Photovoltaik im eigenen Haus: Anschaffungskosten vs. Eigenverbrauch

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Was 2012 noch das Hauptargument für eine Photovoltaikanlage im Einfamilienhaus war, ist längst passé: die überaus großzügige Förderpolitik durch stattliche Einspeisevergütungen. Seit diese stark gesunken sind, ist der Direktverbrauch der Hausbewohner ausschlaggebend bei der Entscheidung für oder gegen selbst erzeugten Solarstrom. Der zweite Faktor ist der Strompreis. Die derzeitige Situation: Die CO₂-Abgabe belastet Haushalte mit Öl- oder Gasheizung zusätzlich: Seit 2021 gibt es den nationalen CO₂-Preis; 2025 lag der Festpreis bei 55 Euro je Tonne CO₂, für 2026 gilt ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne CO₂. Im Gegenzug sollte langfristig der Strom begünstigt werden, eine geplante Stromsteuersenkung für Haushalte ließ sich bislang allerdings nicht umsetzen. Für 2026 wurden wegen gesunkener Netzentgelte vielerorts Preissenkungen angekündigt; ob und wie stark Haushalte profitieren, hängt jedoch vom Versorger und Tarif ab. Es lohnt sich also, die eigenen Verbrauchsgewohnheiten zu ermitteln und das Vorhaben gut durchzurechnen.

Voraussetzungen für eine wirtschaftliche EFH-Photovoltaikanlage
Verreisen die Bewohner eines Einfamilienhauses in den großen Sommerurlaub, steht das Eigenheim mitunter wochenlang leer. Und gerade dann wäre die Sonneneinstrahlung und damit der Energiegewinn besonders hoch. Dies ist nur einer der entscheidenden Faktoren für oder gegen eine Photovoltaikanlage auf dem Einfamilienhaus. Ob und wann sich eine PV-Anlage für ein Einfamilienhaus lohnt, kommt auf die individuellen Gegebenheiten an.
Zunächst sollte erst einmal geprüft werden, ob das Dach und die Lage des Hauses geeignet sind, um die Anlage wirtschaftlich zu betreiben. Verschattungen etwa stellen sich häufig als Fehler bei der Planung heraus. Des Weiteren spielt der durchschnittliche Stromverbrauch eine Rolle. Im Mittel verbraucht eine vierköpfige Familie im Jahr etwa 3.500 bis 4.000 kWh. Ein kWp Leistung der Anlage erzeugt jährlich etwa 800 bis 1.000 kWh. Folglich wäre eine PV-Anlage von vier bis fünf kWp nötig. Für 1 kWp Anlagenleistung werden je nach Modulwirkungsgrad etwa fünf bis sieben Quadratmeter Fläche benötigt; für 4 bis 5 kWp entspricht das grob 20 bis 35 Quadratmetern.
Photovoltaik senkt die Stromkosten
Leider müssen wir in unseren Breitengraden mit einem Dilemma leben: Im Winter ist der Stromverbrauch in vielen Häusern höher als im Sommer, da sich die Menschen eher zurückziehen, länger elektrisches Licht nutzen, Fernsehen schauen, am Rechner sitzen und, und, und. Die Sonne scheint aber naturgemäß im Sommer viel häufiger (und auch dann nicht immer so, wie man es gerne hätte). Was das bedeutet, fasst die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz mit einer Faustregel zusammen: Ein Einfamilienhaus mit rund einem Kilowatt installierter PV-Leistung je 1.000 Kilowattstunden Jahresstrombedarf erreicht ohne Speicher häufig einen Eigenverbrauchsanteil und einen Autarkiegrad in der Größenordnung von jeweils etwa 30 Prozent. Die tatsächlichen Werte hängen stark vom individuellen Verbrauchsprofil und der Anlagenauslegung ab.
Ergebnis: Die PV-Anlage allein kann den gesamten Strombedarf der Bewohner nicht dauerhaft decken. Was sie aber kann, ist die Kosten senken und das gute Gefühl vermitteln, Energie aus umweltfreundlicher Quelle und selbst produziert zu haben.

In die Berechnung sollten folglich auch die Nutzung und der Ertrag einfließen. Vor einigen Jahren war das noch einfacher: Nicht selbst genutzter Strom wurde gegen eine erkleckliche Vergütung ins öffentliche Netz eingespeist. Nachdem diese Förderung in den letzten Jahren teils stark zurückgefahren wurde, entstand der Irrtum, PV-Anlagen lohnten sich für Privatnutzer nicht mehr. Das stimmt so nicht, wenn man seine Strategie ändert. Denn Haushaltsstrom bleibt trotz Rückgängen gegenüber den Rekordjahren teuer: Durchschnittswerte lagen zuletzt grob bei 35 bis 40 Cent pro kWh; je nach Tarif und Anbieter können einzelne Angebote darunter oder darüber liegen. Richtet man den Fokus also nun vor allem auf die Eigennutzung, können die Kosten signifikant gesenkt werden. Das Fachportal Finanztip beziffert die Kosten für selbst erzeugten Solarstrom auf rund 10 Cent pro kWh (Stand: 2026) – deutlich weniger als der Netzbezugspreis. Das wächst sich schnell zu einer beträchtlichen Ersparnis aus.

Mit der Reduzierung der Einspeisevergütung ist großer Anreiz, eine PV-Anlage zu installieren, weggefallen. Daher sollte die Anschaffung eines Energiespeichers in Betracht gezogen werden. Solche Batterien speichern den aktuell nicht benötigten Strom und geben ihn ab, wenn die Sonne nicht scheint. Damit kann der Eigenverbrauchsanteil in vielen Fällen verdoppelt werden. Auch hier sollte allerdings mit spitzer Feder gerechnet werden: Die Preise für Heimspeicher sind in den vergangenen Jahren bereits deutlich gesunken. Ob der individuelle Nutzen aber bereits heute die Kosten übersteigt, muss im Einzelfall geprüft werden.

Rechnen sich die teuren Energiespeicher? Ein Energiespeicher ist dann wirtschaftlich, wenn er mehr Stromkosten einspart als seine Anschaffung gekostet hat.… weiterlesen
Sonderfall Reihenhaus
Reihenhäuser, auch wenn sie der Gruppe der Einfamilienhäuser zugerechnet werden können, sind ein Sonderfall. Grundsätzlich gelten zwar viele der genannten Faktoren auch für sie. In manchen Punkten sind die Hausbesitzer jedoch zusätzlich eingeschränkt, was letztlich das Zünglein an der Waage bei der Entscheidung für oder gegen eine PV-Anlage bedeuten kann.

Jeder Eigentümer sollte seine Pläne unbedingt mit der örtlichen Baubehörde abstimmen. Die rechtlichen Vorgaben variieren von Bundesland zu Bundesland und von Kommune zu Kommune. In den Ämtern sitzen Experten, die tagtäglich mit ihrer Auslegung befasst sind. Einfach zu bauen in der Hoffnung, dass es niemand merkt, ist gerade in Reihenhaussiedlungen eine schlechte Idee. Bei freundlichen Nachbarn besteht indes die Möglichkeit, sie in das Projekt einzubinden – etwa, wenn sie ebenfalls eine PV-Anlage auf ihrem Dach installieren wollen. So können Rabatte ausgehandelt oder Erfahrungen ausgetauscht werden.
Ansonsten ist darauf zu achten, dass tatsächlich nur die Fläche des eigenen Hausdachs für die Anlage genutzt wird. Ein guter Tipp kommt zudem vom Deutschen Feuerwehrverband. Er weist darauf hin, dass Reihenhäuser in der Regel mit einer Brandschutzmauer vom Nachbargebäude getrennt sind: „Wer unbedingt jeden Zentimeter Dachfläche für die Stromerzeugung ausnutzen will und die Brandschutzwand mit Modulen überbaut, tut sich keinen Gefallen.“ Aktuelle bauordnungsrechtliche Vorgaben und VdS-/GDV-Hinweise verlangen, dass PV-Module und Leitungen Brandwände nicht überbrücken; je nach Bundesland, Brandwand und Modul-/Montageart können Abstände erforderlich sein. Der Grund: Wenn doch einmal ein Ernstfall eintritt, drohen dem PV-Anlagenbetreiber im Zweifelsfall hohe Regressforderungen.

Aufgrund der stetig sinkenden Einspeisevergütung stellen sich immer mehr PV-Interessenten die Frage: Lohnt es sich überhaupt noch, eine Photovoltaik-Anlage anzuschaffen?… weiterlesen



