Stromcloud

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Spare in der Zeit, dann hast Du in der Stromcloud

Wolken gehören normalerweise nicht zu den besten Freunden der Betreiber von Photovoltaik-Anlagen, da sie den Ertrag aus der Sonnenstrahlung mindern. Eine andere Cloud (englisch für Wolke) sorgt indes seit einiger Zeit zumindest bei einem Teil der PV-Nutzer für gute Stimmung. Das Prinzip ist beispielsweise von Dateien bekannt: Wer sie in der Cloud, also bei einem Anbieter von externem Speicherplatz, ablegt, hat mehrere Vorteile. Er spart sich eigenen Speicherplatz, hält seine Festplatte leer und kann von überall und mit jedem Endgerät auf die Dateien zugreifen. Zu den bekanntesten Anbietern zählen beispielsweise Dropbox oder OneDrive von Microsoft.

Eine Stromcloud funktioniert ähnlich. Ihre Grundidee fußt darauf, dass es Zeiten gibt, in denen Photovoltaik-Anlagen mehr Strom produzieren, als ihr Besitzer nutzen oder speichern kann. Und dass es ebenso Zeiten gibt, in denen die PV-Haushalte mehr Strom benötigen, als Anlage und Speicher hergeben. In Deutschland sind das gemeinhin Sommer und Winter. Der Clou und ein gutes Argument für viele, die sich solchen Modellen angeschlossen haben: Theoretisch ist eine vollkommene Unabhängigkeit von Stromanbietern möglich.

Haus mit Photovoltaikanlage © slavun, stock.adobe.com
Haus mit Photovoltaikanlage © slavun, stock.adobe.com

Während selbst PV-Anlagen mit ausreichend dimensioniertem Speicher in der Regel lediglich bis zu 80 Prozent des Verbrauchs decken können, bietet die Cloud zwar nicht unbegrenzten, aber doch viel mehr Speicherplatz. Man kann sich das wie ein Stufenmodell vorstellen: Der erzeugte Strom wird entweder verbraucht oder fließt in den eigenen Stromspeicher. Ist der voll und produziert die Anlage weiter Strom, fließt der Strom als Guthaben in die Cloud. Bei Bedarf wird der Überschuss dann wieder daraus bezogen. Wer insgesamt mehr PV-Strom eingespeist als entnommen hat, erhält eine Gutschrift. Wer mehr Strom abgerufen als geliefert hat, muss nachzahlen.

Während einige Modelle den Strom über ein eigenes Konto verrechnen, verbinden andere die Nutzer zu einer Gemeinschaft, in der sich alle gegenseitig beliefern. Zudem gibt es reine Solar-Clouds, über die tatsächlich nur Strom aus Photovoltaik-Anlagen umgeschlagen wird. Strom-Clouds sind von der Konzeption her offener und erlauben beispielsweise auch Strom aus Windkraft-Anlagen. Dadurch wird der Ausgleich von Angebot und Nachfrage leichter: Scheint die Sonne bundesweit nicht, liefern auch alle PV-Anlagen schwächere Leistungen. Weht gleichzeitig Wind, kann diese Form der Stromerzeugung bei Stromclouds die Deckung des Bedarfs sicherstellen. Übersteigt die Gesamtnachfrage das Angebot an gespeichertem Strom, muss der Anbieter diesen an der Strombörse einkaufen. Einige Anbieter werben damit, nötige Zukäufe ausschließlich aus regenerativen Energiequellen zu beziehen.

In der Stromcloud wird überschüssiger Strom gespeichert
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Im Prinzip ein gutes Konzept, aber…

Was nach einer cleveren Idee klingt, ist auch eine – allerdings mit manchen Haken. Das fängt beim Gedanken der Autarkie an. Viele Interessenten reizt die Aussicht, sich komplett unabhängig von großen Stromkonzernen zu machen. Diese haben aber längst eigene Angebote gestartet, so dass bei der Anbieterauswahl gegebenenfalls genauer recherchiert werden sollte. Das gilt auch für das Abrechnungsmodell, das variiert: Manche arbeiten bei der Einspeisung und dem Abrufen mit Pauschalen, andere verrechnen beide Strommengen direkt miteinander.

Des Weiteren gibt es im Leben nichts umsonst: Bei nahezu allen Cloud-Tarifen wird eine monatliche Grundgebühr fällig, die in der Regel zwischen 15 und 35 Euro beträgt. Zwar sollte die Vergütung für Strom, der in die Cloud fließt, höher als der EEG-Satz und der Bezug des Stroms günstiger als am Markt sein. Ob sich das aber unter Berücksichtigung der Grundgebühr auszahlt, sollte durchkalkuliert werden, bevor man einen Vertrag unterschreibt. Zu bedenken ist außerdem: Ein eigener Vertrag mit einem Stromversorger ist zwar nicht mehr nötig. Muss aber über den eigenproduzierten Strom oder eine Pauschale hinaus mehr Strom aus der Cloud bezogen werden, ist der Preis dafür meist teurer als bei gängigen Verträgen mit Stromanbietern.

Die Stromcloud bietet nicht nur Vorteile
Die Stromcloud bietet nicht nur Vorteile

Das ist auch der Grund, warum Solarclouds für Betreiber von PV-Anlagen ohne Speicher kaum interessant sind: Meist erreichen sie nur einen Autarkiegrad von rund 20 Prozent, der große Rest muss zugekauft werden. Dann ist man beispielsweise mit einem günstigen Ökostrom-Angebot eines herkömmlichen Stromversorgers besser bedient. Last but not least stellen die meisten Anbieter als Eintrittskarte in die Cloud gewisse Mindestvoraussetzungen an die genutzte PV-Anlage. In Einzelfällen kann zudem der Kauf von zusätzlichen Instrumenten nötig sein.

Solarclouds sind (noch) ein Nischenprodukt

Eine Solar- und erst recht eine Stromcloud können ein sinnvolles Modell für Betreiber von Photovoltaik-Anlagen sein. Wer Wert darauf legt, unabhängig von großen Stromkonzernen zu sein, wird vermutlich sogar Gefallen an Cloud-Anbietern finden, die unter dem Strich womöglich gar keine Ersparnis bringen, aber ein besseres Gewissen. Trotzdem sollte man sich nicht zu leicht von der charmanten Idee blenden lassen. Ein Test des Bonner Markt- und Wirtschaftsforschungsunternehmen EuPD Research aus dem Jahr 2019 – der leider online nicht mehr abrufbar ist –, hat gezeigt, dass seinerzeit nur vier von zehn Cloud-Tarifen günstiger waren als „normale“ Ökostromtarife. Zudem sei den Kunden oft unklar, was eine solche Cloud ist und welche Kosten damit verbunden sind. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Tarif lagen zum Zeitpunkt des Tests 260 Euro – im Jahr. Auch hier folgte der Tipp: Erst rechnen, bevor man sich entscheidet, ob es ein passendes Angebot gibt.

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