Checkliste für die gelungene Planung von Neubau plus Photovoltaik
Der Bau eines Eigenheims ist geplant? In zahlreichen Bundesländern gilt inzwischen eine Solarpflicht für Neubauten – wer neu baut, muss in vielen Regionen eine Photovoltaikanlage einplanen. Eine bundesweit einheitliche Pflicht gibt es bislang nicht; der rechtliche Rahmen unterscheidet sich von Land zu Land. Ob verpflichtend oder freiwillig: Sich mit selbst erzeugtem Solarstrom zu versorgen, ist eine sinnvolle Entscheidung. Wird eine Photovoltaikanlage von vorneherein eingeplant, verursachen die Arbeiten weniger Kosten als bei einer Nachrüstung. Nicht zuletzt, weil auch die unterschiedlichen Handwerksarbeiten vorab koordiniert werden können. Wir haben eine Checkliste zusammengestellt, damit die Planung von Neubau plus PV reibungslos gelingen kann.

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Solarpflicht am eigenen Bauort prüfen
Ob am Bauort eine Solarpflicht besteht, hängt vom jeweiligen Bundesland ab – die Regelungen sind Ländersache und unterscheiden sich deutlich. Vor der Dachplanung sollten Sie deshalb die aktuelle Landesbauordnung oder das Klimaschutzgesetz Ihres Bundeslands prüfen, ebenso örtliche Satzungen und den Bebauungsplan. Entscheidend sind drei Fragen: Gilt die Pflicht für Neubauten, für Dachsanierungen oder für beides? Ab welcher Dachgröße greift sie? Welcher Mindestanteil der Dachfläche muss belegt sein? Auch wenn in Ihrem Bundesland keine Pflicht besteht, lohnt der Blick in den Bebauungsplan: Gestaltungsvorgaben zu Dachform, Dachneigung oder Materialien können die spätere Auslegung der Anlage beeinflussen.
Wie groß soll ich meine PV-Anlage planen?
Die Größe des Daches sollte die Größe der Photovoltaikanlage bestimmen. Dass dies wirtschaftlicher ist, als die Dimensionierung am eigenen Stromverbrauch zu messen, hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) bereits 2019 in einer Studie ermittelt. Außerdem bewirke diese ökologische Flächennutzung, dass weniger Freiflächenanlagen zum Erreichen der Klimaschutzziele benötigt werden. Als negativer Effekt seien allerdings die höheren Investitionskosten zu berücksichtigen.
Fazit: Anlagengrößen zwischen etwa 8 und 15 kWp sind für ein Einfamilienhaus heute meist die wirtschaftlich sinnvollste Lösung – wer Wärmepumpe oder Elektroauto einplant, wählt eher das obere Ende. Als grobe Orientierung nennt die Verbraucherzentrale NRW für PV-Anlagen inklusive Montage über 6 kWp etwa 1.200 bis 2.000 Euro pro kWp ohne Speicher; kleinere Anlagen können darüber liegen. Größere Anlagen liegen wegen geringerer Fixkostenanteile meist günstiger pro kWp. Für die Installation werden pro kWp Anlagenleistung rund 5 Quadratmeter Modulfläche benötigt – dank effizienterer Module etwas weniger als noch vor einigen Jahren.

Im direkten Vergleich bedeutet dies: Die aktuellen Stromgestehungskosten, also die gesamten Kosten für Strom vom eigenen Dach, betragen für kleine PV-Dachanlagen rund 6 bis 14 Cent pro Kilowattstunde (Fraunhofer ISE, Stand 2024). Demgegenüber kostet Strom aus dem öffentlichen Netz im Haushaltsdurchschnitt etwa 37 Cent pro Kilowattstunde (BDEW, Stand April 2026). Selbst erzeugter Solarstrom ist damit rechnerisch grob drei- bis sechsmal günstiger als Netzstrom.
Wofür will ich den erzeugten Strom nutzen?
An erster Stelle stehen natürlich alle Haushaltsgeräte, die Beleuchtung, der Fernseher, der Computer, die Musikanlage und was sonst im Haus mit Strom aus der Steckdose versorgt werden muss. Doch auch die Erzeugung von Warmwasser und der Einsatz einer Wärmepumpe für Heizung und Klimaanlage bieten sich als Option an. Mit einer richtig dimensionierten PV-Anlage ist Heizen mit Strom kein Tabuthema mehr! Alle wichtigen Informationen zum Traumpaar Wärmepumpe & Solarstrom finden Interessenten in unserem Beitrag Solarstrom und Wärmepumpe kombinieren.

Wer über die Anschaffung eines Elektroautos nachdenkt – oder bereits eines hat –, weiß: Tanken ist nirgendwo so günstig wie an der eigenen Ladestation. Besonders günstig wird das Laden, wenn die Ladestation mit einer Photovoltaikanlage kombiniert und zeitlich auf Solarertrag abgestimmt wird. Das funktioniert auch ohne zusätzlichen Stromspeicher; ein Speicher oder Energiemanagement kann den Eigenverbrauch erhöhen, sollte aber nach Fahrprofil, Ladezeiten und Wirtschaftlichkeit dimensioniert werden.

Alle Vor- und Nachteile sind in unserem Beitrag Energiespeicher Pro und Kontra zusammengestellt.

Wie wird mein Haus stehen?
Eine Dachausrichtung nach Süden ist zur Nutzung der Sonnenstrahlung für die Stromgewinnung top. Doch auch Ost- und Westseiten sind praktikabel. Letztere vor allem, wenn überwiegend für den Eigenverbrauch geplant wird. Denn in der Regel liegt der höchste Verbrauch in den Morgen- bzw. frühen Abendstunden. Hier liefern Südwest- und Südost-Dächer oft sogar noch bessere Ergebnisse. Perfekt für hohe Stromerträge ist ein Dach, das zu beiden Seiten mit Modulen belegt werden kann. Zu bedenken sind hier jedoch die höheren Investitionskosten.


Wie ist das Dach zu planen?
Hier sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen:
- Wie viel Dachfläche wird für die gewünschte PV-Anlage benötigt? Wie bereits erwähnt, belegt 1 kWp Anlagenleistung mit modernen Modulen rund 5 bis 6 Quadratmeter Fläche (inklusive üblicher Abstände). Bei einem spezifischen Jahresertrag von etwa 900 bis 1.000 Kilowattstunden pro kWp entspricht eine jährliche Erzeugung von 5.000 Kilowattstunden grob 5 bis 5,6 kWp – also etwa 25 bis 34 Quadratmeter. Die Dachfläche komplett auszunutzen, ist eine Überlegung wert.

- Wie viel der Dachfläche kann mit Solarmodulen bestückt werden? Neben Nachbargebäuden und Bäumen können auch Objekte auf dem Dach zu leistungskillenden Verschattungen führen. Sind Satellitenschüsseln, Klimageräte oder Antennen vorgesehen, sollten diese an Stellen montiert werden, die für den Lichteinfall unerheblich sind. Die Schatten zu umbauen, ist zwar möglich, wirkt sich optisch allerdings unvorteilhaft aus.

- Ist eine Aufdachanlage oder eine Indachanlage vorgesehen? Bei einem bereits bestehenden Dach haben Anlageninteressenten meist keine Wahl. Bei einem Neubau dagegen können sie die Montageoption für die PV-Anlage frei wählen: Die herkömmlichen Aufdach-Anlagen werden auf das bereits gedeckte Dach montiert. Indach-Anlagen werden in das Dach integriert, d.h. die Module ersetzen die entsprechenden Dachziegel. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ästhetisch reizvoller ist sicherlich die Indach-Variante. Am besten, Sie besprechen Ihre Wünsche mit den Fachbetrieben, das heißt mit Dachdecker und Solarinstallateur, zusammen.

- Ist die Dachkonstruktion entsprechend ausgelegt? Mit einer PV-Anlage lastet ein zusätzliches Gewicht auf dem Dach, das nicht unterschätzt werden darf. Daher müssen die Bauteile des Dachgerüsts, die Dachsparren, stark genug sein und in nicht zu großem Abstand montiert werden. Versierte Zimmerer wissen das natürlich, auch wie sich die Dämmung des Daches auf das Befestigen der Solarmodule auswirkt.

Wie werden die Solarkabel vom Dach ins Haus geführt?
Für die Verbindung der Solarmodule mit dem Wechselrichter sind entsprechend zertifizierte Solarkabel zu verwenden. Wechselrichter fühlen sich am wohlsten in einer kühlen, trockenen und sauberen Umgebung, in den meisten Fällen den Kellerräumen. Um die Verkabelung vom Dach in den Keller zu führen, ist also ein Kabelschacht mit einzuplanen.

Glücklicherweise gibt es sogenannte Vorrüstungen für Photovoltaik-Anlagen. Hierbei wird ein Leerrohr eingesetzt, das auf kürzestem Weg vom Modul oben zum Stromrichter unten führt. Damit das Leerrohr freien Durchgang zum Anschlussraum hat, unbedingt an die Zwischendecken denken! Auch darf der Rohrdurchmesser nicht zu klein gewählt werden.
Ist genügend Platz für die Anschlüsse vorgesehen?
Diese Frage erscheint banal, wird aber leider oft vernachlässigt. Es sollte genügend Platz im Hausanschlussraum oder Hauswirtschaftsraum einkalkuliert werden, denn eventuell müssen irgendwann mehrere Wechselrichter und ein Stromspeicher untergebracht werden. Ein frühzeitiges Gespräch mit dem Bauträger und dem Elektroinstallateur ist anzuraten.
Netzanschlüsse sind allgemein ein wichtiges Thema. Wer beispielsweise eine Wärmepumpe zum Heizen plant und sie mit Solarstrom betreiben möchte, sollte das Mess- und Zählerkonzept früh mit Elektrofachbetrieb und Netzbetreiber klären. Ein Einzählermodell kann den PV-Eigenverbrauch vereinfachen; ein separater Wärmepumpenzähler kann günstige Tarife oder reduzierte Netzentgelte ermöglichen. Mit einer Kaskadenmessung (über einen separaten Unterzähler der Wärmepumpe) lässt sich je nach Netzgebiet auch beides kombinieren. Eine pauschale Empfehlung gibt es deshalb nicht.
Brauche ich eine separate Versicherung?
Das kommt auf die bereits bestehenden Versicherungen an. Eine PV-Haftpflichtversicherung ist häufig bereits in der Police für die Privathaftpflicht enthalten. Wenn nicht, wird sie oft gegen einen geringen Aufpreis aufgenommen. Anders die Allgefahrenversicherung. Ist die Photovoltaik-Anlage in der Wohngebäudeversicherung eingeschlossen, sind Betreiber vor Gefahren wie Sturm, Hagel, Blitz und Feuer bereits abgesichert. Bei besonders teuren Anlagen oder wenn eine Finanzierung geplant ist, sollte auf jeden Fall eine Photovoltaik-Versicherung abgeschlossen werden.

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Wie finde ich einen guten Handwerksbetrieb?
Es ist bekannt, wird aber oft nicht beherzigt: Wer Angebote einholt, sollte nicht nur auf den Preis achten. Vor einem bösen Erwachen können neben qualitativ hochwertigen Komponenten auch die Leistungen des Anbieters schützen. Bei einem Betrieb aus der Umgebung sind die Wege auch künftig, nach der Installation der Anlage, kurz. Wichtig sind auf jeden Fall Vor-Ort-Termine, am besten mit mehreren Anbietern. Weitere Qualitätsmerkmale sind Nachweise der Fachkompetenz und Praxis des Betriebs – wie zum Beispiel Referenzen und regelmäßige Schulungen.

Fazit
Am Beginn sollte die Überlegung stehen, welche Anforderungen die Photovoltaikanlage erfüllen muss. Dann sind die Gegebenheiten auf ihre Eignung zu prüfen – wie die Dachausrichtung und die geplante Dachbeschaffenheit. Empfehlenswert für die Einschätzung ist zudem eine sorgfältig durchgeführte Verschattungsanalyse. Ein guter Fachbetrieb aus der Region berücksichtigt diese Punkte bei der Planung mit und kann Dach- und Elektroarbeiten auf den Bauablauf abstimmen. Die entstehenden Investitionskosten setzen sich aus den Komponenten und den Montagearbeiten zusammen. Nicht vergessen werden sollten auch die Betriebskosten, die bei einer PV-Anlage zwar nicht sehr hoch sind, je nach Anlagengröße dennoch bei mehreren hundert Euro im Jahr liegen können.

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