Stromcloud

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Solar-Clouds als virtuelle Stromspeicher

Zunächst klingt alles wie ein Märchen: Im Sommer wird überschüssig erzeugter Strom in eine Cloud gespeichert, im Winter bedient man sich daraus nach Bedarf. Der große Vorteil: Anders als bei einem Energiespeicher muss die Reserve nicht schon am nächsten Tag aufgebraucht werden. Doch wir alle wissen, dass es im wirklichen Leben keine Märchen gibt. Und so ist schlau, wer sich vor dem Vertragsabschluss erst einmal umfassend über die Energie-„Wolken“ (englisch cloud) informiert. Dieser Beitrag klärt über die Vor- und Nachteile von Stromclouds auf.

Solarenergie: Mit Photovoltaik die Sonnenenergie nutzen
Stromclouds bieten fast unbegrenzten Speicherplatz © suzanmeer, stock.adobe.com

Grundidee einer Stromcloud

Das Prinzip ist beispielsweise von Daten bekannt: Wer persönliche Dokumente, Fotos oder Videos im Internet in einer Daten-Cloud ablegt, hat mehrere Vorteile. Er spart eigenen Speicherplatz, hält seine Festplatte leer und kann von überall und mit jedem Endgerät auf die Daten zugreifen. Eine Stromcloud funktioniert ähnlich. Nur fließt hier Energie statt Information in die Cloud – und wird dort zum Abruf bereitgehalten. In der jährlichen Abrechnung werden Einspeisung und Bezug gegeneinander aufgerechnet und die Differenz entweder gutgeschrieben oder nachgezahlt. Der Betreiber einer Photovoltaikanlage ist auf keinen Netzbetreiber angewiesen und wird damit vollständig autark.

In der Stromcloud wird überschüssiger Strom gespeichert
In der Stromcloud wird überschüssiger Strom gespeichert

Soweit die Theorie. Doch wie steht es mit der Realität?

Haus mit Photovoltaikanlage © slavun, stock.adobe.com
Haus mit Photovoltaikanlage © slavun, stock.adobe.com

Realität bei der Nutzung einer Solarcloud

Was nach einer cleveren Idee klingt, ist auch eine – allerdings mit manchen Haken:

Hinweis: Die Begriffe Strom-Cloud und Solar-Cloud werden i.d.R. alternativ benutzt. Streng genommen, ist eine Solarcloud aber enger zu fassen: Über sie wird tatsächlich nur Strom aus Photovoltaik-Anlagen umgeschlagen. Stromclouds sind von der Konzeption her offener und erlauben beispielsweise auch Strom aus Windkraft-Anlagen.

Netzeinspeisung

Anders als bei den Datenclouds wird der eigene Solarstrom-Überschuss nicht im virtuellen Speicher für den späteren Verbrauch vorgehalten. Dies ist auch nicht anders möglich, denn die benötigten physischen Stromspeicher wären riesig (und teuer). Der Strom, den Kunden später wieder angeblich aus der Cloud beziehen, ist also genau zum Verbrauchszeitpunkt neu produzierter Strom – und damit technisch gesehen ganz normaler Strom aus dem öffentlichen Stromnetz. Dieser kann von einer Solaranlage, einer Windkraftanlage oder auch einem anderen Kraftwerk stammen.

Tipp: Darauf achten, dass die Anbieter die nötigen Zukäufe ausschließlich aus regenerativen Energiequellen beziehen.

Dadurch wird der Ausgleich von Angebot und Nachfrage leichter: Scheint die Sonne bundesweit nicht, liefern auch alle PV-Anlagen schwächere Leistungen. Weht gleichzeitig Wind, kann diese Form der Stromerzeugung bei Stromclouds die Deckung des Bedarfs sicherstellen. Idealerweise wird ins Netz eingespeister Strom an anderer Stelle sofort verbraucht. Übersteigt die Gesamtnachfrage das Angebot an gespeichertem Strom, muss der Anbieter diesen an der Strombörse einkaufen. Kommt es an sonnen- oder windreichen Tagen zu Überschüssen, wird die Energie billig verkauft oder sogar verschenkt. Um dies zu verhindern, müsste der Ausbau innerdeutscher Stromtrassen – um beispielsweise Windenergie von den Küsten ins Landesinnere zu transportieren – endlich angegangen werden.

Die Sonneneinstrahlung über Deutschland beeinflusst die Stromcloud
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Tarifdschungel und hohe Gebühren

Viele Interessenten reizt die Aussicht, sich komplett unabhängig von großen Stromkonzernen zu machen. Diese haben aber längst eigene Angebote gestartet, so dass bei der Anbieterauswahl gegebenenfalls genauer recherchiert werden sollte. Das gilt auch für deren Abrechnungsmodelle: Manche arbeiten bei der Einspeisung und dem Abrufen mit Pauschalen, andere verrechnen beide Strommengen direkt miteinander. Die Verbraucherzentralen beklagen bereits länger intransparente Preis- und Abrechnungsmodalitäten.

Hinweis: Das Modell Stromcloud ist nicht so gut angelaufen wie anfangs erhofft. Daher gibt es inzwischen Versuche, zumindest die Tarifmodelle zu vereinfachen.

Des Weiteren gibt es im Leben nichts umsonst. Bei den meisten Cloud-Tarifen wird eine monatliche Grundgebühr fällig. Sie liegt je nach Größe des virtuellen Speichers zwischen 22 und 55 Euro im Monat (für 1.000 bis 3.000 kWh; Stand: 2021). Zwar sollten die Vergütung für Strom, der in die Cloud fließt, höher als der EEG-Satz und der Bezug des Stroms günstiger als am Markt sein. Ob sich das aber unter Berücksichtigung der Grundgebühr auszahlt, ist durchzukalkulieren, bevor man einen Vertrag unterschreibt.

Hinweis: Ohne Grundgebühr rechnen zum Beispiel polarstern (Wirklich Eigenstrom) und sonnen (sonnenFlat) ab. Dies ermöglicht eine höhere Flexibilität.

Zu bedenken ist außerdem: Ein eigener Vertrag mit einem Stromversorger ist zwar nicht mehr nötig. Muss aber über den eigenproduzierten Strom oder eine Pauschale hinaus mehr Strom aus der Cloud bezogen werden, ist der Preis pro kWh meist höher als bei gängigen Verträgen mit Stromanbietern. Man ist dann mit einem günstigen Ökostrom-Angebot eines herkömmlichen Stromversorgers besser bedient.

Lohnt sich die Stromcloud finanziell?
Lohnt sich die Stromcloud finanziell?

Stromclouds ohne Energiespeicher kaum interessant

Ausgehend von einem realistischen Autarkiegrad von rund 30 Prozent bei einer PV-Anlage ohne Speichermöglichkeit, schlagen die höheren Kosten für den Strombezug aus der Cloud noch stärker zu Buche. Mit einem Batteriespeicher wird immerhin ein durchschnittlicher Autarkiegrad von 70 Prozent erreicht – weshalb sich eine Stromcloud allenfalls als Ergänzung zum eigenen Energiespeicher rechnet.

Von den Energieversorgern angebotene Komplettpakete sollen ein optimales Zusammenspiel von Photovoltaikanlage, Batteriespeicher und Cloudspeicher gewährleisten.

Komplettpakete meist unflexibel

Was komfortabel klingt, muss ebenfalls gut überdacht werden. Die Anbieter von Komplettpaketen werben oftmals mit erstaunlich günstigen Aktionen. Was gerne verschwiegen wird: Es besteht keine Wahlfreiheit bezüglich Hersteller der Photovoltaikanlage und eigenem Speichersystem. Da die Preise sich auch nach der Speicherkapazität richten, sind die Dienstleister überdies gerne geneigt, überdimensionierte physische und virtuelle Speicher zu vermitteln. Last but not least lassen sich Komplettsysteme nur schwer nachrüsten, falls doch einmal mehr Energie im Haushalt benötigt wird.

Hinweis: Anbieter von Komplettpaketen sind häufig die Hersteller von Speichersystemen. Diese bieten natürlich ihre eigenen Speicher an und haben Verträge mit den Anbietern der Clouds, oft die großen Energiekonzerne.
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Fazit

Die Stromcloud bietet nicht nur Vorteile
Die Stromcloud bietet nicht nur Vorteile

Stromclouds sind aus wirtschaftlichen Gründen kein Ersatz für einen optimal bemessenen Energiespeicher. Interessenten sollten sich zudem bewusst sein, dass „ihr“ Strom von anderen verbraucht wird und sie den Strom anderer Anlagenbetreiber, und zwar aus dem öffentlichen Stromnetz, beziehen. Stromcloud-Anbieter sind oft zugleich die Netzbetreiber, was sich in der Kalkulation der monatlichen Grundgebühren niederschlagen kann. Bei Komplettangeboten ist Vorsicht geboten: Unnötig teure Batteriespeicher können einen möglichen Kostenvorteil der Stromcloud gegenüber dem Reststrombezug wieder aufheben.

Auch das Ergebnis der im September 2020 vom Bonner Marktforschungsunternehmens EUPD Research herausgegebenen Vergleichsanalyse von 13 Cloud- und Community-Angeboten in Deutschland ist ernüchternd: Nur fünf (davon zwei überregionale) Anbieter erzielen knapp positive Ergebnisse für die Betreiber einer Solaranlage: sonnen, SENEC, Polarstern, LichtBlick und Hanwa Q CELLS. Die restlichen Stromclouds kosten jährlich bis zu 375 Euro mehr als der Reststrom vom Ökostrom-Anbieter. Ein weiterer Kritikpunkt: Einige Angebote seien wenig transparent dargestellt und aus Kundensicht nur schwer verständlich.

Auch hier folgte der Tipp: Erst rechnen, bevor man sich für ein Angebot entscheidet!

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