Speicher sind (noch) teuer. Zwar ist in den kommenden Jahren mit sinkenden Preisen zu rechnen. Ob der individuelle Nutzen aber bereits heute die Kosten übersteigt, muss im Einzelfall geprüft werden.

Die Preise für Solarstromspeicher sind deutlich gesunken
Die Preise für Solarstromspeicher sind deutlich gesunken
Tipp: Gerne erst einmal mit einer kleinen Batterie von vier oder fünf kWh anfangen. Die Batteriegröße kann dann später durch einfache elektrische Verknüpfung erweitert werden. Dazu muss der Fachmann lediglich die Ladeelektronik der Akkus, den Batteriewechselrichter, anpassen.

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Sonderfall Reihenhaus

Reihenhäuser, auch wenn sie der Gruppe der Einfamilienhäuser zugerechnet werden können, sind ein Sonderfall. Grundsätzlich gelten zwar viele der genannten Faktoren auch für sie. In manchen Punkten sind die Hausbesitzer jedoch zusätzlich eingeschränkt, was letztlich das Zünglein an der Waage bei der Entscheidung für oder gegen eine PV-Anlage bedeuten kann.

Reihenhäuser mit Photovoltaik © Daniel, stock.adobe.com
Reihenhäuser mit Photovoltaik © Daniel, stock.adobe.com

Jeder Eigentümer sollte seine Pläne unbedingt mit der örtlichen Baubehörde abstimmen. Die rechtlichen Vorgaben variieren von Bundesland zu Bundesland und von Kommune zu Kommune. In den Ämtern sitzen Experten, die tagtäglich mit ihrer Auslegung befasst sind. Einfach zu bauen in der Hoffnung, dass es niemand merkt, ist gerade in Reihenhaussiedlungen eine schlechte Idee. Bei freundlichen Nachbarn besteht indes die Möglichkeit, sie in das Projekt einzubinden – etwa, wenn sie ebenfalls eine PV-Anlage auf ihrem Dach installieren wollen. So können Rabatte ausgehandelt oder Erfahrungen ausgetauscht werden.

Ansonsten ist darauf zu achten, dass tatsächlich nur die Fläche des eigenen Hausdachs für die Anlage genutzt wird. Ein guter Tipp kommt zudem vom Deutschen Feuerwehrverband. Er weist darauf hin, dass Reihenhäuser in der Regel mit einer Brandschutzmauer vom Nachbargebäude getrennt sind: „Wer unbedingt jeden Zentimeter Dachfläche für die Stromerzeugung ausnutzen will und die Brandschutzwand mit Modulen überbaut, tut sich keinen Gefallen.“ Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) empfehle, einen Mindestabstand zwischen der Solaranlage und dem Nachbarhaus einzuhalten. Der Grund: Wenn doch einmal ein Ernstfall eintritt, drohen dem PV-Anlagenbetreiber im Zweifelsfall hohe Regressforderungen.

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