BKW oder große PV-Anlage planen? Oder gleich beides?
Sie haben sich schon entschieden, die Energie der Sonne für sich zu nutzen? Allerdings wissen Sie nur noch nicht so recht, ob Sie in ein Balkonkraftwerk oder in eine große Photovoltaikanlage investieren sollen? Oder Sie haben bereits eine der beiden Varianten montiert und möchten wissen, ob und wie sie sich ergänzen lässt? Wir führen die unterschiedlichen Systeme in kompakter Form vor und stellen sie einander gegenüber. Außerdem erfahren Sie, welche jeweiligen Argumente für einen separaten und einen kombinierten Betrieb sprechen.

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Auf allgemeine Fragen zur Solarenergie gehen wir hier nicht näher ein. Andere Artikel informieren ausführlich über die Grundzüge der erneuerbaren Energien, die Standortbedingungen für eine funktionierende Solaranlage, die Voraussetzungen für eine perfekte Installation und vieles mehr. Kommen wir also sogleich zu den Faktoren, die für den einen und den anderen Kontrahenten sprechen:

Argumente pro Balkonkraftwerk
Schon zigtausend Mieter kommen ins Schwärmen, wenn sie von den Vorzügen ihres kleinen Kraftwerks auf dem Balkon (BKW) berichten. Ganz zuerst erwähnen sie natürlich die Stromkostenersparnis. Doch für die meisten fast ebenso interessant ist der Spaß an der Sache – und dem Energieversorger ein Schnippchen schlagen zu können. Im Vergleich zur großen Anlage lässt sich Folgendes zusammenfassen:

- Geringe Anschaffungskosten: Mit wenigen hundert Euro sind Sie dabei. Besonders erfreulich: Die meisten Balkonkraftwerke haben sich – je nach Anschaffungspreis und Eigenverbrauch – in der Regel nach etwa 3 bis 10 Jahren amortisiert.
- Keine Montagekosten: Sieht man mal von ein paar einfachen Haken ab, entfällt jeglicher Aufwand für die Befestigung. Kein Gerüstaufbau, keine Fahrten und Stundenlöhne der Montagecrew. Um ein Balkonkraftwerk sachgerecht zu montieren, muss man kein Handwerker sein.

- Keine Anschlusskosten: Zumindest fast nicht. Steckersolargeräte können nach dem Kauf meist ohne Netzbetreiber-Anmeldung genutzt werden. Das Einstecken ist jedoch nur bei normkonformem Gerät und geeigneter Hausinstallation unproblematisch; bei Haushaltssteckdosen gelten nach DIN VDE V 0126-95 zusätzliche Anforderungen. Bis zum Zählerwechsel des Verteilnetzbetreibers sind die „normalen“ rückwärtsdrehenden Zähler geduldet.
- Einfache Anmeldung: Um den Zubau von Balkonkraftwerken zu fördern, hat die Bundesregierung zum 16. Mai 2024 die Anmeldung beim Netzbetreiber für Steckersolargeräte im vereinfachten Verfahren abgeschafft; die Bundesnetzagentur hat die Meldung im Marktstammdatenregister bereits zum 1. April 2024 stark vereinfacht. Es genügen wenige Daten. Sie werden im Grunde nur für die Statistik erhoben, sind aber dennoch verpflichtend.
Tipp: Alle Änderungen für den Betrieb von Steckersolargeräten fasst unsere News Balkonsolar jetzt noch leichter zu nutzen zusammen.
- Hohe Flexibilität: Anders als eine Dach-Solaranlage kann ein BKW fast überall aufgestellt oder befestigt werden. Es muss ja nicht unbedingt der Balkon sein. Möglicherweise wirkt sich z.B. ein Standortwechsel bei tiefer stehender Herbstsonne günstig aus.
- Leichte Demontage: Beim Umzug die Mini-Solaranlage mitnehmen? Kein Problem, denn es muss ja (fast) nur der Stecker gezogen werden. Vermieter und Mieter sind glücklich, dass der Abbau eines BKW in der Regel keine Spuren hinterlässt.
- Keine Beschränkung auf Hauseigentum: Mieter müssen den Eigentümer der Mietanlage zwar fragen. Seit der BGB-/WEG-Änderung vom 17. Oktober 2024 können Mieter und Wohnungseigentümer die Erlaubnis für ein Steckersolargerät grundsätzlich verlangen; unzumutbare Ausführungen können aber weiterhin abgelehnt oder angepasst werden.

Pro und Kontra Batteriespeicher zur Stecker-Solaranlage „Lohnt sich ein Stromspeicher zum Balkonkraftwerk?“ lautet eine der häufigsten Fragen an den Solaranlage-Ratgeber.… weiterlesen
Argumente pro Solaranlage
Groß bringt auch viel, könnte man es zusammenfassen. Es geht aber auch ein bisschen genauer:
- Höhere Leistung: Beim BKW liegt die Grenze bei 2.000 Wp Modulleistung und 800 VA Wechselrichter-Scheinleistung (umgangssprachlich „800 Watt“). Der Größe einer PV-Anlage sind dagegen keine Grenzen gesetzt. Zumindest liegen diese weit über den Werten, die für ein Wohnhaus – selbst mit E-Auto, beheizbarem Pool etc. – wirtschaftlich sind. Der Stromertrag einer großen Solaranlage ist um ein Vielfaches höher als der eines Balkonkraftwerks.
- Einspeisevergütung: Jede nicht genutzte und zwischengespeicherte Sonnenenergie wandert automatisch ins öffentliche Stromnetz. Stammt sie aus einer Photovoltaikanlage, besteht bei erfüllten EEG-Voraussetzungen ein Zahlungsanspruch gegenüber dem Netzbetreiber. Mit der Einspeisevergütung wird zwar niemand reich, sie verhindert jedoch, dass nur die Energiekonzerne von den Überschüssen profitieren und senkt immerhin die eigenen Stromkosten.
- Speichern von Überschuss: Stromspeicher für BKW haben sich am Markt etabliert, lohnen sich aber nur in bestimmten Konstellationen – etwa bei hohem Abendverbrauch und einer Anlage nahe der 800-Watt-Grenze. Große Energiespeicher dagegen tragen viel zur Steigerung des Eigenverbrauchs bei, also zur eigenen Nutzung des produzierten Stroms.

Balkonkraftwerk vs. Solaranlage
Klein gegen Groß. Schwer zu sagen, wer hier gewinnt. Beide erzeugen Strom aus Sonnenenergie, beide sind ein Schritt weg von fossiler und hin zu regenerativer Energie, beide senken die familiären Stromkosten. Wir plädieren für ein „Unentschieden“ und stellen hier die jeweiligen Pluspunkte gegenüber:
| Balkon-kraftwerk | Solar-anlage | |
| Eignung für Hausbesitzer | + | + |
| Eignung für Mieter | + | – |
| Vereinfachte Anmeldung | + | – |
| Installation schon vor Zählerwechsel | + | – |
| Einfache Selbstmontage | + | – |
| Flexible Anbringung | + | – |
| Spurenlose Demontage | + | – |
| Über 2 kWp Modulleistung erlaubt | – | + |
| Mehr als 800 W Einspeiseleistung möglich | – | + |
| Vergütete Einspeisung im vereinfachten Steckersolar-Verfahren | – | + |
| Speicherung sinnvoll | ? | + |
Welche Lösung passt zu Ihnen?
Die richtige Wahl hängt vor allem von drei Fragen ab: Wohnen Sie zur Miete oder im Eigenheim? Wie hoch ist Ihr Stromverbrauch? Und wie viel Aufwand wollen Sie investieren? Der folgende Entscheidungspfad hilft Ihnen, die passende Variante einzugrenzen.
Entscheidungshilfe
Balkonkraftwerk, große PV-Anlage – oder beides?
Wohnsituation
Sie wohnen zur Miete
→ Empfehlung
Balkonkraftwerk – Vermieter dürfen den Betrieb seit der Neufassung von § 554 BGB im Oktober 2024 in der Regel nicht mehr ohne triftigen Grund verweigern.
Wohnsituation
Sie sind Eigentümer/in
↓ weiter unten
Eine Folgefrage entscheidet.
Hoher Verbrauch
Wärmepumpe, E-Auto oder größere Familie
→ Empfehlung
Große PV-Anlage – nutzt das Dachpotenzial aus und liefert ein Vielfaches des BKW-Ertrags.
Mittlerer/niedriger Verbrauch
Standardhaushalt ohne Großverbraucher
↓ weiter unten
Eine letzte Frage entscheidet.
Bereits PV-Anlage installiert
z. B. auf dem Hausdach
→ Empfehlung
Balkonkraftwerk separat ergänzen – meist einfacher und günstiger als die Erweiterung der bestehenden Anlage.
Noch keine Solaranlage
Einstieg gewünscht, geringes Risiko
→ Empfehlung
Balkonkraftwerk als günstiger Einstieg – PV-Anlage später nachrüsten ist möglich.
Hinweis: Wer beides kombinieren möchte, sollte vorab die Kompatibilität von Wechselrichter und Stromkreis prüfen. Vergütungsrechtlich werden Steckersolargeräte seit Mai 2024 nicht mehr mit der Hauptanlage zusammengefasst. Mehr dazu in den folgenden Abschnitten.
Sie haben das Passende noch nicht gefunden? Die gute Nachricht für alle Unentschlossenen: Es gibt auch Alternativen zum Entweder – Oder:
Alternative #1: BKW und PV-Anlage getrennt betreiben
Der Klassiker hierbei: Das Hausdach ist bereits mit einer PVA ausgestattet, doch auf dem Südbalkon wäre noch Platz für ein oder zwei Module. Der Aufwand für den Anschluss an die große Anlage erweist sich als bedenklich groß, zumal das Stecker-Solargerät auch schnell selbst montiert werden könnte. Bei näherer Überlegung wäre der separate Betrieb deutlich unkomplizierter und damit auch wirtschaftlicher.
Der große Vorteil bei dieser Lösung: Die Betreiber würden alle genannten Pluspunkte in Summe genießen.
Nachteilig wäre lediglich der Verzicht auf die Einspeisevergütung für das Balkonkraftwerk.

Alternative #2: BKW und PV-Anlage kombinieren
Etwas komplizierter ist es im Fall einer Kombination bzw. Koppelung. Zunächst einmal müssen beide Systeme kompatibel sein, was insbesondere die Leistung und die elektrische Spannung betrifft. Ist der Stromkreis nur bzgl. der Belastung durch die PVA abgesichert oder sind weitere 800 Watt des BKW kein Problem? Muss der Wechselrichter ausgetauscht werden, weil der Eingangsspannungsbereich nicht ausreicht? Gerade letzteres ist meistens notwendig. Außerdem muss der Anschluss durch einen Profi erfolgen.
Rechtlich sind die Hürden gering. Bei gemeinsamer Messung oder Abrechnung müssen die Anlagen sauber demselben Netzanschluss beziehungsweise Zählpunkt zugeordnet werden. Vergütungsrechtlich ist die Kombination seit Mai 2024 unkritisch: Steckersolargeräte werden nach § 24 Abs. 1 Satz 5 EEG nicht mehr mit größeren PV-Anlagen zusammengefasst und beeinflussen damit nicht die Vergütungsklasse der Hauptanlage.
Wenn diese Punkte passen, kann das Balkonkraftwerk möglicherweise die große Anlage entlasten und, falls vorhanden, seine Überschüsse in einen Stromspeicher einfließen lassen.

Häufige Fragen rund um die Entscheidung
Brauche ich für ein Balkonkraftwerk eine Genehmigung?
Für den Netzanschluss ist bei Steckersolargeräten im vereinfachten Verfahren keine separate Netzbetreiber-Anmeldung mehr nötig; erforderlich bleibt die Registrierung im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur. Mieter müssen vor baulichen Veränderungen die Erlaubnis des Vermieters einholen, Wohnungseigentümer einen WEG-Beschluss; die Zustimmung darf in der Regel nicht ohne triftigen Grund verweigert werden.
Was passiert, wenn ich umziehe oder das Haus verkaufe?
Ein Balkonkraftwerk lässt sich in den meisten Fällen problemlos abbauen und mitnehmen. Der MaStR-Eintrag wird auf die neue Adresse aktualisiert. Eine fest installierte PV-Anlage auf dem Dach bleibt dagegen am Gebäude und wird beim Verkauf in der Regel mit übertragen – in vielen Fällen erhöht sie den Marktwert.
Lohnt sich ein zusätzlicher Speicher für das Balkonkraftwerk?
Speicher für Balkonkraftwerke sind heute ein etabliertes Marktsegment. Wirtschaftlich rechnen sie sich vor allem, wenn die Anlage nahe der 800-Watt-Einspeisegrenze arbeitet und der Hauptverbrauch in den Abendstunden liegt. Bei kleineren Anlagen oder hohem Tagesverbrauch reicht oft die direkte Eigennutzung aus. Eine ausführliche Einordnung finden Sie im Beitrag zum Stromspeicher fürs Balkonkraftwerk.
Welche Lösung amortisiert sich schneller?
In Relation zum Einsatz amortisieren sich Balkonkraftwerke meist schneller – einfache Sets sind nach wenigen Jahren bezahlt. Eine große PV-Anlage braucht länger, liefert dafür aber über Jahrzehnte ein Vielfaches an Stromertrag. Welche Lösung absolut die höhere Rendite bringt, hängt von Anlagengröße, Eigenverbrauch und Strompreis ab. Eine genauere Einschätzung liefert der Photovoltaik-Rechner.
Kann ich später vom Balkonkraftwerk auf eine große PV-Anlage umsteigen?
Ja, das ist problemlos möglich. Das BKW kann weiter parallel betrieben oder bei einem Umzug mitgenommen werden. Vergütungsrechtlich ist die Kombination seit Mai 2024 unkritisch: Steckersolargeräte werden nach § 24 Abs. 1 Satz 5 EEG nicht mehr mit größeren PV-Anlagen zusammengefasst und beeinflussen damit nicht die Vergütungsklasse der Dachanlage.
Fazit
Die Entscheidung für eine Photovoltaikanlage oder ein Balkonkraftwerk oder beides richtet sich nach den Wünschen und Ansprüchen, den Besitzverhältnissen und letztlich auch dem Platzangebot. Die preisgünstigen Minis bieten Flexibilität und Spaß, die kostenintensiven Maxis dafür mehr Leistung und Ertrag. Beide Systeme zu kombinieren, ist ebenfalls möglich. Ob es auch sinnvoll ist, bleibt noch zu diskutieren. Am ehesten kommen die Vorzüge beider Lösungen bei einem getrennten Betrieb zum Tragen. Niedriger sind die Hürden, wenn die Kombination gleich von vornherein geplant wird.
Welches Balkonkraftwerk soll ich kaufen? Wenn das keine Erfolgsgeschichte ist! Ende 2019 waren nach MaStR-Auswertung erst rund 900 Stecker-Solaranlagen registriert;… weiterlesen


