Photovoltaik auf Gewerbe- und Industriehallen

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Photovoltaik auf Gewerbe- und Industriehallen

Groß, flach und robust: Viele Lager- oder Produktionshallen bieten ideale Voraussetzungen für eine Photovoltaik-Anlage. Sie können den Immobilienwert und die Geschäftszahlen steigern, ohne dass dauerhafte Investitionen notwendig wären – von der Installation und in der Regel geringen Wartungskosten abgesehen. Ein großer Vorteil ist, dass sie Skaleneffekte ausspielen können. Komponenten wie Wechselrichter oder die Verkabelung müssen bei jeder stationären PV-Anlage eingebaut werden. Je mehr Solarmodule aber auf dem Dach Platz finden, desto weniger stark steigen prozentual die Gesamtkosten: 100 Module bringen eben mehr Ertrag als 10. Eine eingehende Prüfung ist allerdings geboten, da die Hallen, je nach Zweck, eventuell konstruktionsbedingt weniger tragkräftige Dächer haben oder andere bautechnische Restriktionen bestehen, die besondere Herausforderungen an eine Installation stellen.

Lagerhalle mit Photovoltaik © patboon, stock.adobe.com
Lagerhalle mit Photovoltaik © patboon, stock.adobe.com

Ein weiterer Vorteil für Gewerbetreibende ist, dass mit der Eigennutzung der Energie die eigene Stromrechnung gesenkt werden kann. Zudem ist die Passung besser als bei Privatgebäuden: Während diese häufig vor allem abends und nachts bewohnt sind und damit einen höheren Stromverbrauch haben, wenn die Sonne nicht scheint, wird in Industriehallen tagsüber gearbeitet – genau dann also, wenn die Energieausbeute besonders hoch ist. Wird der Strom nicht selbst verbraucht, sondern ins öffentliche Netz geleitet, ist zu bedenken, dass die Einspeisevergütung für große Anlagen bis zu etwa drei Cent pro Kilowattstunde niedriger ausfällt als für kleine Anlagen, wie sie etwa auf Einfamilienhäusern installiert werden.

Dachfläche zur Eigen- oder Fremdnutzung

Trotzdem lohnt sich eine Nutzung der Dachfläche für Gewerbetreibende in vielen Fällen. Mit den oben erwähnten Skaleneffekten und den weiterhin sinkenden Preisen für Solarmodule ist der Nachteil geringerer Einspeisevergütungen schnell wettgemacht. Das zeigt auch die Tatsache, dass mittlerweile ein eigener Mietmarkt rund um Dachflächen von großen, gewerblich genutzten Gebäuden entstanden ist. Dienstleister wie beispielsweise Solar Energy Consult oder Solardachmiete.de bieten an, die Flächen gegen Zahlung einer Prämie beziehungsweise einer Miete zur PV-Anlage zu entwickeln und diese auch zu betreiben. Das schmälert möglicherweise den eigenen Ertrag ein wenig, doch muss sich der Vermieter dafür nur um wenig Fachliches kümmern.

Bürogebäude mit Photovoltaik © Michael Neuhauß, stock.adobe.com
Bürogebäude mit Photovoltaik © Michael Neuhauß, stock.adobe.com

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) wirbt dafür, das Solarpotenzial auf Gewerbehallen besser zu nutzen. Sie böten „ausgezeichnete Möglichkeiten“, günstig klimafreundlichen Solarstrom zu erzeugen. In vielen deutschen Kommunen gebe es jedoch solche Hallen, „deren Dächer noch nicht für die Solarstromerzeugung genutzt werden“, sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Um die Entwicklung voranzutreiben, brauche es einen einfacheren und fairen Rechtsrahmen sowie Investitionssicherheit. So erhalten PV-Anlagen ab einer Leistung von 0,75 Megawatt nur dann eine Förderung, wenn sie an einer Auktion teilnehmen und den Solarstrom nicht selbst verbrauchen. Solardächer mit kleinerer Leistung müssten nicht an der Auktion teilnehmen, die Investitionen würden jedoch durch Erhebung der anteiligen EEG-Umlage auf jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Solarstrom erschwert.

Viele Gewerbetreibende können jedoch auch jetzt schon vom Sonnenstrom profitieren. Aldi Süd etwa ist bekannt dafür, möglichst effizient zu wirtschaften und so seine Preisführerschaft im Discounter-Markt zu verteidigen. PV scheint sich also durchaus zu lohnen, wenn man weiß, dass das Unternehmen nach eigenen Angaben mittlerweile einer der größten privaten Betreiber von Solaranlagen auf Gebäudedächern ist. Die Gesamtfläche der PV-Anlagen auf mehr als 1.200 Filialdächern war 2019 so groß wie rund 164 Fußballfelder. Der Solarstrom entspreche der Menge, die mehr als 35.600 Drei-Personen-Haushalte in einem Jahr verbrauchen.

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Power to the Bauer – aber bitte umweltfreundlich

Landwirte spielen bei der Energiewende eine besondere Rolle. Zum einen entscheiden sie unter anderem mit der Wahl ihrer Anbaumethoden und dem Umgang mit ihren Äckern, Nutztieren und kultivierten Pflanzen ein Stück weit mit über die gesamtgesellschaftliche Energiebilanz. Zum anderen erfüllen Ställe oder landwirtschaftliche Lagerhallen mitunter zwar nicht die statischen und baulichen Voraussetzungen für die Installation einer PV-Anlage. Dafür verfügen die Landwirte aber über große Freiflächen, die kaum bis gar nicht verschattet sind. Sie können eventuell ebenfalls für die Photovoltaik genutzt werden – womöglich sogar, ohne auf den Feldertrag verzichten zu müssen. So hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) bereits 2017 eine Pilotanlage getestet, mit der die Landnutzungseffizienz nach eigenen Angaben um 60 Prozent gesteigert werden konnte. Der Schlüssel dazu ist, dass die Module auf einem großflächig sonnendurchlässigen Gestell in fünf Metern Höhe installiert worden sind.

Photovoltaik in der Landwirtschaft © Countrypixel, stock.adobe.com
Photovoltaik in der Landwirtschaft © Countrypixel, stock.adobe.com

Erst rechnen, dann planen

Der Solar Cluster Baden-Württemberg hebt einen weiteren Vorteil von PV-Anlagen auf gewerblichen Flächen hervor, der gerade angesichts der Diskussionen um die Klimaentwicklung eine zunehmend wichtige Rolle spielt: Sie verbessern das Firmenimage. Gleichwohl ist nicht alles Gold, was glänzt. So sei es beispielsweise nicht sinnvoll, die Anlage kleiner zu dimensionieren, so dass der Eigenverbrauch maximiert wird, rät Franz Pöter, Geschäftsführer des Solar Clusters. Besser sei es, Dächer voll zu belegen. Der Grund sei, dass große Anlagen pro installiertem Kilowatt günstiger und deren Rendite daher im Vergleich zu kleinen Anlagen genauso hoch ist. Sie seien zudem eine bessere Absicherung gegen steigende Strompreise, da sie einen höheren Anteil des lokalen Strombedarfs decken.

Die Preise für Solarstromspeicher sind deutlich gesunken
Die Preise für Solarstromspeicher sind deutlich gesunken

Bei Stromspeichern indes ist, wie im privaten Bereich, derzeit noch Vorsicht geboten. Sie können sinnvoll sein, sind jedoch noch recht teuer. Es ist davon auszugehen, dass sich die Preise, wie bei den Solarmodulen, dauerhaft nach unten bewegen, je mehr sie Verbreitung finden. „Wenn die Speicher jedoch gleichzeitig auch für andere Zwecke eingesetzt werden, beispielsweise zur Reduktion der Spitzenlast des Industriebetriebs, dann könnte sich das finanziell lohnen“, so Pöter weiter. Empfohlen wird, etwaige Pläne für die Errichtung einer Anlage mit Experten durchzurechnen. Sie kennen sich nicht nur in der Materie aus, sondern wissen auch über aktuelle Marktentwicklungen Bescheid. Dazu zählt auch die Kenntnis über Fördertöpfe und -programme wie jenes der KfW: Es bietet unter anderem Unternehmen jeglicher Größe und Landwirten zinsgünstige Kredite für die Errichtung einer PV-Anlage.

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