Mieterstrom und Photovoltaik

Teilen:

Mieterstrom und Photovoltaik: Eine gelungene Kombination?

Soll die Energiewende gelingen, ist eine Gemeinschaftsanstrengung erforderlich. Zwar können umweltbewusste Mieter ihren Anbieter wechseln und beispielsweise auf einen Ökostromtarif umsteigen. Immerhin, mehr aber auch nicht – im Gegensatz etwa zum Eigentümer, der sich eine Photovoltaik-Anlage auf das Hausdach installiert.

Aus diesem Gedanken heraus hat sich das Mieterstrommodell entwickelt. Mieterstrom bezeichnet laut dem Bundeswirtschaftsministerium Strom, „der von Solaranlagen auf dem Dach eines Wohngebäudes erzeugt und von dort direkt, das heißt ohne Netzdurchleitung an Letztverbraucher in diesem Gebäude oder in Wohngebäuden oder Nebenanlagen im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang geliefert und verbraucht wird“. Insgesamt sieht das Ministerium Potenzial für bis zu 3,8 Millionen Wohnungen, die mit Mieterstrom versorgt werden könnten.

Solaranlage auf einem Mehrfamilienhaus © Kara, stock.adobe.com
Solaranlage auf einem Mehrfamilienhaus © Kara, stock.adobe.com

Eigentümer können mit einer Mieterstrom-Photovoltaik-Anlage den Wert ihrer Immobilie steigern und die Nebenkosten senken. Auf diese Weise erzeugter und verteilter Strom wird zudem von der Bundesregierung gefördert. Konkret entgeht einem Eigentümer bei dem Modell zwar die EEG-Einspeisevergütung, wenn er „seinen“ Strom direkt an die Mieter abgibt. Er erhält jedoch einen Mieterstromzuschlag und ist von der Zahlung mehrerer Steuern und Abgaben freigestellt, da der Strom ohne Netzdurchleitung direkt an die Abnehmer fließt.

Mieterstrom: Win-Win-Situation für Mieter, Eigentümer und Umwelt
Mieterstrom: Win-Win-Situation für Mieter, Eigentümer und Umwelt

Voraussetzung ist eine Anlage auf, an oder in einem Wohngebäude mit einer installierten Leistung von maximal 100 Kilowatt. Zudem muss der Mieterstrompreis mindestens zehn Prozent unter dem Tarif des örtlichen Grundversorgers liegen. Mieter profitieren also von günstigen Preisen für den dezentral in unmittelbarer Nähe erzeugten und umweltfreundlichen Strom. Sie müssen den Mieterstrom jedoch nicht zwingend beziehen. Zudem ist es untersagt, den Mieterstromvertrag an den Mietvertrag zu koppeln.

Tipp: Mit dem Photovoltaik Rechner berechnen, ob sich eine Anlage rentiert. Trotz Förderkürzung kann man mit PV-Anlagen viel Geld sparen. Jetzt Rendite berechnen.

Darüber hinaus gibt es auch Stromanbieter, die Mieterstrommodelle und -tarife anbieten. Sie schalten sich als eine Art Zwischenhändler zwischen Eigentümer und Mieter: Erstere verkaufen dem Energieanbieter den Strom, den dieser dann den Mietern anbietet. Die Eigentümer profitieren dabei von besseren Konditionen als bei der Einspeisung des eigenen Stroms ins öffentliche Netz, während die Mieter für den Strombezug trotzdem weniger zahlen als bei Bezug von herkömmlichem Strom.

Das Spiel über Bande kann seinen Sinn haben: Wer den Mieterstromzuschlag erhalten will, muss die Mieter vollständig mit Strom versorgen – und diesen dann selbst beschaffen, wenn die Sonne etwa zu selten scheint. Damit wird er faktisch zum Energieversorger, an den besondere Anforderungen gestellt werden. Verkauft er ihn stattdessen an einen Drittanbieter, hat er leichteres Spiel und profitiert trotzdem von einem besseren Preis als bei der herkömmlichen Netzeinspeisung.

So oder so wird Mieterstrom immer mit dem Strombezug aus dem öffentlichen Netz kombiniert. Der Mieter hat entweder zwei separate Verträge, von denen der Mieterstrombezug Vorrang hat und von Strom aus dem öffentlichen Netz ergänzt wird, wenn der Bedarf größer als das Mieterstromangebot ist. Oder er bezieht beides aus einer Hand, sei es von dem Eigentümer als „Vollversorger“, oder einem Drittanbieter, dem der Eigentümer den Mieterstrom verkauft hat.

Miete und Nebenkosten © Zerbor, stock.adobe.com
Nebenkosten senken durch Mieterstrom: Somit profitieren auch die Mieter © Zerbor, stock.adobe.com

Die Bundesnetzagentur veröffentlicht regelmäßig aktualisierte Zahlen zur Verbreitung des Modells. Demnach bezogen Anfang 2019 bundesweit mehr als 400 Projekte mit insgesamt mehr als 9.000 Kilowatt eine entsprechende Förderung. Das Konzept wird allerdings durch die politische Ausgestaltung erschwert. Der Mieterstromzuschlag errechnet sich aus der Einspeisevergütung, von der ein festgelegter Betrag abgezogen wird. Mit dem Energiesammelgesetz, das Anfang 2019 in Kraft trat, wurde die Einspeisevergütung für Photovoltaik-Anlagen ab 40 Kilowatt jedoch schrittweise gesenkt. Oftmals sind es aber solche Anlagen, die bei Mieterstrom-Projekten zum Einsatz kommen. Das führte dazu, dass der Mieterstromzuschlag schrittweise sank. Zahlreiche Projekte laufen damit Gefahr, weniger wirtschaftlich zu werden. Zu bedenken sind nämlich auch die zusätzlich nötigen Ausgaben, beispielsweise für das Messwesen. Mittlerweile gibt es Dienstleister, die Betreibern solcher Anlagen bei der Verwaltungs- und Abrechnungsarbeit unter die Arme greifen.

TIPP

Nutzen Sie unseren kostenlosen Angebotsservice: Angebote von Solarfachbetrieben vergleichen und bis zu 30 Prozent sparen
Verkauf des Solarstroms an den Netzbetreiber: Es ergeben sich einige Vorteile
Verkauf des Solarstroms an den Netzbetreiber: Es ergeben sich einige Vorteile

Mieterstrommodelle sind auf Eigentümerseite nichts für Photovoltaik-Einsteiger. Zunächst muss die Wirtschaftlichkeit genau geprüft werden. Darüber hinaus ist das richtige, will sagen: lohnenswerteste Betreiberkonzept zu wählen. Das ist keine leichte Aufgabe, zumal sich die Rahmenbedingungen, etwa vonseiten der Politik, künftig immer wieder ändern können. Das sollte Interessierte jedoch nicht davon abschrecken, sich über die Möglichkeiten zu informieren und gegebenenfalls auch einen Berater in der Nähe aufzusuchen.

Berechnet man die individuellen Gegebenheiten hinzu, kann unter dem Strich durchaus ein monetärer Gewinn stehen – vom guten Dienst an der Umwelt ganz zu schweigen: Es gibt kaum eine Möglichkeit, erneuerbaren Strom direkter zu gewinnen und zu nutzen, als ihn vom Dach an die Mietparteien zu leiten. Mieter haben mit der Bürokratie glücklicherweise weniger zu tun. Haben Sie die Möglichkeit, Mieterstrom zu beziehen, sollten sie sich das Angebot auf jeden Fall genauer anschauen. In der Regel können sie von solchen profitieren, ohne ein größeres Risiko eingehen zu müssen.

bis zu 30% sparen

Angebote für Solaranlagen
von regionalen Anbietern

Unverbindlich
Qualifizierte Anbieter
Kostenlos

Tipp: Jetzt zum Newsletter anmelden

Erhalten Sie die wichtigsten News monatlich aktuell und kostenlos direkt in Ihr Postfach
Ihre Email-Adresse wird nur für den Newsletterversand verwendet Datenschutzerklärung

Artikel teilen: